WörthZero: Nachhaltige Mobilität

Im Jahr 2005 haben der Landkreis Starnberg und seine Gemeinden gemeinsam beschlossen, bis 2035 bei Energieerzeugung und -verbrauch klimaneutral zu werden. Auf der Webseite der Gemeinde ist zum Thema Klimaschutz im 5 Seenland das integrierte Klimaschutzkonzept von 2010 zu finden. Doch wo stehen wir heute?

Elektrofahrzeuge-STA

Die Zulassungszahlen für BEV und Hybridfahrzeuge steigen seit 2019 rasant an. Quelle: LRA Starnberg

BEV Microlino – Nachhaltige Mobilität

BEV sollen bis 2035 die Fahrzeugflotte weitgehend ersetzen. Coole Microlinos sind schon bei uns unterwegs. Foto: Stephan Bleek

PKW Zulassungen in Wörthsee Ende 2023
Elektrofahrzeuge Wörthsee Ende 2023

Ende 2023 waren in Wörthsee von allen PKW etwa 6% Elektrofahrzeuge (BEV). Weitere 6% sind Hybridfahrzeuge. 88% Verbrenner. Quelle: Landratsamt Starnberg.

„Die Gemeinde Wörthsee steigert ihre Attraktivität für Radfahrer und Fußgänger systematisch und kontinuierlich, damit die Nutzung CO,-neutraler
Fortbewegungsmittel erleichtert wird.“

„Schulmobilität: Der Transport der Kinder zur Schule und zu den Kindergärten erzeugt ein hohes Autoverkehrsaufkommen. In gemeinsamen Aktionen mit Eltern soll an der Grundschule in Wörthsee erreicht werden, dass verstärkt Elternfahrgemeinschaften gebildet oder die Kinder gemeinsam und betreut zu Fuß zur Schule begleitet werden („Bus mit Füßen“).

Mit den Erzieherinnen der Kindergärten soll gemeinsam ein Anreizsystem entwickelt werden, damit Kinder weniger mit dem Auto gebracht werden.

Im Rahmen einer Klimaschutzaktion (Projekt) an der Schule, soll die Klasse prämiert werden, die den höchsten Anteil an zu Fuß gehenden und Rad fahrenden Kindern aufweist.

Klimaschutzkonzept 5-Seenland 2010, S. 492, Empfehlung zur Mobilität
„Die Bestandsaufnahme zeigt alle Fußwege in der Gemeinde Wörthsee. Hier gibt es etliche Bereiche, in denen Nutzungskonflikte von Fuß-, Rad- und Kfz-Verkehr vorliegen, insbesondere im Verlauf der Etterschlager-/Hauptstraße, der Seestraße und an der Schul- und der Inninger Straße für den Schülerverkehr. Die Querung der Durchgangsstraße ist an vielen Stellen sehr problematisch (am Bahnhof, Haupt-/Dorfstraße, Pizzakreuzung, Kuckuckstraße und Schulstraße, sowie an Inninger- und Dorfstraße auf Höhe Birkenweg). Einige Wohngebiete gilt es durch zusätzliche Fußwege- verbindungen besser an die verschiedenen Ortsteile der Gemeinde anzubinden. Ebenso sind kurze ergänzende Durchwegungen zum See zu empfehlen.“
ISEK Studie 2019, S.22, Empfehlung zur Mobilität

„Die Hauptdurchgangsstraße (Etterschlager-/ Hauptstraße) ist derzeit als Staatsstraße gewidmet. Dadurch ergeben sich erhebliche Schwierigkeiten für die Gemeinde, auf Gestaltungsmöglichkeiten Einfluss zu nehmen. Der situationsangepasste Umbau an verschiedenen Stellen, ebenso der Umbau von Knotenpunkten oder die Errichtung von Querungshilfen würden dem dörflichen Charakter des Umfeldes eher entsprechen. Dies ist aber nur möglich, wenn die Gemeinde die Baulast der Straße übernimmt.

Auffällig sind in der Gemeinde die vielen Bereiche, in denen Nutzungskonflikte zwischen Radfahrern, Fußgängern und dem KFZ-Verkehr auftreten, dies gilt insbesondere in der Haupt- und Etterschlager Straße sowie der Seestraße.

Die Gemeinde ist rein strukturell geprägt durch viele einzelne Ortsteile. Diese gilt es in Hinblick auf den Rad- und Fußverkehr besser anzubinden. Die interkommunalen Anbindungen für Radfahrer sind zu verbessern und zu stärken. Zusätzlich wären Durchwegungen der einzelnen Wohngebiete und zum See sinnvoll, um ein Gesamtkonzept für den Fußverkehr zu erhalten.

