Hirschkäfer im Garten

Hirschkäfer im Garten

Eine Anwohnerin am Burgselberg sichtet in ihrem Garten die geschützten Hirschkäfer – und dichtete dazu einige Zeilen
Hirschkäfer

Hirschkäfer. Foto: Gerda Büttner

Hirschkäfer

hirschkäfer, flieg!

im dorf, da ist der krieg

die bäume müssen sterben, maschinen dein versteck verderben

die käferbraut muss sich verstecken

du musst sie schnell entdecken

bevor der bläser sie zerdrischt

mit eurer hochzeit wird sonst nischt

hirschkäfer flieg, im dorf da ist der krieg

flieg schneller, schöner bräutigam

die braut kann nicht lang warten

der mäher lauert schon, macht sauber seinen garten

wie ein soldat marschieret er, das trampeltier setzt sich zur wehr

mit lärm, gestank, “verstandespur”

sein feind ist nämlich die natur

du, tapfrer käfer, DU!

7(siem) jahr im untergrund, uhuuuu!

sollst deine hochzeit kriegen

und vorher wie die engel fliegen!

Hirschkäfer! …

Text: Traudl Helm

Hirschkäfer im Garten2021-06-24T18:29:48+02:00

Aktuelles zum Klinikneubauplan Seefeld

Kein Klinikneubau im Landschaftsschutzgebiet!
Zum geplanten Klinikneubau in Seefeld-Hechendorf verweisen wir auf die Seite der Bürgerinitiative Eichenallee Seefeld. Es ist zu befürchten, dass der Neubau in der Nähe des S-Bahnhofs Hechendorf in das einmalige Natur- und Landschaftsschutzgebiet “Eichenalleen und Buchenwälder bei Seefeld” gestellt werden soll. Der Gemeinderat Seefeld hat dieses Vorhaben in einem “Ratsbegehren” zur Abstimmung gestellt. Die Bürgerinitiative ruft auf, mit “Nein” zu stimmen.

Weitere Informationen auf der Webseite der Bürgerinitiative Eichenallee.

Aktuelles zum Klinikneubauplan Seefeld2021-06-05T22:43:36+02:00

Die Milchtüte ohne Kuh

Die Milchtüte ohne Kuh

Im Frühjahr wurde das Design der Biomilchtüten aus dem Berchtesgadener Land geändert. Die Kühe verschwanden.
Milchtüte

Neues Design: Die alte Biotüte links mit den Almkühen. Die neue ohne Tiere und Bäuerin. Nur den Senn ließen die Grafiker übrig. Foto: S. B.

Die Tage des Senns sind vermutlich auch längst gezählt. Dieses Foto entstand vor fast 100 Jahren. Foto: JB.

Die Milchtüte – jetzt ohne Kuh

Vor einigen Jahren war es immer ein etwas besonderes Erlebnis, am späten Nachmittag in oberbayerischen Landen durch ein Dorf zu fahren. Dann liefen die Milchkühe mit schweren Eutern von den Wiesen zurück in die Ställe. Auf der Dorfstraße hinterließen sie ihre Kuhfladen und der Autofahrer stand erst dazwischen und hatte dann die Spritzer am “Kot(!)flügel”. Zurück in München wußten gleich alle – ah, die waren beim Baden.

Kotflügel braucht es heute nicht mehr, die Kühe laufen nicht mehr durch die Dorfstraßen. Auch auf den Wiesen rings um die Dörfer sieht man sie nur noch selten. Die Milchkuh von heute verbringt ihr Leben “indoor” im modernen Umlaufstall. Es war also an der Zeit, dass die Grafikdesigner Konsequenzen zogen. Von der modernen Milchtüte verschwindet die Kuh und die Sennerin gleich mit ihr. Vielleicht war es auch so, dass die jungen Werber gar nicht mehr wußten, was für merkwürdige Tiere ihre Kollegen vor 20 Jahren auf die Milchtüte kopiert hatten.

Nur den knorrigen Senn mit Kuh sehen wir noch. Symbolbild für den Almabtrieb. Der ist auch eine Touristenattraktion. Daher hat der Fremdenverkehrsverband vermutlich das alte Logo in die neue Zeit gerettet. Die Milchtüte also ohne Kuh. Wenigstens ist Milch drin – oder?

