Weniger Tempo – Mehr Lebensqualität | 11. Oktober 2022

Die Initiative für Artenvielfalt lädt ein:

WENIGER TEMPO

MEHR LEBENSQUALITÄT

Diskussionsveranstaltung mit

  • Christl Muggenthal, Bürgermeisterin
  • Markus Büchler, Verkehrsexperte, bayerischer Landtag
  • Anton Maier, ADFC-Kreisvorstand Starnberg
  • Doja Muggenthaler, Initiative für Artenvielfalt
  • Moderation: Dietlind Klemm, Journalistin

Schwerpunkte:

  • Ergebnisse der Umfrage: Großer Wunsch nach Verkehrsberuhigung und sicheren Überwegen
  • Tempo 30 – Pro und Contra
  • Wege zu mehr Schutz für Radler*innen und Fußgänger*innen

Wo? Rathaussaal Wörthsee

Wann? 11. Oktober, 19.30

V.i.S.P: Doja Muggenthaler, Waldstraße 42, Wörthsee

Weniger Tempo – Mehr Lebensqualität | 11. Oktober 20222022-09-22T23:30:55+02:00

Umfrageergebnisse Tempo 30

Umfrageergebnisse Tempo 30

Übrigens: Paris hat Tempo 30 eingeführt. Die französische Hauptstadt und 8-Millionenstadt Paris hat am 30. August 2021 Tempo 30 im Stadtgebiet für fast alle Straßen eingeführt.

Regina Ammel, ADAC
In den vergangen Wochen hat die Inititative Artenvielfalt eine Umfrage zur Verkehrssituation in Wörthsee und zu einem niedrigeren Tempolimit durchgeführt. Wir haben 2000 Fragebögen verteilt und 207 Bögen zurückerhalten. Die Auswertung der Antworten wirft ein klares Licht auf die Probleme, die der Autoverkehr tagtäglich verursacht.
Verkehrsbefragung 2022

Die Ergebnisse zeichnen ein eindeutiges Bild: die wenigsten Einwohner finden, die Verkehrsführung könne so bleiben, wie sie ist. 75% der Antworten sprechen sich für ein generelles Tempolimit von 30 km/h aus, für die Abschnitte Auing-Schulstraße oder See und Dorfstraße sogar 85%. Damit sind die neuralgischen und besonders engen Punkte in Steinebach und Auing als besonders problematisch identifiziert – hier ist der Handlungsbedarf am größten. Kritisch angemerkt wurde von einigen Etterschlagern, dass die Situation dort nicht eigens gefragt wurde. Dieser Punkt bleibt also weiter zu bearbeiten.

Einige der Gegner von einem strengeren Tempolimit auf 30 km/h schrieben, dass bei Tempo 30 der Schadstoffausstoß der Fahrzeuge höher sei, als bei Tempo 50. Es gibt in der Tat sich widersprechende Studien hierzu. Das Argument kann, wenn überhaupt, nur gelten, wenn man eine konstante Fahrgeschwindigkeit unterstellt. Die auch in Wörthsee alltägliche Stop-and Go Situation führt durch den Beschleunigungsvorgang auf Tempo 50 in allen Studienergebnissen zu insgesamt höheren Emissionen bei Tempo 50. Die ebenfalls beträchtliche Lärmreduzierung bei T30 nehmen die Befürworter höherer Geschwindigkeiten gar nicht zur Kenntnis. Klar, im Fahrzeug hört man sich nicht.

Ein Argument das öfters zu lesen war: ich muss doch zügig zur Arbeit fahren können. Wir hatten bereits die Fahrzeiten vom Ortseingang in Auing bis zum Etterschlager Kreisel mehrfach mit dem Auto getestet: Bei Tempo 30 waren es im Durchschnitt 8 Minuten. Bei Tempo 50 waren es im Durchschnitt 6 min. 10 sec., also knapp 2 Minuten schneller. Für 2 Minuten „Zeitgewinn“ sollen also alle Bürger und besonders die Anrainer der Straßen mehr Lärm hinnehmen. Von der Gefährdung der Kinder auf dem Schulweg durch morgens, weil zu spät dran, bereits gestresste und „zügig“ fahrende Autofahrer ganz abgesehen. Leute, steht einfach mal rechtzeitig auf.

Querung Schule neu
Querungen Pizzakreuzung
Querung Ahornstraße Steinbach
Neuralgische Punkte im Straßenverlauf von Wörthsee

Zu den Antworten auf die einzelnen Problempunkte.

Edeka Einfahrt Waldbrunn:

– Analyse: Wir erhielten die Schilderung eines Fahrradunfalls, „Radler brauchen hier viel Glück!“, mit 2 kleinen Kindern bei der Straßenüberquerung dort. Die Situation sei sehr schwierig. Anwohnerin dort schreibt, es würde oft schneller als 50 gefahren, besonders nachts.

– 86 Antworten plädierten für Zebrastreifen, davon 3 mit Blinklicht, 6 mit Druckampel, 1 Begrünungsvorschlag kam, mehrmals wurde der Hinweis auf den Sportplatz gegeben, wo auch Kinder und Jugendliche trainieren.

– Geschwindigkeit: 26 für T.30, 1x für T30 von 6 bis 18 Uhr, 1x T40.

– Weitere Vorschläge: Nase, Buckel, Parkverbote

– Kritik: 9x Querungshilfe reicht, 1x Querungshilfe unnötig, führt zu Unübersichtlichkeit; 1x „Autofahrer, die bei Querungshilfe nicht stehen bleiben, tun dies auch bei Zebrastreifen nicht“;

Schulstraße:

– Analyse: Verbesserung nötig! Eltern sollten Kinder nicht mit Auto bringen! Blaue Pfeile werden von Schnellfahrern angefahren. Zusammenstoß zweier Fahrräder; Querungsinsel zu klein für Fahrrad mit Anhänger!

– 70 Antworten für Zebrastreifen, davon 6 mit Druckampel, 1 mit Begrünung,

– Geschwindigkeit: 25 Antworten für T30

– Weitere Vorschläge: Parkverbote 5x, Hindernisinseln 2x, Buckel 2x, Nasen, Spiegel zur Verbesserung der Übersichtlichkeit, Geschwindigkeitskontrollen; gemeinsamer Überweg für Nr.2 und 3

– Kritik: Querungshilfe und Schulweghelfer genügen 7x, „Ist man nicht mehr fähig, alleine, eigenverantwortlich eine kleine Straße zu überqueren?“

Maistraße:

– Analyse: Unübersichtlich, u.a. wegen Hecke bei Schreinerei, mehrere Unfälle und Beinahe-Unfälle bei Maistraße-Radweg-Querung.