Ziel ist es, den Kfz-Verkehr und hierbei insbesondere den ortsfremden Durchgangsverkehr zu reduzieren. Damit einher geht die Förderung des Rad- und Fußverkehrs, insbesondere im Binnenverkehr.“

„Die meisten Maßnahmen zur Reduktion des Verkehrs hängen an der Entscheidung, ob die Gemeinde Wörthsee die Straßenbaulast der Staatsstraße St 2348 übernehmen möchte. Die verschiedenen Modalitäten sind in einer Untersuchung zu erarbeiten, um dann eine fundierte Entscheidung treffen zu können. Insgesamt ist eine situationsangepasste Straßengestaltung zwischen der Bahnüberführung südlich Auing und der Pizzakreuzung dringend erforderlich.“

ISEK Studie 2019, S.88, Empfehlung zur Mobilität

Gute Ratschläge sind erarbeitet!

Ladesäulen an zentralen Punkten. Foto: Stephan Bleek.

In den Bereich der privaten Mobilität ist in den letzten 10 Jahren Bewegung gekommen. Tesla preschte vor mit dem „Battery Electric Vehicle“ (BEV) und inzwischen setzen alle Hersteller weltweit und sogar in Dieselland auf die Elektromobilität mit BEVs. Im Landkreis Starnberg sind Ende 2023 bereits 4218 BEV zugelassen, 10 mal mehr als 5 Jahre zuvor.

Hohe Investitionen werden von den Herstellen derzeit in neue Batterietechnologien gesteckt und dadurch sind in den nächsten Jahren effizientere Stromer zu erwarten. BMW-Entwicklungsvorstand Frank Weber kündigt in Auto, Motor und Sport bereits für 2025 neue Batterien an: „Die Ladegeschwindigkeit wird um bis zu 30 Prozent gesteigert und die Reichweite um bis zu 30 Prozent verbessert.“ Überdies sinke der CO2-Ausstoß bei der Zellproduktion um bis zu 60 Prozent. Damit schließen die Stromer im Komfort bereits zum Diesel auf.

PKW-Mobilität in Wörthsee

In Wörthsee sind etwa 3.400 private PKW zugelassen, 88% davon sind derzeit Verbrenner. Erst 200 reine BEVs.

In Richtung klimaneutrale Mobilität wurde bislang also erst ein Schrittchen gegangen. Stellen wir diese Flotte auf Elektrofahrzeuge um, beträgt der anzunehmende durchschnittliche Stromverbrauch beim derzeitigen Stand der Technik etwa 17-20 kWh pro 100 km, zusammengenommen und bei unterstellten 15.000 Km Fahrleistung etwa 9 GWh im Jahr. Dass diese Energiemenge im Gemeindegebiet mit erneuerbaren Energien erzeugt werden kann, haben wir im Artikel Energieerzeugung dargelegt. Eigene PV Dachanlagen und Speicher können dabei eine Schlüsselrolle spielen.

Andererseits ist nicht zu erwarten, dass die Fahrzeugflotte in 11 Jahren vollständig umgerüstet sein wird. Doch wenn spätestens im Zieljahr keine fossilen Brennstoffe mehr verbraucht werden sollen, muss erneuerbarer Strom auch zu Herstellung von grünem Wasserstoff, von E-Methan und verschiedenen E-Fuels eingesetzt werden. Solche Kraftstoffe werden auch mittelfristig dort Einsatz finden, wo eine hohe Leistungsdichte benötigt wird. Durch die Umwandlungsverluste ist die Nutzung von grünem Wasserstoff und E- Fuels aber sehr viel weniger effizient als der Batterieeinsatz.

Sie werden vermutlich auch teuer sein, zumindest für private Verbraucher. Denn die Bereitstellung der enormen Energiemengen für die Produktion synthetischer E-Fuels, besonders für die Industrie, stellt die größte Herausforderung für die Energiewende dar.

Diesel oder Stromer?

Ein Liter Diesel hat etwa einen Heizwert von 9,8 kWh, 1l Benzin einen solchen von 8,5 kWh. Um diesen Liter in den Tank zu füllen sind von der Ölquelle bis zur Tankstelle technische Prozesse in der Raffinerie und der Transport erforderlich, die einen erheblichen Energiebedarf haben. Rohöl wird beim Cracken in der Raffinerie auf 600 Grad erhitzt – mit Strom. Geschätzt werden über 10 kWh Energie für die Produktion eines Liters Kraftstoff. Auch AdBlue und Schmierstoffe werden mit einem hohen Energieaufwand, also Co2 Ausstoß produziert. Lassen wir diese Werte außer Acht. Ein Golf benötigt ca. 6l Diesel auf 100 km, was fast 60 kWh an verbrauchter Heizleistung entspricht. Tesla hat hierzu eine interessante Umrechnung aufgestellt, die zeigt, wie ineffizient im Verbrenner mit Kilowattstunden umgegangen wird. Unterstellen wir eine durchschnittlich Jahresfahrleistung von 15.000 km pro Fahrzeug, kommen wir auf einen Energiebedarf der Verbrenner von etwa 9.000 kWh. Plus Energie in Raffinierungsprozessen von etwa 1.500 bis 2.000 kWh sind es 11.000kWh. Ein Elektrofahrzeug mit heutiger Technik kann diese Fahrleistung mit einem Verbrauch von etwa 2.200 – 3.000 kWh erbringen.