SB

Die Milchtüte ohne Kuh2021-06-03T15:14:18+02:00

Die Gartensaison ist eröffnet

Die Gartensaison ist eröffnet. Diesmal naturnah gärtnern!

In Deutschland gibt es 17 Millionen Privat- und Kleingärten. Wenn sie naturnah bewirtschaftet und gepflegt würden, wäre dies ein großer Gewinn für die Artenvielfalt. Der Bund Naturschutz gibt online gute Tipps zur Bewirtschaftung des Gartens. Wir haben einige Beobachtungen dazu.

Naturnaher Garten nach Baumarktart. Foto: DM

Riechen Sie mal hieran! Naturnahe Wiese im Garten Osterwaldstraße in München. Foto: SB 3.5.21

Liebevoll gepflegter Wegrand in Steinebach. Hanichelzaun mit Steinbrech…

… und sein Pendant: “Orbanzaun mit Todesstreifen”. Fotos SB.

So riecht das Frühjahr – Das moderne Konzert der “4 Jahreszeiten”

Das Frühjahr der Natur riechen wir, das Frühjahr des Baumarkts dagegen hören wir. Jetzt, Anfang Mai, wechselt das dominante Instrument im Konzert der 4 Jahreszeiten vom Duett von Häcksler und Kärcher (Frühjahr) zum Solo “Rasenmäher” (Sommer). Wir freuen uns schon auf das Trio der Laubbläser, Kärcher und Häcksler im Herbst. Die Winterinstrumente dürfen Sie raten. Richtig, Solo für die Motorsäge im Gespräch mit Schneepflug und Fräse. Richtig stinken tun diese Geräte dazu auch noch.

Eine nimmersatte Dienstleisterbranche

Kaum also, dass ein Grashalm etwas grün geworden und einige Millimeter gewachsen ist, wird er abgemäht. Mit ihm alle Blütenansätze von Gänseblümchen, Wiesenschaumkraut, Traubenhyazinten, Löwenzahn oder die Kuckucks-Lichtnelke. Mein Eindruck ist, dass in unserer Gesellschaft eine nimmermüde Dienstleistergarde für viel zu viele schädliche und unnütze Arbeiten ausschwärmt. Wir schaffen auch im Garten Bruttosozialprodukt. Aber stiften wir wirklichen Nutzen damit? Im Gegenteil. Wir verbrauchen unnötig Motorenergie, stoßen auch hier immer mehr CO2 aus, zerstören die Blühpflanzen, die die Lebensgrundlage der Insekten sind. Die Artenvielfalt geht zu Grunde. Der Garten, den der Maschinenpark vom Baumarkt mit viel Krach erzeugt, ist langweiliger Murks. Also, liebe Gartenbesitzer: Den eigenen Tatendrang zügeln, die Baumärkte meiden und vor allem die Beauftragten mit klaren Regeln in die Schranken weisen! Beim Mähen immer Blühinseln stehen lassen und vor Juni-Juli am besten gar nicht mähen!

35 Jahre Naturnähe

Wie es anders geht, zeigt zum Beispiel eine Gartenwiese, die seit 35 Jahren erst spät im Frühsommer gemäht wird. Damals hatten wir dort gewohnt und auch einige Narzissen, Tulpen und Krokusse gesetzt. Der Hausmeister wurde auf Zurückhaltung verpflichtet und die Wiese sieht jetzt im Frühjahr so aus, wie auf dem Foto vom 3. Mai 2021 zu sehen. Die Krokusse sind schon verblüht – einige Tulpen blühen noch! Jahr für Jahr noch nach drei Jahrzehnten! Wiesenschaumkraut gab es 1985 noch nicht, es hat sich seitdem überall ausgebreitet. Der früher allein dominierende Löwenzahn ist auf locker verstreut stehende Exemplare ausgemagert, die blaue Kuckucks-Lichtnelke gedeiht.

Spaziergang in Steinebach

Es gibt in Steinebach einen Weg, an dem man auf nur 10 Metern unser Problem studieren kann. Auf der einen Seite ein Jahr für Jahr mit unglaublicher Liebe und Passion gepflegter Wegrand, der blüht und gedeiht und mit kleinen Hölzchen, Stöckchen und Schnüren gegen trampelnde Mitbürger oder ihre überbreiten SUVs geschützt wird. Dazu der klassische hölzerne Hanichelzaun, ein Insignium des bayerischen Bauerngartens.

