WörthZero – Nachhaltiges Bauen

WörthZero: Nachhaltiges Bauen im Gemeindegebiet

Im Jahr 2005 haben der Landkreis Starnberg und seine Gemeinden gemeinsam beschlossen, bis 2035 bei Energieerzeugung und -verbrauch klimaneutral zu werden. Auf der Webseite der Gemeinde ist zum Thema Klimaschutz im 5 Seenland das integrierte Klimaschutzkonzept von 2010 zu finden. Doch wo stehen wir heute?

Neubau 2024 Woerthsee

Massivbauten mit hohem Betoneinsatz dominieren auch 2024 die Neubautätigkeit in Wörthsee. Foto: Stephan Bleek

„Bauleitplanung auf Klimaschutz ausrichten:
Die Gemeinde Wörthsee strebt an, die Möglichkeiten des Baurechts in der Bauleitplanung so weit wie möglich auszuschöpfen, um Klimaschutzziele zu erreichen: Beachten einer energieeffizienten Bauweise (in neuen Bebauungsplänen soll mindestens Passivhausstandard erreicht werden, besser
Energie-Plus-Häuser!), Nutzen der aktiven und passiven Solarenergienutzung, kompakte Bauweise; Vermeidung fossiler Brennstoffe, Bildung von Nahwärmeinseln, Reduzierung der Verkehrsflächen und Stärkung des Umweltverbund (v. a. Fuß- und Radverkehr); kurze Wege; Vermeidung von Flächenverbrauch. Die Gemeinde Wörthsee wird externe Planer zukünftig hinsichtlich ihrer Kompetenz in Sachen klimafreundlicher Ortsentwicklung und energieoptimiertes Bauen auswählen und beauftragen.“

Klimaschutzkonzept 5-Seenland 2010, S. 489, Empfehlung zur Bauleitplanung.
Bürgerenegiepreis Bayern 2022

Das preisgekönte Gebäude in Wörthsee. Foto: Prospekt Bürgerenergiepreis

Wörthsee Stromerzeugung und Verbrauch

Die Zielsituation im Energieverbrauch wird wesentlich von den Gebäuden bestimmt. Quelle: Eigene Berechnung nach statistischem Bundesamt.

Der Fortschritt auf dem Weg zur CO2-Neutralität ist mühsam. 2010 bereits wurde empfohlen, „nach Möglichkeit“ Neubauten nur noch nach einem Energie-Plus Standard zuzulassen. Insbesondere eine entsprechende Bauleitplanung wurde empfohlen (s.489). Diese Ratschläge wurden leider bisher nicht umgesetzt.

„Behaglich, wohnlich, gemütlich – auch das bekommen wir in Wörthsee bis 2035 klimaneutral hin. In Deutschland entfallen aktuell etwa 30 % der Emissionen auf den Energieverbrauch in unseren privaten Haushalten (PH) sowie Gebäuden von Gewerbe, Handel, Dienstleistungen (GHD), vor allem durch die Bereitstellung von Warmwasser und Raumwärme. Für die Reduktion müssen wir einerseits darüber sprechen, wie wir in Zukunft bauen und bestehende Gebäude so schnell wie möglich sanieren können, so dass ihr Energiebedarf deutlich sinkt. Andererseits müssen wir Gebäude effizient klimaneutral heizen, indem wir fossile Heizungssysteme sinnvoll ersetzen. Eine erste Liste an Aufgaben und Möglichkeiten haben wir zusammengestellt, sie lässt sich erweitern:

  • Die Herstellung eines Massivbaus setzt rund 40 t CO2 frei, eine Menge, die etwa 80 Jahren Heizen des Gebäudes mit fossilen Brennstoffen entspricht. Insbesondere die Herstellung von Beton ist sehr klimabelastend. Holzbauweisen sind daher vorzuziehen, da dieser Baustoff CO2 langfristig bindet, anstatt es freizusetzen.
  • Neubauten sollten mindestens die Standards KfW 40 oder Passivhaus bzw. Energie-Plus Standard erreichen. Sie werden nur noch genehmigt, wenn der Endenergiebedarf unter 35 kWh/m2 (=KfW40) im Jahr liegt.
  • Eine entsprechende Bauleitplanung wird für die Gemeinde erstellt.
  • Bauberatung: die Gemeinde sollte die im Landkreis geschaffenen Möglichkeiten zur Bauberatung aktiv bewerben.
  • Die Genehmigungen für Umbauten werden an Auflagen zur Energieeinsparung im Bereich Heizung gebunden, z.B. den NT- ready-Standard: Durch die maximale Vorlauftemperatur von 55°C wird der Umstieg auf erneuerbare Wärme möglich.
  • Ein Stopp der Versiegelung durch gepflasterte Stellplatzflächen aus Betonsteinen. Für mehr Parkflächen auf Kies oder wasserdurchlässigen Steinen, die betonfrei ökologisch erzeugt werden.
  • Eine Verkehrsplanung, die den Kriterien von 2010 folgt. Umweltverbund von Fuß- und Radverkehr.
  • Keine Metallzäune im Gemeindegebiet. Metallzäune benötigen in der Herstellung enorme Mengen Energie und sind daher stark klimabelastend. Niemand benötigt sie. Auch Holzzäune tun ihren Dienst, Hecken sind noch viel besser, sie binden Co2.

Ein Musterhaus in Wörthsee

Bereits im Jahr 2003 wurde in Wörthsee in der Muldenstraße ein vorbildliches Mehrfamilienhaus mit Büro errichtet. Dieses Gebäude hat 2022 den bayerischen Bürgerenergiepreis gewonnen – es ist ein Energie-Plus Haus. Leider ist es bislang fast allein auf weiter Flur geblieben.

Die Unterlagen zum Bürgerenergiepreis zeigen, was bautechnisch schon lange möglich ist – aber leider kaum errichtet wird. Die an anderer Stelle beschriebene Energiebedarf zur Wärmeerzeugung in unseren Wohnräumen kann mit dieser Bauweise vollständig eingespart werden.

Bürgerenergiepreis Bayern CO2Bilanz Haus

Co2 Emission beim preisgekrönten Haus in der Muldenstraße. Quelle: Prospekt Bürgerenergiepreis 2022.

Bauleitplanung jetzt!

Wie bereits 2010 im Klimaschutzkonzept gefordert, sollte die Gemeinde klare Vorgaben für Neubauten setzen. Damals wurde empfohlen: „Die Gemeinde Wörthsee strebt an, die Möglichkeiten des Baurechts in der Bauleitplanung so weit wie möglich auszuschöpfen, um Klimaschutzziele zu erreichen: Beachten einer energieeffizienten Bauweise (in neuen Bebauungsplänen soll mindestens Passivhausstandard erreicht werden, besser Energie-Plus-Häuser!), Nutzung der aktiven und passiven Solarenergienutzung, kompakte Bauweise.“ Zu diesem Vorschlag der Fachplanung ist nur zu fragen: Warum ist er nicht umgesetzt worden.

Um die Klimaziele zu erreichen, ist eine Bauleitplanung in unserer Gemeinde dringend erforderlich.

Null Energiehaus Woerthsee

Null-Energie-Haus Muldenstraße. Foto: Stephan Bleek

WörthZero – Nachhaltiges Bauen2024-02-09T20:05:17+01:00

WörthZero – Energieversorgung ohne fossile Brennstoffe

WörthZero – Energieversorgung ohne fossile Brennstoffe

Im Jahr 2005 haben der Landkreis Starnberg und seine Gemeinden gemeinsam beschlossen, bis 2035 bei Energieerzeugung und -verbrauch klimaneutral zu werden. Auf der Webseite der Gemeinde ist zum Thema Klimaschutz im 5 Seenland das integrierte Klimaschutzkonzept von 2010 zu finden. Doch wo stehen wir heute?