– 51 für Zebrastreifen, davon 2x mit Ampel könnte aber auch gemeinsam für hier und Schulstr. benützt werden.

– Geschwindigkeit: 24 für Tempo 30, 1x für T40

– Weitere Vorschläge: Spiegel für Autos, die aus der Maistr. kommen, Stoppschild vor Fuß- und Radweg, Parkverbote, Schild „Vorsicht Radweg kreuzt“, Buckel 2x, Hindernisinseln, mehr Geschwindigkeitskontrollen

– Kritik: Querungshilfe überflüssig! „Durch schlechte Sicht ist man ohnehin vorsichtig.“ Alles o.k.

Kuckucksheim:

– Analyse: „Lebensgefährlich“ Zumutung für Familien! Unübersichtlich!

– 60 für Zebrastreifen, davon 9 für Druckampel, 1 für Querungshilfe

– Geschwindigkeit: 45 für T30

– Weitere Vorschläge: Sorgfältige Planung durch Fachleute, Verkehrsinsel, 2x Kreisverkehr, Schild „Achtung Kinder!“, Hecken zurückschneiden, Halte- und Parkverbote, Kreisverkehr

– Kritik: Wörthseer fahren eh alle mit dem Auto, daher kein Übergang nötig;

Pizzakreuzung:

Analyse: Radweg oft zugeparkt; gefährlich, vollkommen unübersichtlich, schlimmste Kreuzung in Wörthsee 14x, viele wissen nicht, wann man blinken muss, lebensgefährlich für Kinder;

„Bin dort schon einmal unter einem Auto gelegen.“ „ Ein Wunder, dass nicht mehr passiert!“ 1 Unfall,

– 30 für ein bis zwei Zebrastreifen, 6x Zebrastreifen mit Ampel

– Geschwindigkeit: 30x für T30, 1x T40, 2x T10, 2x „starke Geschwindigkeitsreduktion“

– Weitere Vorschläge: 38x Kreisverkehr ( z.T. in Verbindung mit Zebrastr.), 10x durchgehender Radweg, Radwegende absenken, Vorfahrt für Radler, 3x durchgehender Fußweg, 9x Einbahnstr. Regelung, 3x deutlichere Vorfahrtsschilder, 3x Leitlinien auf der Straße, Shared Space, 4x völlige Neugestaltung mit Hilfe von Fachleuten, 4x mehr Übersichtlichkeit, 2x Verkehrsinsel, 1x Spiegel, 3x Speedbumper, Park- und Halteverbote, stattdessen auf Wiese gegenüber Parkplatz machen;

– Kritik: „Nichts verändern, gehört zu Steinebach dazu.“ „Fußgänger nicht bevorzugen, sonst geht gar nichts mehr.“ „Wie viel Unfälle gab es denn bisher?“ „Baulich nicht anders zu lösen!“ „Jetziger Fußweg genügt.“

Pizzakreuzung bis Apotheke:

– Analyse: 4x „Katastrophe! Total gefährlich! Für Kinder ungeeignet!“ „An Schulkinder denken!“ „Eine unwürdige Situaion!“ 3x „Für Radfahrer gefährlich!“ „Es passen kaum 2 Autos aneinander vorbei.“

– 1x Querungshilfe, Zebrastr.; Hinweis auf vorhandenen Fußweg, 4x durchgehender Fuß- und Radweg, evtl. verbunden mit Einbahnregelung

– Geschwindigkeit: 35x T.30, 1x verkehrsberuhigte Zone T10

Weitere Vorschläge: 28x Einbahnregelung dabei für Radfahrer in beide Richtungen, 41x Fußweg ausbauen ohne Treppe und für Rollstuhlfahrer benutzbar, LKW-Fahrverbot, Fußgängerzone, Straßenverbreiterung, 10x Radweg, bessere Beleuchtung, Speed bumper, Spiegel, Warnschild; weiße Straßenbegrenzung;

Kritik: „Baulich nicht anders zu lösen!“

Apothekenkreuzung:

– Analyse: Fußweg an Kirchenseite schlecht, Neugestaltung mit Pflaster wird zu Verbesserung führen; gefährlich für Radfahrer

– 34x Zebrastreifen, 1x Zebrastr. nach japanischem Vorbild (alle 4 Seiten und diagonal), Kreisverkehr mit 4 Zebrastr., 4x Querungshilfe, 7x Druckampel

– Geschwindigkeit: 50x T30, 8x Tempolimit, 1x T20,

– Weitere Vorschläge: Shared Space, 3x Kreisverkehr, 2x Speed Bumper,3x rechts vor links, Fahrradweg,

– Kritik: „Querungshilfe problematisch, da Fahrzeuge blockiert werden.“ „ Es reicht so, wie es ist.“

Hauptstraße bis Ahornstraße

– Analyse: Massiv gefährlich für Fußgänger und Radfahrer, für Verkehrsbeeinträchtigte ganz schlechte Lage;

– 2x Zebrastr., 2x Querungshilfe bei Fußweg

– Geschwindigkeit: 2x T20, 2x Fahrradstr. Mit T20

– Weitere Vorschläge: 44x durchgehender Fußweg (z.T. bessere Beleuchtung und durchgehend von Pizzakr. Bis Bahnhof); Verbot für Lastwagen, Flächenzukauf, Blitzer, Bodenwellen, 2x Fuß- und Fahrradstreifen, 4x Einbahnstr., generelles T30 im ganzen Ort würde dazu führen, dass nicht erst hier Tempo gedrosselt wird; kleinere Busse einsetzen, mit Schild auf vorhandenen Fußweg hinweisen, deutliche Schilder pro Fußgänger, Smileys für Tempoeinhalter;

  • – Kritik: „Paralleler Fußweg sollte genutzt werden!“
S-Bahn-Fußweg an Kreuzung Hauptstraße/Ahornstraße

Analyse: Fußgänger sind hier Freiwild., für Leute mit Rollkoffer Treppen schlecht; unübersichtlich, Verbesserung nötig!