Das Gegenbild: ein banaler Schotterstreifen zusammen mit dem im Baumarktjargon wunderbar benannten “Doppelstabmattenzaun”. Ich finde, dieser Auswuchs der Baumarktkultur hieße viel treffender “Orbanzaun”. Er erinnert mich immer an den Grenzzaun, den der ungarische Potentat 2016/17 zum Schutz von Europas Aussengrenze errichten ließ. Nun also halten geschotterte “Todesstreifen” und Hochsicherheits-Metallzäune Einzug in den deutschen Vorgarten.

“Gärtnern ist ein Prozess des Wachsens und Gedeihens von Tieren und Pflanzen und des Lernens beim Gärtner,” schreibt der Bund Naturschutz. Und ruft Sie auf, in Ihrem Garten naturnah zu arbeiten, auf Pestizide zu verzichten und mit einfachen Mitteln gesunden Lebensraum für Pflanzen, Insekten, Vögel und Menschen zu schaffen. Mehr dazu auf der Seite des Bundes Naturschutz, “Insektenfreundlicher Garten”.

Insekten sind zurück – sogar in der Großstadt

Auf weiteren Fotos (ganz unten) sehen wir einen Aurorafalter (Anthocharis cardamines) auf einer Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata). Photographiert am 3. Mai an einem Beetrand im gleichen Garten in München. Der Aurorafalter mit zusammengeklappten Flügeln ist perfekt getarnt. das Muster der Flügel imitiert den Blütenstand seiner Lieblingspflanze. Es gibt andere Exemplare dieses Falters, deren Flügelunterseiten Pflanzen wie das Wiesenschaumkraut imitieren. Derjenige, der seinen Garten geduldig wachsen lässt, kann solche wunderbaren Erfahrungen machen.

Stephan Bleek.

Aurorafalter auf Knoblauchsrauke. Aufgenommen in München am 3. Mai 2021. Fotos: SB

Senden Sie Anregungen und Kritik!

Wir freuen uns auf Ihre Fotos, Tipps und Ihre Beobachtungen!

Übrigens: Auch Kritik veröffentlichen wir gerne, wenn Sie mit einem Klarnamen geschickt wird.
Allerdings: Anonymes Gemaule von 26eg4@xyz.de nervt und wandert in den Papierkorb!

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Die Gartensaison ist eröffnet2021-06-07T10:58:44+02:00

Ist Ruhe erste Bürgerpflicht?

Ist Ruhe die erste Bürgerpflicht?

Ruh ist die Bürgerpflicht

Wir sollten nun ruhig sein, wir hätten schließlich verloren. Glossen, satirische Polemik oder nochmaliges Benennen von Täuschungen und Finten, all das sollten wir sein lassen, sonst seien wir „schlechte Verlierer“. So tönt es uns aus den Regionalblättern und von der Bürgermeisterin entgegen. Das klingt ein bisschen so, wie wenn strenge Eltern ihr Kind ermahnen, doch endlich still zu sein, wenn es einen ungehörigen Wunsch geäußert hat.

Ich finde, das ist ein seltsames Demokratieverständnis und eine seltsame Einstellung zur Meinungsfreiheit. Wir haben mehrmals versucht, von unserer Bürgermeisterin Antworten auf Fragen zum Ratsbegehren zu bekommen, auch jetzt haben wir wieder gefragt, wie sie zu der plötzlich aufgehobenen Verknüpfung von Supermarkt und Genossenschaftswohnungen steht. Antworten haben wir nie erhalten.

Soll man dieses Schweigen totschweigen?

Oder sollen wir von den jungen Leuten lernen, die rufen: „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut!“

Den Mund halten und zuschauen hat noch nie was verändert, nur wer laut ist, hat die Chance dazu.

Im Merkur hieß es: „Der Ton macht die Musik“, sprich, wir hätten uns im Ton vergriffen. Aber ist das guter Ton, wenn man gar keine Antworten gibt wie die Bürgermeisterin? Das ist gar kein Ton!

Es soll „Friede“ einkehren im Dorf. Wie kann der aussehen? Blümchen und Vögel zählen und still dabei zusehen, wie sie immer weniger werden? Alles schlucken, was von oben kommt? Sich nicht mehr beschweren, wenn unzählige Bäume gefällt werden?