Erneuerbare Energien 2022 Landkreis Starnberg

Anteil erneuerbarer Energien beim Stromverbrauch 2022 im Landkreis Starnberg. Quelle: Landratsamt Starnberg.

Energiewende Landkreis Starnberg

Der Verein Energiewende Landkreis Starnberg arbeitet seit Jahren daran, die Energiewende im Landkreis voranzubringen. In Herrsching wird eine kostenlose Energieberatung angeboten.

„In der Untersuchung schneiden Wärmepumpen in Einfamilienhäusern nicht nur als umweltfreundlichster, sondern auch als wirtschaftlichster Energieträger ab. Die Gesamtkosten können durch Photovoltaik für den Eigenverbrauch noch gesenkt werden. In Mehrfamilienhäusern ist die Umstellung auf Wärmepumpen oder Fernwärme ebenfalls kostengünstiger als eine erneuerte Gasheizung.“

Günstig und klimaschonend heizen: Wärmepumpen sind kostengünstiger, Fraunhofer ISE Institut

Der Fortschritt auf dem Weg zur Energieversorgung ohne fossile Brennstoffe ist mühsam. Der Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch in Wörthsee liegt laut Webseite des Landratsamts 2022 gerade mal bei 16,5%, im Landkreis Starnberg bei 18,1%. Zu konkreten Maßnahmeplänen haben die Klimabeschlüsse bislang nicht geführt. Das Tempo der vergangenen 15 Jahre ist offensichtlich viel zu langsam. Machen wir so weiter wie bislang, dauert es 150 Jahre, bis das Ziel erreicht ist. Wie also können wir innerhalb des nächsten Jahrzehnts doch noch null Emissionen erreichen?

Klima Aktionsplan Wörthsee

Der Energieverbrauch eines privaten Haushalts hat drei wesentliche Bereiche:

  • Wärmeerzeugung (70%),
  • Haushaltsstromverbrauch (ca. 13%),
  • private Mobilität ca 17%.

Das Statistische Bundesamt stellt für alle wesentlichen Betrachtungen des Energieverbrauchs aggregierte Materialien zur Verfügung. Laut DeStatis ist der größte Block im privaten Energieverbrauch die Erzeugung von Wärme im Wohnbereich. 70% der CO2 Emissionen in den Haushalten gehen auf dieses Konto. Die Umstellung der im Gemeindebereich vorhandenen Öl- und Gasheizungen ist daher der wichtigste Schritt, um die Emission von fossilem CO2 zu beenden. Hierfür ist der Aufstellung eines kommunalen Wärmeplans sinnvoll. Dieser würde die Gemeinde nur wenig kosten, 2/3 der Kosten werden bezuschusst. Der zweite wichtige Sektor ist die Mobilität.

Wärmeerzeugung

Da laut Statistik der pro-Kopf Energieverbrauch in Deutschland bei 17.633 kWh liegt, lässt sich mit dieser Zahl der gesamte, im privaten Bereich anfallende Energiebedarf in unserer Gemeinde mit etwa 5.000 Einwohnern auf 35.658.524 kWh pro Jahr oder 35 Gigawattstunden ausreichend genau abschätzen. Hinzu kommt der Gewerbesektor.

70% dieser statistischen Größe entfallen auf Wärmeerzeugung also etwa 25 GWh. Eine Kontrollrechnung zu diesem Pauschalwert auch über die Anzahl an Gebäuden und Wohnungen im Ort aufgemacht werden. Wir haben etwa 1210 Einfamilienhäuser in der Gemeinde und deren Wärmeenergiebedarf liegt pro Haus im Schnitt bei 15.000 kWh im Jahr. Hinzu kommen 1210 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern, bei denen der durchschnittliche Bedarf pro Wohnung und Jahr bei etwa 8.000 kWh liegt. Hiernach liegt der statistische Wärmeenergiebedarf der privaten Gebäude in der Gemeinde zusammengenommen bei etwa 28 GWh.