Noch ineffizienter sind E-Fuels. Die Ludwig-Bölkow Systemtechnik hat berechnet, dass für die Herstellung von einem Liter E-Diesel aus CO₂ und Wasserstoff 27 kWh Strom nötig sind. Damit fahren selbst große über Batterie versorgte E-SUV mehr als 100 Kilometer weit. Insofern haben Dieselmotoren bei PKW keine Zukunft.

Reichweite Fahrzeuge

Quelle: SRU (Sachverständigenrat für Umweltfragen) 2017: Umsteuern erforderlich: Klimaschutz im Verkehrssektor. Berlin, S. 87 | Daten: Kreyenberg, D., Lischke, A., Bergk, F., Duennebeil, F., Heidt, C., Knörr, W., Raksha, T., Schmidt, P., Weindorf, W., Naumann, K., Majer, S., Müller-­Langer, F. 2015: Erneuerbare Energien im Verkehr. Potenziale und Entwicklungsperspektiven verschiedener erneuerbarer Energieträger und Energieverbrauch der Verkehrsträger. Studie im Rahmen der Wissenschaftlichen Begleitung, Unterstützung und Beratung des BMVI in den Bereichen Verkehr und Mobilität mit besonderem Fokus auf Kraftstoffen und Antriebstechnologien sowie Energie und Klima. Berlin, Heidelberg, München/Ottobrunn, Leipzig: Deutsches Zentrum für Luft-­ und Raumfahrt, IFEU – Institut für Energie­ und Umweltforschung, Ludwig-­Bölkow­-Systemtechnik, Deutsches Biomasseforschungszentrum, S. 15

HVO100

Um den großen Bestand an Dieselfahrzeugen adhoc umweltfreundlicher betreiben zu können, sind synthetische Kraftstoffe wie HVO100 eine sinnvolle Lösung.

Schritte zu nachhaltiger Mobilität in Wörthsee

  • Umstellung der privaten PKW auf BEV-Elektrofahrzeuge.
  • Entwicklung und Verbesserung der Fußgänger- und Fahrradinfrastruktur zur Förderung des nichtmotorisierten Verkehrs gemäß ISEK Empfehlungen.
  • Untersuchung zur Vorbereitung der Umwidmung der Staatsstraße zur Gemeindestraße gemäß ISEK Empfehlung. Umwidmung nach Fertigstellung der S-Bahn Unterführung. Situationsangepasste Verkehrsführung und Tempolimits auf T30.
  • Sperrung für Schwerlastdurchgangsverkehr sofort.
  • Schulmobilität mit Fahrrad und zu Fuß organisieren.
  • T30 ausweiten um mehr Fahrradverkehr zu ermöglichen. (bis 2030)
  • Weitere Ladestationen für Elektrofahrzeuge. (Bis 2028)
  • Einführung eines BEV-Sammeltaxisystems. (Bis 2028)
  • Mitfahrerbänke. (Bis 2024)
  • Begleitung des S-Bahn Ausbaus. Reduzierung des PKW Pendlerverkehrs. (Bis 2030)

Meilensteine

Alle Schritte zu einer Co2-neutralen Mobilität müssen private Personen für sich entscheiden. Da hierbei eine große Bandbreite an Motiven oder Beschränkungen der individuellen Möglichkeiten besteht, können nur Empfehlungen gegeben werden.

  • Schrittweise Umstellung der PKW Flotte bis 2035 von derzeit 6% auf möglichst viele BEV. Verdoppelung der BEV bis 2025.

Auf Seiten der Gemeinde und des Kreises können unterstützende Schritte zu einer Erleichterung der Nutzung anderer Mobilitätsmöglichkeiten gegangen werden:

  • Neuordnung der Staatsstraße und Fußgänger/Radwegnetz gemäß ISEC Planung bis 2030. T30 auf der Staatsstraße.
  • T30 auf allen Gemeindetraßen bis 2025
  • Ladestationen BEV bis 2028 verdoppeln.
  • BEV Sammeltaxi prüfen und mit MVV oder anderem Anbieter einführen.
  • Mitfahrerbänke: Beschluss 2024 umsetzen.
  • S-Bahn: Ausbau durch DB begleiten. S-Bahn Nutzung ist Ressourcen und Klimaschonend und daher auch der BEV Nutzung überlegen.