Wir sollen „an eine gemeinsame Weiterarbeit“ herangehen. Wir arbeiten schon seit einiger Zeit mit der Umweltbeauftragten der Gemeinde, Frau König-Schmidtbauer, zusammen, aber wie sollen wir mit dem Supermarktinvestor zusammenarbeiten? Schwierig, denn auch er hat auf unseren Brief nicht geantwortet!

Fakt ist: Mundhalten und zuschauen geht heute nicht mehr, wenn wir unseren Kindern und allen nachfolgenden Generationen eine einigermaßen lebenswerte Welt hinterlassen wollen. Wir haben schon viel zu viel Zeit vertan, deshalb sofort:

Packen wir es gemeinsam an!

DM und HW

Ist Ruhe erste Bürgerpflicht?2021-05-30T20:58:26+02:00

Als Seniorin unterwegs

Dieser Brief erreicht uns in einigen Jahren

2026 – Wörthsee ist stolz auf sein soziales Zentrum

Liebe Anna,                                                                                                                              18.8.2026

ich wohne jetzt seit 2 Wochen im Seniorenzentrum der Kirchenstiftung in Steinebach. Recht hübsch hier, allerdings nicht ganz billig. Ich kann mich versorgen lassen, wenn ich nicht gut drauf bin. Aber ich kann auch selber kochen, wenn ich will.

Gestern ging es meinem Knie einigermaßen, ich hatte Lust auf einen schönen frischen Salat, also bin ich mit meinem Rollator rüber zum Einkaufen. Ein riesiger Edeka steht da.

Das war ein richtiges Abenteuer:

Leider musste ich erstmal über die Straße, Etterschlager Straße heißt die, da ist einiges los!

Ich dachte eigentlich, da wäre eine Druckampel, so wie bei dir vor der Seniorenresidenz. Aber ich hatte mich getäuscht. Da gab es so eine „Querungshilfe“. Erstmal musste ich bis zur Mitte, aber wie?

Es hatte 35 Grad, die Autos fuhren Stoßstange an Stoßstange, alle wollten wohl zum See. Sie dürfen da nur 30 fahren, aber so schnell konnten sie gar nicht fahren, weil zu viel Verkehr war. Doch auch, wenn sie wirklich 30 fahren, kannst du nicht einfach los gehen. Meine neue Nachbarin, die schon Jahrzehnte in Steinebach wohnte, sagte mir: „Hier mögen sie keine Ampeln und keine Zebrastreifen.“

Ja, also endlich, endlich blieb ein schickes Elektroauto stehen und ließ mich bis zur Mitte.

Da stand ich nun mit meinem Rollator und musste warten, bis mich schließlich eine nette Fahrerin passieren ließ. Jetzt war ich an einer Straße, die hat einen sehr romantischen Namen, nämlich „Zum Kuckucksheim“. Bin gespannt, ob ich da mal einen Kuckuck höre, ob da noch einer ein Heim hat? Auf der rechten Seite steht noch ein bisschen kranker Wald.

Auf der linken Seite sah ich jetzt schon die Bretterwand von dem Supermarkt. Aber so leicht ist der nicht zu erreichen. Zuerst muss man eine ziemlich schräge Rampe bis zum Eingang gehen und fest bremsen.

Dann geht´s an einem Café vorbei, wo aber selten jemand sitzt, wie meine Nachbarin sagt. Unser Café drüben – mit Seeblick – ist viel schöner. Biokuchen gibt es leider in keinem!

Gut, dann bin ich rein. Die Musik dudelt genauso grauenhaft wie in dem anderen Supermarkt, wo mich meine Tochter mal hingefahren hat.

So, dann musste ich mich erstmal zurechtfinden. Aha, die „Frischeabteilung“! Naja, besonders frisch war der Salat nicht mehr, den abgepackten wollte ich aber nicht. Vielleicht noch ein paar Eier? Kann ich gekocht in den Salat schneiden. Puh, wo sind die? Lange Gänge ging´s entlang. Warum braucht der Mensch eigentlich 50 Joghurtsorten? Dazu die unzähligen Fertigpizzen, von denen keine einzige schmeckt. Und die Plastikverpackungen haben sie immer noch nicht abgeschafft.