Ein wesentlicher Punkt bei dieser Rechengröße wird die Erzeugung dieser Wärmeenergie sein. Wärmepumpen arbeiten mit einem Effizienzfaktor von bis zu 4, der sogenannten Jahresarbeitszahl. Bei einer JAZ von 4 werden für die Erzeugung der benötigten Wärmeenergie etwa 7.000 kWh Strom benötigt. Die tatsächlich erreichten Werte liegen bei Luftwärmepumpen momentan etwas darunter, aber es ist zu erwarten, dass Optimierung bei der Technologie und Verbesserungen der Beheizungssysteme hier noch einen Fortschritt bringen. Fortschritte bei der Dämmung sind ebenfalls zu erwarten. Ein sehr gut gedämmtes Haus benötigt nur etwa die Hälfte der Energie, wie oben angenommen. Dennoch wird dieses „Worst Case Szenario“ die Realität ausreichend genau abbilden.

Beleuchtung und Prozessenergie

Bereits elektrifiziert sind zwei weitere wesentliche Größen im Haushaltsbereich Beleuchtung und „Prozessenergie“ wie zum Beispiel für das Kochen oder alle übrigen Elektrogeräte. Der durchschnittliche Verbrauch hierbei liegt im Jahr bei 1.320 kWh pro Kopf, also in Wörthsee bei rund 6.6 GWh pro Jahr. In diesem Bereich bringen moderne Geräte Einsparpotential. Vor allem aber kommt es jedoch darauf an, den verbrauchten Strom auch zu 100% fossilfrei zu erzeugen.

Mobilität

In Wörthsee sind etwa 3.500 private PKW zugelassen, 97% davon sind derzeit Verbrenner. Stellen wir die PKW Flotte in Wörthsee rechnerisch auf Elektrofahrzeuge um, beträgt der anzunehmende durchschnittliche Verbrauch beim derzeitigen Stand der Technik etwa 17 kWh pro 100 km, zusammengenommen ebenfalls etwa 9 GWh im Jahr. Werden sich in den kommenden Jahren die erwarteten Fortschritte bei den Batterien einstellen, also vor allem die Reduzierung ihres Gewichts bei gleicher Leistung, werden die E-Autos auf einen niedrigeren Bedarf kommen. Mehr dazu steht im Kapitel Nachhaltige Mobilität.

Nehmen wir alle drei Bereiche des Energiebedarfs zusammen, kommen wir bei Vollelektrifizierung auf einen Bedarf von etwa 22 GWh Strom im Gemeindebereich Wörthsee.

Der Strombedarf der Zukunft

Die vorgestellte Schätzung zeigt den tatsächlichen maximalen Bedarf der privaten Haushalte. In der Realität wird der Bedarf anders ausfallen, zumal Entscheidungen der Bürger nicht per Verordnung getroffen werden dürfen. Dennoch steht das Nullemissions-Ziel längst verbindlich vereinbart fest und das heißt, dass die Simulation durchaus eintreten wird.

Nochmals: ein kommunaler Wärme- und Energieplan ist nötig, um dieses Thema genauer abzubilden. Wir vermuten, dass sich der Strombedarf in Wörthsee gegenüber den derzeitigen Werten mehr als verdoppeln wird.

Schätzwert Haushaltsstrombedarf in Wörthsee 2035

Schätzung zum Haushaltsstrombedarf in Wörthsee (kWh) bei Vollelektrifizierung. ca. 2035. Quelle: Eigene Berechnung auf Basis DeStatis

Energiebedarf im Jahresverlauf

Da der Verbrauch an Wärmeenergie die wesentliche Größe in dieser Gesamtrechnung ist, wird im Winter am meisten Energie gebraucht. 73% der Wärmeerzeugung fallen auf die Monate November bis März. Der Energiebedarf der privaten Verbraucher in der Gemeinde kann sich (bei Vollelektrifizierung) in der kalten Jahreszeit auf bis zu 76.600 kWh am Tag summieren. Dieser Spitzenwert wird jedoch vermutlich nicht erreicht werden, da energiesparende Technologien den Bedarf besonders bei Heizung und Mobilität noch senken werden.