53x Zebrastr., 3x Druckampel, 31x irgendeine Form von Fußgängerüberweg;

Geschwindigkeit: 31x für T30, 1x T30 nur tagsüber,

Weitere Vorschläge: Fahrrad- und Fußgängermarkierung, Nase, 2x Speedbumper,

Einmündung Bahnhofstr.:
  • Analyse: Oft problematische Situationen, vorhandener Spiegel (?) oft verstellt, viel zu gefährlich!11x Zebrastr., 2x Überweg zu Auinger Str. mit Abstand zur UnterführungGeschwindigkeit: 52x T30, 1x T40, 7x Tempolimit, 1x extreme Begrenzung nötig;Weitere Vorschläge: 4x Spiegel, 4x Kreisverkehr, Fahrradmarkierung, 3x Straße ausbauen, 2x rechts vor links, 2x Speed Bumper, Schild: Achtung Fußgänger!, Schulbushaltestelle kindersicher machen!, Hinweisschild „Zum See“ fehlt; Ampel für Unterführung, Stoppschilder! Verkehrsinsel entfernen!Kritik: „Durch neue Absperrung bei Unterführung ist es ohnehin verkehrsberuhigt.“
See-, Dorfstraße:

Analyse: Beim Feuerwehrhaus gab es vor Jahren einen tödlichen Verkehrsunfall. 1 Kind schreibt: „Bei der Bushaltestelle Taubenweg muss ich große Angst haben, weil die Fahrzeuge mit 70 reindonnern.“

5x Zebrastreifen am Birkenweg, bei Fußweg am Schlittenberg, Druckampel bei Grundler

Geschwindigkeit: 92x T30 insgesamt, 1x von Pizzakr. bis Meisenweg, 2x T40

Weitere Vorschläge: 2x Einbahnstr.lösung, Fahrbahnverengungen, Schwellen, Parkverbote, Smileys für Langsamfahrende, Fahrbahnverengungen,

Kritik: „Radfahrer sind nur gefährdet, wenn sie sich nicht an die Regeln halten!“ „Der Verkehr muss fließen!“

Sonstiges:

Für Radler: 3x Fahrradstreifen nicht aufmalen, da Straße zu eng; Fahrradstreifen durchgehend mit roter Farbe aufmalen; Radstreifen gut, weil Parkplätze wegfallen; 2x Viele wissen nicht, was eine „Fahrradstraße“ bedeutet. Radwege müssten durch den ganzen Ort gehen und auch in die Nachbarorte weitergeführt werden. Der jetzige Fuß-Radweg ist zu gefährlich. Nein, er ist o.k.! Gegen rücksichtslose Radler sollte vorgegangen werden. Radler sollten Radweg benützen.

Für Fußgänger: Durchgehende Fußwege gefordert! Hecken hängen über Gehwege. Fußgängerzone zwischen Wörthseeblick und Rathaus! Schulkinder können kaum selbständig zur Schule; bessere Beleuchtung der Fußwege; 2x Ampeln ( plus diejenigen unter P. 1 bis 11 angeführt ), Seestr. am Wochenende für Autos sperren; gepflasterter Fußweg in Seestr. ist für Gehbehinderte problematisch; Nicht zu viele Überwege, Verkehr muss fließen. Verkehrsstillstand durch Zebrastreifen sollte in jedem Fall vermieden werden.

Parken/ Halten: An unübersichtlichen Stellen Park- und Halteverbote, z.B. 2x Halteverbot von Edeka bis Pizzaservice; im Sommer Parkplätze außerhalb für Touristen; Am See sollten nur E-Autos parken dürfen. In Hauptstr. nur Anwohner parken lassen; Parkgebühr für alle, die ihr Auto über Nacht stehen lassen; Wörthseemaut für Touristen; Shuttlebusse von Autobahn zum See;

Geschwindigkeit bremsen: 4x Poller, 4x Nasen, 5x Blitzer ( „Es wurden 6 Mess-Stellen 2016 beschlossen, aber nicht eingerichtet.“), Kontrollen zu wechselnden Zeiten; Smileys, Stopp-Schilder, 2x T40 auf ungefährlicheren Straßen; „Wenn wir Verkehr nicht ausbremsen, geht unser Ort kaputt!“ In Waldbrunn fahren viele zu schnell, weil auf einer Seite keine Häuser sind.

Lärm: Lastwagen aussperren! Kleinere Busse, Busse sollen langsamer fahren; Münchner Str. in Etterschlag extrem lärmbelastet! Einer behauptet: „Etterschlager Str. führt nicht durch Wohngebiete!“

Straßen, die in Fragebogen nicht angesprochen wurden: Keine Autos am Seglerweg! Sonnenwinkel T30 und pflastern! Kreuzungen in Etterschlag nicht berücksichtigt! Am Ortseingang in Etterschlag (Mauerner und Münchner Str.) jeweils Zebrastreifen, dort gab es kürzlich einen schweren Unfall mit Kind. Steinberg, Bahnhofstr. und Wesslinger Str. Speed Bumper! Kuckuckstr. überall T30!

Begrünung: Kreisel mit einheimischen Wildpflanzen bepflanzen; Straßenränder begrünen!

Demokratie: „Gute Idee, die Leute zu befragen!“ „Öfter mal die Bevölkerung befragen!“ „Die AG Verkehr arbeitet bereits an diesen Themen.“ „Die Fragen sind so weltfremd wie die GRÜNEN.“ „Initiative ist gut, sollte sich aber an gesetzlich Machbarem orientieren und vollständig informieren.“ „Die Gemeinde sollte professionelle Verkehrsgutachten veröffentlichen!“ „Bürgerversammlung zu diesem Thema machen!“

Umstrittenes: „Fahrgeschwindigkeit regelt sich weitgehend von selbst.“ „Der permanente Blick zum Tacho bei T30 lenkt ab.“ „3x: Bei T30 spart man laut ADAC keinen Sprit und erzeugt mehr Abgase.“ (Der ökologisch orientierte VCD widerspricht hier.) „Es könnte sein, dass manche Autofahrer nach T30 besonders aggressiv fahren.“ „Doppelmoral beenden: Alle fahren Auto!“ (???) Es gibt in Wörthsee nicht nur Rentner, die viel Zeit haben, sondern auch noch arbeitende Bevölkerung.