Du siehst, Supermärkte nerven mich. Ein netter, übersichtlicher Laden mit den nötigsten Dingen wäre doch viel gemütlicher. Meine Nachbarin hat mir mal erzählt, dass es vor Jahren hier ein paar „Verrückte“ gab, die den Supermarkt verhindern und das Waldstück auf der linken Seite erhalten wollten. Sie hat damals für den Supermarkt gestimmt, aber jetzt ist sie auch nicht so glücklich damit, weil er trotz Holz so scheußlich aussieht. Er passt nicht aufs Land, meint sie.

Ich brauchte noch ein Dressing. Bis ich das in dem Labyrinth gefunden hatte und vergeblich versucht hatte, die Zutatenliste zu lesen, war ich schon ziemlich erschöpft. Zum Glück ist es hier kühl! Vielleicht wäre es eine Idee, bei großer Hitze in dem Laden viel Zeit zu verbringen. Am See ist es eh viel zu voll. Wenn sie nur innen ein paar Stühle hätten!

Ja, du kannst dir denken, dass der Heimweg ähnlich schwer war wie der Hinweg. Außerdem musste ich den Rollator jetzt hoch schieben!

Schweißgebadet legte ich mich in die kühle Badewanne. Jetzt habe ich mich vom Einkauf erholt,  sitze hier auf dem kleinen Balkon und schreibe dir. Das war mein heutiges Abenteuer!

Sei herzlich gegrüßt

von deiner  Maria

H.S.

Als Seniorin unterwegs2021-06-05T15:20:18+02:00

Warum ein Vollsortimenter kein Gewinn ist – im Gegenteil

Warum ein Vollsortimenter kein Gewinn ist

Gastbeitrag:

Richard Bartels, Leiter Slow Food Fünfseenland, hat für uns einige Gedanken zum “Vollsortimenter” aufgeschrieben. Slow Food ist eine weltweite Bewegung, die sich für ein sozial und ökologisch verantwortungsvolles Lebensmittelsystem einsetzt, welches die biokulturelle Vielfalt und das Tierwohl schützt. International ist der Verein in 170 Ländern mit diversen Projekten, Kampagnen und Veranstaltungen aktiv.
Nina Wolff - Slowfood

Nina Wolff – Vorsitzende von Slowfood. Foto: Slowfood

Gaertnerei Osterholz Walchstadt

Schon lange vor der Corona Pandemie begann heimlich und leise eine Entwicklung, die auch in Bayern von der staatstragenden Partei unterstützt und gefördert wurde.

Einfach nur ein Geschäft zur Versorgung mit Lebensmitteln, wie uncool ist das denn! Gemüse und sonstige Produkte des täglichen Bedarfs – wie langweilig.

„Wenn ich schon die Strapazen des Einkaufens auf mich nehme, dann aber nur, wenn ich gleichzeitig WC-Reiniger, Badvorleger, ne` Bohrmaschine, ne` Schubkarre, `nen Computer oder eine Bandsäge kaufen kann. Gelegentlich dann natürlich auch Farbe, Schreibwaren, ne Reise oder ein Auto. Alles was man halt gerne so spontan mitnimmt. So wird Einkaufen zum Vergnügen. Achtung aber: Lebensmittel nicht vergessen!

Ist ja so einfach für einen Vollsortimenter : Die Verkaufsfläche ist da für Lebensmittel, da stellt man dann halt einfach die Gänge mit Krempel voll, so dass fast kein Durchkommen mehr ist. Corona hin oder her, ein wenig Intimität darf`s schon sein beim Einkaufen. Und das schöne, die Miete für den Laden ist ja schon bezahlt, alles weitere bringt noch mehr Profit.

Klingt logisch und gut, ist es aber nicht.

Wer auf der Strecke bleibt

Hat sich schon mal jemand gefragt, auf welche Kosten das Vollsortiment angeboten wird? Was ist mit dem Schreibwarenladen vor Ort, dem Haushaltswarengeschäft, dem Kurzwarengeschäft, dem Schuhgeschäft, dem Bekleidungsfachgeschäft, dem Eisenwarengeschäft und vielen anderen die Qualität und Fachberatung anbieten (im Preis ebenso inbegriffen wie eine nette Begrüßung).

Egal, wozu brauchen wir belebte Ortskerne und Innenstädte? Der Vollsortimenter hat ja alles und was er nicht hat, besorgt der Online Handel.

Kein Gesicht mehr hinter den Produkten, egal ob Lebensmittel oder sonstiges. Beratung wozu. Was nicht taugt wird zurückgebracht oder -geschickt. Kostet ja nichts. So wird dann neben der kulinarischen Monokultur immer mehr eine Produktmonotonie gefördert.