Um das Ziel einer Versorgung dieses Bedarfs zu 100% mit erneuerbarer Energie zu erreichen ist ein solcher Spitzenbedarf ein wichtiger Maßstab. Niemand kann riskieren, dass im Winter das Energiesystem zusammenbricht. Mit dem Gespenst der sogenannten Dunkelflaute wird seit längerem Stimmung gegen die Umstellung der Stromerzeugung auf Erneuerbare gemacht. Da im Winter die Solarenergie nur schwache Ausbeute erbringen kann, hängt fast alles am Wind. Und was, wenn dieser nicht weht? Wie sehen also die Möglichkeiten für Wind- und Sonnenstrom zur Versorgung von Wörthsee aus?

Stromerzeugung im Jahresverlauf

Was ist erforderlich, um die benötigten 22 MWh an Energie für die privaten Haushalte vollständig mit erneuerbarer Energie zu erzeugen? Wir haben derzeit in Wörthsee bereits PV-Dachanlagen installiert, die etwa 4 MWh im Jahr an klimaneutralem Strom erzeugen. Hinzu kommt dieses Jahr der Bürger Solarpark, der weitere 5 MWh Leistung hat.

Geplant sind derzeit 4 Windräder im Gemeindebereich. Ein Windrad in der Gemeinde Berg im Landkreis erzeugt etwa 7 MWh pro Jahr, da in Süddeutschland die Windenergie nicht besonders leistungsfähig ist. Dennoch, ein Ausbau der PV-Dachanlagen auf 8 MWh, der rechnerisch möglich ist, die Inbetriebnahme eines weiteren (bereits geplanten) Solarparks entlang der A96 sowie 2 Windräder (ca. 14 MWh) reichen rechnerisch mit 32-35 MWh bei weitem aus, den Strombedarf aller Haushalte bei Vollelektrifizierung zu decken.

Doch auf den ersten Blick sieht man: im jahreszeitlichen Verlauf ist die Erzeugung im Sommer zu hoch und im Winter zu gering, es braucht also Speicher.

WörthZero Simulation

Quelle der Basiszahlen: BdEW 2024, Quellenangabe:
Destatis
BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V.
Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW)
Statistik der Kohlenwirtschaft e.V.
AG Energiebilanzen e.V.

Stromspeicherung

Der Speicherbedarf für elektrische Energie ist bei Nutzung der Erneuerbaren enorm. Auf den ersten Blick ist auf der Grafik zu sehen, dass die PV-Anlagen besonders dann viel Strom erzeugen, wenn der Bedarf eher gering ist. Windkraft dagegen folgt übers Jahr recht gut dem Bedarf. Beide zusammen reichen jedoch nicht, um den Verbrauch in den Wintermonaten zu decken.

Was ist nun von der sogenannten Dunkelflaute zu halten? Wie und vor allem für wie lange kommt es im Winter zu Flauten, wenn auch die PV nichts bringt? Auch wenn diese Flauten, europaweit gedacht, im Verbundnetz ausgeglichen werden können, ist der Aufbau einer großen Stromspeicherkapazität zwingend, um Versorgungssicherheit zu garantieren. Auch lokale Anlagen wird es brauchen. In Wörthsee sind bereits heute 105 kleine private Speicheranlagen installiert mit etwa 715 kWh Leistung, was natürlich ein allererster Mini-Anfang ist. Da die private Stromspeicherung bei Betrieb einer Solaranlage sehr kostensparend ist, werden in den kommenden Jahren viele hundert Anlagen hinzukommen, die zusammengenommen 10 bis 20 MWh Kapazität haben könnten.