Menschliches: „Braucht man überall eine Gehhilfe? Ist man nicht mehr fähig, eigenverantwortlich eine kleine Straße zu überqueren?“ „Ihr spinnt!“ „Bezahlen Fußgänger eigentlich Steuern? Oder warum brauchen die ALLE Rechte?“ „Verkauft eure Autos! Aber es gibt Menschen, die arbeiten hier und da sind 30 unangebracht.“ „1.Wegziehen, wem es hier nicht gefällt. 2.Führerschein abgeben und nicht mehr am Straßenverkehr teilnehmen. 3. Über den Tellerrand schauen, überall auf der Welt sind die Gefahren und Probleme so groß, wir leben hier im Paradies, es gibt nicht m e h r Lebensqualität! Wann ist der Mensch endlich mit was zufrieden?“

Dazu viele, viele Dankeschöns für unsere Arbeit. Und viele, die weiter informiert werden wollen.

Satirisches: „Man sollte ein Schild aufstellen „Vorsicht! Freilaufende Hunde!“ Das würden die Leute eher beachten, denn Hunde sind ihnen wichtiger als Menschen.“

Umfrageergebnisse Tempo 302022-05-09T11:14:07+02:00

Tempo 30 für Wörthsee

Tempo 30 für Wörthsee

Die Initiative „Lebenswerte Städte durch angemessene Geschwindigkeiten“ hat bereits 70 Mitglieder. Grafik: Aus:Kommunen fordern Entscheidungsgewalt, Magazin Katapult.

Tempo in Wörthsee
Alle Parteien in Wörthsee haben ein strengeres Tempolimit im Wahlkampf gefordert. Wo bleibt die Umsetzung? Wir halten den Vorschlag einer Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit für richtig. Das Allerorten eingebürgerte Tempo 30 würde die Ziele der Verkehrsberuhigung am besten erreichen. Der Radweg auf der Etterschlager Straße lässt ebenfalls weiter auf sich warten, obwohl schon vor Jahren beschlossen. Auch die fehlenden Überwege mit Zebrastreifen für Fußgänger wurden von Bürgern immer wieder moniert, wenig ist bislang geschehen. Ein Durchfahrtverbot für LKW über 7,5 t. wäre leicht realisierbar, da die Umgehung über Weßling nur ganz wenig mehr Fahrzeit erfordert.

Manche werden sich fragen, was unser Bestreben, die Artenvielfalt zu fördern, damit zu tun hat. Mit Tempo 30 würden wir einen Beitrag zum Klimaschutz leisten und die Lebensqualität in Wörthsee, vor allem für Fußgänger und Radfahrer, verbessern. Jeder Schritt gegen den Klimawandel ist auch ein Schritt für den Artenschutz. (Nur bei den Windrädern entstehen da gewisse Interessenskonflikte, die man aber mit gutem Management und neuer Technik weitgehend beheben könnte.)

Vom Umweltbundesamt gibt es eine Untersuchung zur Wirksamkeit von Tempo 30 in Durchgangsstraßen, die jede/r im Internet nachlesen kann. Die wesentlichen Ergebnisse:

  • Die Leistungsfähigkeit der Straßen wird kaum beeinträchtigt, d.h. man ‚verschwendet‘ kaum Zeit.
  • Je länger Tempo 30 eingeführt ist, desto besser wird es eingehalten.
  • Der Zeit’verlust‘ pro 100m beträgt 0 bis 4 sec, der Verkehrsfluss verbessert sich zugleich.
  • Lärm und Schadstoffe werden reduziert.
  • Die Verkehrssicherheit, vor allem für Fußgänger und Radfahrer, steigt.
    Die meisten Anwohner nehmen die Regelung sehr positiv auf.
  • Für Erholungsorte ist so eine Regelung leichter möglich.

Wir haben nun die Fahrzeiten vom Ortseingang in Auing bis zum Etterschlager Kreisel mehrfach mit dem Auto getestet:

Bei Tempo 30 waren es im Durchschnitt 8 min. Bei Tempo 50 waren es im Durchschnitt 6 min 10 sec., also knapp 2 Minuten schneller. Ich finde, die zwei Minuten könnten wir für all diese Vorteile opfern. Außerdem könnte man eine Menge Verkehrsschilder sparen!

Wir werden in den nächsten Wochen überlegen, wie wir das Projekt Tempo 30 voranbringen können und würden uns freuen, wenn viele von euch ihre Ideen und ihre Tatkraft einbringen würden.

D.M.

Querung Ahornstraße Steinbach

Querung Ahornstraße. Fußgänger von der S-Bahn haben Probleme. Tempo 30 und eine Querungshilfe sind erforderlich.

Querungen Pizzakreuzung

Querungen Pizzakreuzung. Fußgänger bislang Freiwild. Tempo 30 am Hang dringend erforderlich.

Querung Schule neu

Querung Schule: Tempo 30 macht es für die Kinder sicherer.

Neuralgische Punkte im Straßenverlauf

Bereits im ISEC Gutachten sind verschiedene Punkte im Verlauf der ST3248, Etterschlager Straße/Hauptstraße, aufgeführt, die eine Temporeduzierung und eine Verbesserung der Querungsmöglichkeiten für Fußgänger erfordern. Eine Begehung des Seniorenbeirats zusammen mit den Beauftragten des Landratsamts hatte ebenfalls dringend erforderliche Änderungen erbracht. Die Punkte sind:

  • Steinebach, Querung an der Kreuzung Ahornstraße: Hier kommt der Fußweg von der S-Bahn herunter und die Fußgänger queren die Straße um zum Weg Richtung Moosbichlweg zu gelangen. Genau an diesem neralgischen Punkt wird derzeit Tempo 30 aufgehoben – völlig unnötig, da keine 10 Meter weiter die Einbahnstelle an der S-Bahn Unterführung zum Halten zwingt.
  • Steinebach, Kreuzung am Kirchenwirt: Auch hier endet Tempo 30 vollkommen unsinnig direkt vor dem Kreuzungsbereich. Ein Überweg der für Ältere und Behinderte tauglich und sicher ist, fehlt nach wie vor. Nach dem Ende der Bauarbeiten am Kirchenweg soll dieser Bereich allerdings vollkommen neugestaltet werden und eine Verkehrsberuhigung ist hier vorgesehen.
  • Hang und Pizzakreuzung: Das Überqueren der Straße ist hier nicht gelöst. Das Tempo den Burgselberghang hinauf und herunter gehört reduziert, da die Fahrbahn sehr eng ist und der unterhalb verlaufende Fußweg an einer vollkommen unübersichtlichen Stelle auf die Hauptstraße mündet – ohne Querungsmöglichkeit.
  • Querung Buchteil – Überweg fehlt für Fußgänger von Kuckucksheim zum See gehen.
  • Bereich Schule: Die vorhandene Querung mit Insel sollte besser als Zebrastreifen beschildert werden und das Tempo gehört dringend auf 30 reduziert. Zum Beispiel in München gilt inzwischen überall im Bereich von Schulen oder Kindergärten Tempo 30. Was in der Großstadt Standard ist, müsste im Dorf nicht scheitern.
  • Bereich Waldbrunn, Etterschlagerstraße: hier ist die Straße breit und es wird gerne zu schnell gefahren. Aus Lärmschutzgründen ist Tempo 30 auch hier die richtige Lösung.
  • Inninger Straße, Etterschlag, Richtung AB-Auffahrt Wörthsee: Dort ist zumindest von 22-6 Uhr ein Tempolimit für den Lärmschutz nötig.
Fahrzeiten Umgehung Wörthsee