Leerstände aller Orten, Fachverkäufer ohne Arbeit, tote Städte und Gemeinden. Wollen wir das alles in Kauf nehmen, indem wir unser Geld einem Vollsortimenter in den Rachen werfen? Ich meine Nein! Auch die Politik sollte erkennen, dass das System der Vollsortimenter in eine Sackgasse führt, indem es die wesentlichen Faktoren eines Einkaufserlebnisses wie Kommunikation, Beratung und zuverlässige Qualität zu Grunde richtet. Ein Lebensmittelgeschäft muss bleiben was es ist: Ein Ort für gute, saubere und fair erzeugte Lebensmittel. Dafür muss ein Geschäft mindesten 80% seiner Verkaufsfläche nutzen. Nicht umgekehrt für irgendwelchen Wegwerfschund. Gerade letzteres wird uns auch die Umwelt danken.

Richard Bartels, Slowfood Herrsching

Slow Food

Slow Food wirbt für den Kauf bei mittelständischen Anbietern in der Region. Bild: Mit freundlicher Genehmigung von Slow Food.

Warum ein Vollsortimenter kein Gewinn ist – im Gegenteil2021-03-02T10:53:14+01:00

Das Sterben der anderen

Das Sterben der Anderen

World Wildlife Day
Das weltweite Artensterben hat so große Ausmaße angenommen, dass die Wissenschaftler*innen vom sechsten großen Massenaussterben der Erdgeschichte sprechen. Dieses Mal ist es kein Meteorit aus dem All, der das Leben auslöscht, sondern es sind wir Menschen selbst. Dass die Klimakrise gefährlich ist, haben inzwischen viele Menschen verstanden. Am 2. März, dem Vorabend des diesjährigen Welttags des Artenschutzes, hat Slow Food bundesweit zu einer Online-Lesung mit der renommierten Umwelt- und Agrarexpertin Tanja Busse eingeladen. Sie hat aus ihrem Buch “Das Sterben der anderen” gelesen.

Artenschutz im Garten: Mit den richtigen Blühpflanzen Insekten helfen zu überleben. Foto: S. Bleek

Leben bedeutet Vielfalt. Ohne Artenvielfalt kein Leben. Auch nicht für uns Menschen. Foto: NABU

Was hat das Artensterben mit mir zu tun?

Ist es wirklich so schlimm, wenn Insekten und seltene Vögel sterben? Wie wirkt sich das auf mich, auf meine Kinder oder Enkel, auf uns Menschen aus? Sind unsere Sorgen berechtigt oder nur “Alarmismus”?

Dass die Klimakrise gefährlich ist, haben inzwischen viele Menschen verstanden. Doch die Warnungen der Ökologen vor den Zusammenbrüchen ganzer Ökosysteme werden immer noch nicht gehört. Wie kommt das und was können wir dagegen tun? Und welche Rolle spielen dabei Landwirtschaft und Ernährung? Darüber haben sich Tanja Busse und Nina Wolff während der Lesung am 2. März 2021 unterhalten.

Die Lesung ist  >> auf Youtube zu sehen.

In diesem Video erzählt Tanja Busse was sie bewegt hat, ihr Buch zu schreiben:

Der >> Welttag des Artenschutzes (World Wildlife Day) wurde 2013 durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen ins Leben gerufen und wird jährlich am 3. März begangen. Ziel ist es, die Bedeutung der wild-lebenden Tier- und Pflanzenarten für den Menschen sowie den anhaltenden Verlust der Artenvielfalt in den Fokus der Aufmerksamkeit zu rücken. Mehr dazu über die Links auf der Seite des >> Bundesamts für Natur- und Umweltschutz.

Video zum Welttag des Artenschutzes der UNO am 3. März 2021

Das Sterben der anderen2021-06-07T10:53:37+02:00

Wohnen am Vollsortimenter

Teilsrain-Geschichten

“Mutti ich will zum Backshop” oder  “Noch einen Stopp beim Landbäcker einlegen”?

Sehr geehrte Gemeinderäte,

wir geben auf!

Mit Ihrer detaillierten Beschreibung des Lebens am Teilsrain haben Sie uns überzeugt. Wer wollte denn noch am See wohnen oder in Walchstadt mit Alpenblick, wenn sich am Teilsrain so eine Idylle eröffnet!