Fahrzeiten durch Wörthsee oder um Wörthsee herum, laut Google Maps. Foto: Google ©

Bessere Nutzung der Umgehungsstraße – Sperrung für Schwerverkehr

Der Fahrzeitenrechner auf Google Maps ermittelt für den Weg von der Kreuzung Eichenallee zum Etterschlager Kreisel eine identische Fahrzeit von etwa 8 Minuten, obwohl der direkte Weg durch Wörthsee etwa 3 Kilometer kürzer ist. Für den Schwerverkehr gibt es überhaupt keinen Grund, sich weiter durch die Engstellen in Auing und Steinebach zu quälen. Ein Durchfahrverbot für LKW wäre sinnvoll und schadet niemandem. Auch PKW Fahrer sollten den entspannteren Weg über die Umgehungsstraße vorziehen – sie verlieren nicht einmal Zeit. Auch der Energieverbrauch des Fahrzeugs wird trotz der weiteren Strecke nicht nennenswert steigen, da das Energiefressende Stop-and-go an den Engstellen im Ort fortfällt. Tempo 30 innerorts ist ein weiterer Anreiz, die Ortsdurchfahrt zu meiden.

Erholungsort Wörthsee, Foto: SB

„Die Leistungsfähigkeit für den Verkehr wird durch Tempo 30 nicht eingeschränkt, die Aufenthaltsqualität dagegen spürbar erhöht. Und auf die Länge des Straßennetzes bezogen ist Tempo 30 in den allermeisten Städten ohnehin schon längst die Regel und nicht mehr die Ausnahme. Dies heißt auch: Tempo 30 ist eine Maßnahme für die Städte und Gemeinden und die Menschen, die dort wohnen – es ist keine Maßnahme, die sich gegen den Autoverkehr richtet.“

Lebenswerte Städte durch angemessene Geschwindigkeiten, Deutscher Städte- und Gemeindetag
Erholungsort Wörthsee

Ein weiteres Argument für eine Verkehrsberuhigung ist die Bedeutung von Wörthsee als Erholungsort. Zwar führt die Gemeinde diesen Titel offiziell nicht und hat ihn wohl nie beantragt. Wörthsee erfüllt jedoch die Kriterien der Staatsregierung für diese Klassifizierung. In der Publikation des Umweltbundesamts zum Tempo 30 steht aus Seite 20/22 , dass „Erholungsorte“ in der Regel flächendeckend Tempo 30 einrichten können.

Die Statistik für Wörthsee nennt 50.000 bis 60.000 Gästeübernachtungen pro Jahr. Mit durchschnittlicher Aufenthaltsdauer von 4,2 Tagen. Die Kriterien eines Erholungsortes (Bayer. AnerkV § 11,3 und §11,4) sind damit zahlenmäßig erfüllt. Die landschaftliche Schönheit nach § 11,1 ist selbstverständlich gegeben mit der Gastronomie und den vielen Ferienwohnungen, Hotels und Pensionen wird auch der §11,2 erfüllt.

Der Charakter eines Erholungsorts ist also ein weiterer Grund, nach dem für Wörthsee eine Tempobeschränkung auf 30 km/h richtig ist.

Mit der Forderung nach Tempo 30 sind wir nicht allein. Im Deutschen Städtetag hat sich eine Initiative von 70 Städten und Gemeinden gebildet. Die Initiative „Lebenswerte Städte durch angemessene Geschwindigkeiten“ fordert zum Handeln auf. Augsburg, Mehring, Murnau oder Miesbach sind dabei, um nur einige zu nennen.

Tempo 30 für Wörthsee2022-02-07T18:53:26+01:00

Ein Vollsortimenter-Supermarkt als Ortsmitte?

Ein Supermarkt als Ortsmitte?

Ein Vollsortimenter-Supermarkt als neue Ortsmitte? In einer Nebenstraße im Kuckuckswald in Wörthsee?  Das wirft Fragen auf. Wie durchdacht ist dieses Projekt?
Karte der Gemeinde Wörthsee. Quelle: Bayernatlas

Die Gemeinde Wörthsee ist sehr lang gestreckt, locker bebaut und ohne gemeinsames Zentrum der Ortsteile. Quelle: Bayernatlas

Einzugsbereich der Supermärkte

Ein Kilometer Radius um den bestehenden (blau) und den geplanten (rot) Supermarkt. Ein Drittel der Nah-Kundschaft überlappt. Quelle: Bayernatlas, Bearbeitung SB.

Vor dem Gewitter

155 Regentage zählt Wörthsee im Jahr. Regen, Schnee, Glatteis oder große Hitze sind gute Gründe, nicht zu Fuß zum Einkaufen zu gehen. Foto: D Bleek

Zum Standort Kuckucksstraße

Schafft ein, zwei, viele Zentren!

Das „Problem“ bei allen neuen Planungsansätzen in Wörthsee ist die Zusammensetzung der Gemeinde aus 5 (bzw. 7) Teilgemeinden, die eine schmale, langgestreckte Siedlung bilden, die keine Ortsmitte hat. Die Gemeinde hat sich vorgenommen, am Teilsrain nachzubessern und hier ein neues Zentrum entstehen zu lassen. Gleichzeitig plant die Gemeinde jedoch in Steinebach am Kirchenwirt ein weiteres Ortszentrum. Ist das sinnvoll? Das von der Gemeinde erbetene Gutachten „Feinstudie am Teilsrain“ bleibt skeptisch: „Eine wesentliche (offene) Frage ist auch die Gestaltung und Gewichtung eines möglichen Kernbereichs oder sogar Ortszentrums “Am Teilsrain“ und der Einfluss auf vorhandene bzw. neu entstehende Kernbereiche innerhalb des Gemeindegebiets, wie bspw. das Areal „Am Kirchenwirt“ im Altort Steinebach.“

Ein Supermarkt als Zentrumsbilder?

Um dem Areal am Teilsrain „Zentrumsqualität“ zu verleihen, setzt der Gemeinderat auf den „Nahversorger“. Dem Supermarkt wird damit eine hohe soziale Qualität zugesprochen. Jedem, der einen Supermarktbetrieb kennt, mag das fragwürdig erscheinen. Praxis ist doch: Mit dem Auto zum Parkplatz, mit dem rasselnden Wagen durch den Markt, Zahlen und wieder raus, Einkauf rein ins Auto und weg. Ein Supermarkt mit Backshop als sozialer Ort für‘s Schwätzchen, zum Innehalten, zur Begegnung? Das wirkt doch sehr realitätsfern. Ein neues Ortszentrum entsteht so nicht.

Was ist ein Nahversorger oder wird es weniger Autorverkehr geben?

Was ist ein Nahversorger? „Unter dem Begriff Nahversorgung wird allgemein die fußläufige Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs verstanden. Dabei werden zehn Gehminuten oder ca. 1.000 Meter als Zielwert in der Literatur und in kommunalen Nahversorgungskonzepten angesehen.“(Studie: Bundesumweltministerium, Sicherung der Nahversorgung in ländlichen Räumen. Impulse für die Praxis) Man meint also Einkaufen zu Fuß.

Zu Fuß erreichbar?

Was ist in Wörthsee vom Argument „fußläufig erreichbar“ zu halten? Zweifellos ist der neue Standort unter diesem Aspekt auf den ersten Blick etwas besser, als der bestehende Marktstandort Günl Waldbrunn. Wegen des sehr zerfaserten Dorfs aus 7 Ortsteilen sind jedoch an jedem denkbaren Standort jeweils nur relativ wenige Bürger im Einzugsbereich von einem Kilometer vorhanden, viel zu wenige, als zur Rechtfertigung eines weiteren Marktes in nur einem Kilometer Abstand voneinander plausibel wären. Hinzu kommen weitere negative Fakten. In der Stude „Nahversorgung in Bayern“ des Bayerischen Wirtschaftsministeriums heißt es zum Beispiel klipp und klar: „Das Kriterium „Distanz“ stellt lediglich eine erste Orientierung zur Bewertung der Nahversorgungssituation dar. (…) Ob Kunden mögliche Fußwege im Rahmen ihres Einkaufs zurücklegen ist von vielen Faktoren abhängig (…) Topographie, leichte Anstiege stellen i.d.R. bereits ein K.O. Kriterium dar“.

Gelände ist K.O. Kriterium

Für Wörthsee stellt sich die Situation am Teilsrain leider genau so dar: die Topographie im 1-Km-Radius ist bergig, also extrem ungünstig (=K.O. Kriterium). Der Höhenunterschied zwischen geplantem Standort und See beträgt 34 Meter. Fußwege oder Radwege fehlen. Der Gutachter der Feinstudie „Am Teilsrain“ schreibt auf S. 29: „Der erhöhte Flächenverbrauch und das zu erwartende Verkehrsaufkommen innerhalb des Gebiets durch einen Nahversorger mit ca. 1200m2 Verkaufsfläche stehen einer ruhigen Wohnnutzung gegenüber.“

55 Parkplätze – 1000 Autos am Tag?

55 Parkplätze sind am neuen Supermarkt geplant. Die Bürger werden weiter das Auto zum Einkaufen benutzen und das CIMA Gutachten schreibt dazu: „Durch die Lage in unmittelbarer Nähe zur Hauptverkehrsachse Etterschlager Straße stellt sich die Erreichbarkeit des Projektstandorts für Pkw-Kunden als gut dar, wenngleich sich die direkte Anfahrbarkeit des Edeka Günl an der Hauptverkehrsachse besser darstellt. „CIMA Gutachten“ S.21.
Unterstellt wird hier für beide Märkte selbstverständlich, dass das Gros der Kunden das Auto nutzen wird. Die Idee eines großen Anteils an Fußgängerkunden am Teilsrain ist nicht plausibel.

Wußte das Niemand?

Die Gemeinde hat tatsächlich lange und intensiv planen lassen. In der „Feinstudie am Teilsrain“ von 2018 stellt der Gutachter an verschiedenen Stellen die Nachteile des Konzepts fest. Auf Seite 38 listet er die Nachteile des Standorts so auf:

  • Problem Naturschutz bleibt trotz Abrücken vom Waldrand
  • Wald als nicht integrierte Restfläche
  • Zufahrt topografisch schwierig
  • separate Erschließung Wohnbebauung schwierig
  • rückwärtige Lage – intensive Werbung an der Etterschlager Straße notwendig (Pylon)
  • hoher Flächenverbrauch bei oberirdischer Parkierung
  • Verkehr im ruhigen Wohnbereich
  • weniger Fläche für Wohnbebauung
  • höhere Bebauung notwendig, Staffelung zum Bestand oder zur Natur schwierig
  • barrierefreie Verbindung Seniorenzentrum (an der Kirche geplant) / Nahversorger schwierig“

Auf Seite 43 stellt er fest:

„Die bestehende Konkurrenz vor Ort (EDEKA) bedingt für Investoren/Betreiber gewisse Grundvoraussetzungen für den Betrieb eines zweiten Supermarktes:

  • bequeme Erreichbarkeit und Nutzbarkeit (d.h. ebenerdige Parkierung) (PKW-Erreichbarkeit)
  • differenziertes Sortiment (d.h. große Verkaufsfläche) (…)

Eine kompakte, dem Standort und der Topografie angemessene Lösung mit einer Parkierung unter oder über der Verkaufsfläche wird von den bisherigen Investoren/Betreibern abgelehnt.“

Als weiterer Standortnachteil wird dann festgestellt:

„Die rückwärtige Lage an der Kuckuckstraße mit schwieriger Zufahrt (Hang) kann den dauerhaften Betrieb des Supermarkts gefährden. Diese Lage ist nur mit einer intensiven Bewerbung (beleuchteter Pylon an der Etterschlager Str.) möglich.“