Endlich: Wohnen am Vollsortimenter!

Es gibt kaum Straßen, nur zarte Durchwegungen der vielen Waldgebiete. Zugegeben, morgens wird es durch die Lieferfahrzeuge etwas laut, aber dafür lockt mich die Landbäckerei mit ihrem Duft zu einem knusprigen Frühstück.
Aber weil hier alles so fußläufig ist und man kaum noch Bewegung hat, muß ich mich halt im Fitnesscenter anmelden. Leider ist das noch im Nachbarort. Aber wenn ich so auf das freie Feld hinter dem Supermarkt schau – da hätte doch ein Sportcenter locker Platz. Und die Baumschützer hätten nichts zu meckern, weil der Acker baumfrei ist. Und die ganze Energie, die durch die Sportler erstrampelt wird, die könnte man gleich ökologisch für die Kühlung im Supermarkt verwenden.

Eisdiele verkehrsberuhigt

Ja, und dann mittags zum knackigen Imbiss an der Frischetheke des Vollsortimenters. Dort erwarten mich Leckereien aus aller Welt. Zur Nachspeise gibt’s gleich gegenüber ein kleines Eis in der verkehrsberuhigten Eisdiele. Oh, warum schauen die Gäste so verzückt in die Luft? Ach ja, es ist die volle Stunde, da wird immer der Kuckucksruf abgespielt.

…wenn der Kuckuck ruft

Wie einfühlsam den Seniorinnen so oft einen Erinnerungsmoment zu bescheren.
Auf dem Rückweg warten schon 2 Freundinnen auf dem Mitfahrerbankerl. Sie wollen zum anderen Edeka um Preisvergleiche zu machen. Ach da fahr ich doch auch mit.
Dann wär es eigentlich schon Zeit für das Feierabendbier. Mist, dass wir hier im Quartier keine Kneipe haben. Müssen wir wirklich bis in die andere Ortsmitte zum Kirchenwirt fahren? Da muss ich morgen unbedingt zum Kreativworkshop in den Pfarrsaal. Vielleicht könnte man den Herrn Investor dazu überreden eine gemütliche urbayrische Kneipe zu planen. Ach ja vielleicht auf dem neuen Sportcenter ….und in der neuen Kneipe trifft sich die Gruppe Artenvielfalt und diskutiert ein neues Bürgerbegehren: Verlängerung der Amtszeit des jetzigen Gemeinderates bis ins Jahr 2044.

Ergebenst Ihre Artenvielfalter

Wohnen am Vollsortimenter2021-02-22T13:42:51+01:00

Das Wunder von Wörthsee

Der Backshop Wörthsee

Gassi gehen am Backshop. Die Gemeinde Wörthsee und ihr neuer “Landbäcker am Bewegungs- und Spielbereich”.

Die Wunder von Wörthsee

Es begab sich im Jahre 2019, dass die Gemeinde Wörthsee den Klimanotstand ausrief. Aber bald merkten die Menschen und die weisen Ratgeber im Dorfe, dass das sehr unbequem für sie werden könnte, denn das Klima ließ nicht mit sich spaßen.

Also erbarmte sich der HERR ihrer, kam herab und sprach zu den weisen Ratgebern:

„Nach Wörthsee, in mein gesegnetes Dorf, werde ich von nun an viele Wunder bringen. Vorher aber müsst ihr in einer hellgrünen Projektzeitung dem unwissenden kleinen Bürger meine Weisheiten verkünden.“

Und so geschah es:

Aus einem Backshop machte er einen Landbäcker.

Den Kuckuckswald verwandelte er so, dass er das Klima noch schützte, als er schon darnieder lag.

Der Tempel des Konsums, genannt Vollsortimenter, konnte von nun an, dank der Hilfe der HERRN, am Abend die Vögel singen lassen.

Den Verkehr löste er in Luft auf.

Aus den Feldern Richtung Osten machte er Wohngebiete, denn sonst wären zu wenig Menschen in den Tempel gekommen.


Und jeden Abend gaben alle Menschen im neuen Quartier sich die Hände, stellten sich im Kreis auf und lobten den HERRN.

Und wenn sie nicht gestorben sind, so loben sie heute noch.

Autor*in: H.S.

Das Wunder von Wörthsee2021-05-30T21:17:01+02:00
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