Der Gutachter windet sich sichtlich, ein von ihm negativ gesehenes Konzept doch plausibel erscheinen zu lassen. Sein Fazit: Ein alternatives, seniorengerechtes Nahversorgungskonzept mit erweitertem Dorfladenangebot, ergänzt und unterstützt durch zusätzliche aktiv genutzte Angebote, könnte eine mögliche, wenn auch mit Risiken (Fortbestand) behaftete Alternative sein. Dies würde aber nicht den aktuellen Wünschen der Gemeinde nach einer umfassenden Nahversorgung entsprechen.“

Das heißt, die Gemeinde hat von vorneherein den „aktuellen Wunsch“ gehabt, hier einen Vollsortimenter-Supermarkt zu errichten. Bei den Planungs- und Begutachtungsprozessen wurde mit erheblichen Manipulation der Zahlen zur Wirtschaftlichkeit und zur Verkehrsbelastung gearbeitet, um die riesigen Nachteile des Projekts kleinzureden. Eine neue Ortsmitte wird ein Vollsortimenter-Supermarkt nicht schaffen.

Ein Vollsortimenter-Supermarkt als Ortsmitte?2021-03-28T15:05:00+02:00

Verkehrsbelastung durch neuen Vollsortimenter

Hohe Verkehrsbelastung kleingerechnet

Der zweite Vollsortimenter-Supermarkt soll in nur 1200 Meter Entfernung zum bestehenden großen Edeka Vollsortimenter gebaut werden. Wie steht es um die Verkehrsbelastung infolge des Projekts? Hierzu wurden die vorgeschrieben Gutachten eingeholt. Doch überraschenderweise arbeiten sie mit Basiszahlen, die weit zu niedrig sind.

Wird es hier zukünftig zu Staus kommen? Täglich + 18 LKW sowie + 1000 PKW? Das soll „verkehrsberuhigend“ wirken.

Verkehrsgutachten

Auszug Verkehrsgutachten. PKW Zahlen um 66% zu niedrig. LKW Zahlen um bis zu 112% untertrieben. Originalzahl schwarz, Korrektur in blau. Bild: Verkehrsgutachten.

„Ob Kunden mögliche Fußwege im Rahmen ihres Einkaufs zurücklegen ist von vielen Faktoren abhängig (…) Topographie, leichte Anstiege stellen i.d.R. bereits ein K.O. Kriterium dar“

Nahversorgung im ländlichen Raum, Bayerisches Wirtschaftsministerium

„Das zu erwartende Verkehrsaufkommen innerhalb des Gebiets durch einen Nahversorger mit ca. 1200m2 Verkaufsfläche stehen einer ruhigen Wohnnutzung gegenüber.“

Feingutachten Teilsrain, ISEK

„Die Altersgruppe der Senioren spielt in der Mobilität eine große Rolle. In der Folge ist eine Zunahme der PKW Nutzung bei gleichzeitiger Abnahme der fußläufig zurückgelegten Wege der Senioren festzuhalten. (…) Entgegen der landläufig oft geäußerten Vorstellung, nimmt die Mobilität mit dem Alter derzeit zu.“

PKW Szenarien bis 2030. Fakten, Trends…, Shell Studie

„…wie die meisten Discounter zwischen 4:30 und 7:30, da muss dann halt einer da sein. Ich hab mal in ’nem Supermarkt gearbeitet, Obst und Gemüse kam da um 5:30, Samstag um 4:30…“

Wann wird geliefert?, Gute Frage
Gutachten zum Verkehr mit zu niedrigen Zahlen

Wie gut rechnen die Gutachter, wenn es um die durch den neuen Vollsortimenter zu erwartende Verkehrsbelastung geht? Dazu wurden ein Verkehrs- und ein Lärmgutachten eingeholt. Im Lärmgutachten wird der zu erwartende Autoverkehr vom Gutachter angesetzt. Hierzu erwartet er, dass von 1200 Marktkunden am Tag 600 den PKW nutzen. Woher kommt diese Zahl? Dazu heißt es im Verkehrsgutachten auf Seite 6: „Nach Angaben eines potenziellen Marktbetreibers ist für die geplante Verkaufsfläche des Lebensmittelmarktes von einem kundeninduzierten Aufkommen von maximal 600 Pkw am Tag auszugehen.“

Zahlen im Gutachten vom „potentiellen Betreiber“ geliefert

Diese Zahl des „potentiellen Supermarktbetreibers“ (also des Investors?) macht der Gutachter ohne eigene Abschätzung zur Grundlage seiner Rechnungen. Ist diese Zahl von 50% Auto fahrenden Kunden realistisch? Laut Studie zur „Nahversorgung im ländlichen Raum“ des bayerischen Wirtschaftsministeriums nutzen im Durchschnitt mindestens 80% der Kunden z.B. wegen der schweren Einkaufstaschen den PKW für ihren Einkauf. Bei dem nur einen Kilometer entfernten Edeka Nahversorger sind es über 90%. Die ungünstige Topographie am geplanten Standort für den zweiten Nachversorger und die auch dort geringe Bewohnerdichte im 1 Km Radius lassen die ungünstige Zahl erwarten.

1000 PKW täglich

Also sind bei 1200 Kunden täglich nicht 600 sondern 60% mehr, also 960 PKW (=80% der Kunden) mit 2000 An- und Abfahrten realistisch. Der Gutachter unterschlägt 360 PKW oder fast 40% des zu erwartenden PKW Verkehrs.

LKW-Lieferverkehr ab 4 Uhr früh?

Auch die Zahlen zur Belieferung des Markts hat sich der Gutachter ungeprüft vom Investor geben lassen. Laut Gutachten fahren pro Tag 8 LKW-Fahrten zur Belieferung des Supermarktes 2 in den Ort hinein und wieder hinaus. Die Edeka in Walchstadt hat mit 1006 m2 inkl. Backshop eine etwa gleich große Verkaufsfläche wie der neue Markt (inkl. Shop 1040 m2). Laut Gutachten zur Lärmimmission kommt beim neuen Markt der erste Liefer-LKW nach 6 Uhr morgens. Das hat Gründe. Nach 6 Uhr gelten weniger strenge Schallschutzanforderungen. Er spricht von „Vereinzelten Anlieferungen zwischen 6:00 und 7:00“ (S. 15). Bei der Edeka Waldbrunn kommt der erste LKW jedoch bereits um 4 Uhr früh. Und die meisten Anlieferung geschehen vor 7 Uhr, damit bis zur Öffnung um 8 Uhr eingeräumt werden kann. Mitarbeiter anderer Märkte bestätigen dies. Nicht dagegen die Gemeinde.

Morgens um 7 ist die Wörthsee-Vollsortiments-Welt in Ordnung?

Die Bürgermeisterin hält dagegen. Die Gemeinde wird eine so frühe Anlieferung untersagen. Erst ab 7 Uhr soll geliefert werden. Gute Idee: Dann ballen sich die LKW An- und Abfahrten ausgerechnet in der Stunde des Schulwegs der Kinder. In der Spitzenstunde des Berufsverkehrs. Wo laut Gemeindezeitung die Busse zur S-Bahn rollen. Und: um 7 Uhr soll laut Gemeindezeitung der Markt bereits geöffnet werden. Das wird lustig zugehen auf dem steilen und engen Parkplatz. LKW-Sattelzug rangiert rückwärts in die eingehauste Entladestation. Kunden-PKW stehen im Weg, der nächste LKW wartet schon. Das Idyll setzt sich fort im Innern des Marktes, wo gestreßte Teams innerhalb von Sekunden (ab 7 geöffnet – ab 7 beliefert) tonnenweise Frischware in die Regale räumen sollen.

Bis 18 LKW täglich

Im Verlauf des Tages werden nicht insgesamt 8, wie der Gutachter annimmt, sondern mindestens 12 und bis zu 18 LKW an- und wieder abfahren. Der Gutachter rechnet also auch hier mit Zahlen die zwischen 50% und 112% zu niedrig angesetzt sind. Wir sind keine Gutachter, aber es wäre schon nötig, dass Gutachten mit realistischen Zahlen zu rechnen. Es könnte ja sein, dass der Markt damit gar nicht zulässig wäre?

Geht so Verkehrsberuhigung?

Sind vielleicht sogar noch mehr PKW-Fahrten zu erwarten? Auf der Umsatzseite wird zum Beispiel im „CIMA“ Wirtschaftlichkeits-Gutachten unterstellt, dass auch viele Badegäste und Touristen den neuen Markt nutzen werden. Der See liegt nicht fußläufig. Diese Kundschaft würde mit ihren eher unterdurchschnittlich hohen Umsätzen nochmals höheren PKW-Verkehr mit sich bringen.

Der Standort zieht also erheblichen zusätzlichen LKW- und PKW-Verkehr in den Ort, wo doch eigentlich das Ziel sein sollte, den Autoverkehr zu reduzieren. Alle 30 Sekunden wird auf der Straßenkreuzung zur Etterschlager Straße, direkt vor dem geplanten Seniorenzentrum ein Auto ein- oder ausbiegen, nur für den Supermarkt. Der Planer sieht direkt an der Einmündung auf der Etterschlager Straße zwei barrierefreie Fußgängerüberwege vor. Eine chaotische Situation an dieser Kreuzung ist vorhersehbar. Planungen wie die beiden Radwege entlang einer erheblich verkleinerten Etterschlager Straße, die die Gemeinde seit Jahren vor sich herschiebt, werden illusorisch. Für die Befürworter des Projekts wird dagegen „Sowohl das innerörtliche Verkehrsaufkommen, als auch Einkaufsfahrten (…) reduziert.“ Eine krasse Fehleinschätzung.

Verkehrsbelastung durch neuen Vollsortimenter2021-03-28T15:05:08+02:00

Einkaufen ginge auch mit dem Radl oder MVV

Einkaufen geht auch mit Radl oder MVV…

Die Befürworter des zweiten Supermarkts argumentieren gerne mit der Erreichbarkeit zu Fuß. Das ist ihr Hauptargument für den Standort. Wir haben bereits darauf verwiesen, dass die „Fußläufigkeit“ bei diesem Standort fragwürdig ist. Aber was gibt es außer dem Auto eigentlich sonst für Möglichkeiten, zum Einkaufen zu fahren?
Feinplan Parkplatz
Wurde hier an Fahrräder gedacht?

55 Parkplätze solle der neue Vollsortimenter bekommen. Schaut man die Pläne sehr genau an, gibt es auch 16 Fahrradstellplätze. Das zeigt die merkwürdige Denkweise der Projektplaner. Zwar soll der Markt „fußläufig“ erreichbar sein aber in der Realität kommt der Kunde für sie vorwiegend mit dem Auto, entgegen allen anders lautenden Beteuerungen.

MVV Haltestelle Waldbrunn
Mit MVV oder Fahrrad ist die bestehende Edeka umweltfreundlich erreichbar!

Die Projektbefürworter aus der Partei der „Grünen“ argumentieren dagegen mit der „Fußläufigkeit“ des neuen Markts. Wozu dann die vielen Parkplätze, wegen denen Wald gerodet werden soll, dienen sollen, verraten sie nicht. Sie verraten auch nicht, warum zwei Supermärkte in einer Entfernung von 1,2 Kilometern sinnvoll sein sollen. Wie ein Mantra betonen sie dagegen: „Fußläufigkeit“ sei das Ziel. Das Mobilitätskonzept, dass einer solchen Verengung der Planungsaufgaben zu Grunde liegt, ist schwer verständlich. Es übersieht zum Beispiel den MVV, der „grün denkende“ Kunden innerhalb von 2 Minuten von der Haltestelle an der Kirche zur Haltestelle Waldbrunn befördert. Mit dem Fahrrad benötige ich für die Strecke von 1,2 Kilometern bei gemütlichem Tempo von 18 Km/h gerade einmal 4 Minuten. Mit dem E-Bike und 24 Km/h etwa 3 Minuten. An der Fahrzeit kann es also nicht liegen, dass Alternativen zum Auto wenig genutzt werden.

Ich glaube, die Argumentation der dringend nötigen Fußläufigkeit führt in die Irre, da Wörthsee in der Fläche recht groß und sehr hügelig ist und daher unbedingt ein umweltfreundliches Mobilitätskonzept jenseits des Fußgängers braucht. Fahrrad, E-Bike und MVV sind die Schlüssel dafür. In der Realität allerdings werden die meisten Kunden auch hier wie gewohnt mit dem Auto anfahren. Das viele Geld, dass in eine unsinnige Supermarktplanung geflossen ist, wäre dennoch besser für Fahrradwege angelegt gewesen.

Einkaufen ginge auch mit dem Radl oder MVV2021-02-20T10:36:18+01:00
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