Große Batteriespeicher von einigen hundert MWh müssen mit einer anderen Batterietechnologie als Lithium gebaut werden. Das österreichische Burgenland will sich mit Hilfe der Solid Flow Batterie-Technologie, die umweltfreundlich und wirtschaftlich ist, bis 2030 umzustellen: „Das Burgenland hat sich ein klares Ziel gesetzt: Wir wollen und wir werden 2030 klimaneutral, energieunabhängig und damit auch preisunabhängig sein“, betont Landeshauptmann Hans Peter Doskozil. Dazu wird ein organischer Batteriespeicher von Speicherleistung von 100 Megawatt mit einer Kapazität von 300 Megawattstunden installiert. Hier steht mehr zu diesem vorbildlichen Projekt. Auch in Wörthsee sollte über eine derartige Lösung nachgedacht werden.

Smart Grid – das Stromnetz der Zukunft

Das intelligente Stromnetz der Zukunft muss durch ein Lastmanagement die enormen Schwankungen bei Erzeugung und Verbrauch abfedern. Ein Lastmanagement wird über Anreize jedem Haushalt eine Chance bieten, seine Stromkosten niedrig zu halten. In den nächsten Jahren werden alle Haushalte mit digitalen Stromzählern ausgestattet. Sie erfassen den Stromverbrauch zeitnah und zeigen, wieviel Strom wir wann verbrauchen.

Im Smart Grid kann jeder Verbraucher und jeder Erzeuger den Strom dann abnehmen bzw. anbieten, wenn es für das gesamte Netz am günstigsten ist.

Muss ich mein Elektroauto abends um 18:30 an die Ladenstation stecken, wenn vielleicht gerade eine Stromspitze das Netz belastet? Oder sorgt ein Smartmeter dafür, dass der Ladevorgang automatisch erst dann beginnt, wenn andere Verbraucher abgeschaltet wurden? Und er garantiert dennoch am nächsten Morgen zuverlässig eine volle Batterie. Und, schaltet er meine Spülmaschine oder Waschmaschine mittags ein, wenn die hauseigene PV-Anlage ausreichend eigenen Strom liefert?

Oder sorgt der Smart Meter dafür, dass der Strom meiner PV Anlage zu einer lukrativen Zeit mit hohen Erzeugerpreisen ins Netz eingespeist oder zwischengespeichert wird? Haben wir in der Nachbarschaft oder in der Gemeinde einen zentralen Speicher dafür? Kann ich mit einem privaten Stromspeicher sogar Geld verdienen, wenn ich zwischengespeicherten Solarstrom vom eigenen Dach zu Spitzenzeit ins Netz einspeise? Und geht das vielleicht vollautomatisch? Es ist auch geplant, die großen Batteriekapazitäten der Elektroautos für die Zwischenspeicherung von Strom nutzbar zu machen – bidirektionales Laden.

Solche Fragen zum Smart Grid werden spannend. Auch diese Themen können die Fachleute bereits beantworten. Informationen stellen die großen Energiekonzerne bereit.

Bis 2030 müssen die Stromzähler aller Haushalte intelligent sein. Smart Meter kommen und das smarte Netz ebenfalls. Deshalb wäre es gut, wenn die Gemeinde neben dem kommunalen Wärmeplan sich auch einen Plan macht zu einem kommunalen „smarten Netz“, das die vielen privaten Anlagen und die großen Bürger-Solar- und -Windanlagen sowie einen kommunalen Speicher ins Auge fasst.

WörthZero

Weitere Informationen zu WörthZero stehen hier.

WörthZero – Energieversorgung ohne fossile Brennstoffe2024-02-10T19:17:37+01:00

Großer Fortschritt bei den PV-Anlagen in Wörthsee

Großer Fortschritt bei den PV-Anlagen in Wörthsee

Mit 95 neuen PV-Anlagen in Wörthsee wurde im Jahr 2023 ein Rekordzubau erreicht. Insgesamt laufen jetzt auf 410 Dächern PV-Anlagen, die eine Netto-Nennleistung von etwa 3.975 kW haben. Der neue Solarpark Wörthsee am Ziegelstadel wird Anfang 2024 mit 14.000 Modulen ans Netz gehen und auf einen Schlag eine Netto-Nennleistung von 5.400 kW hinzufügen.

Kumulierte Nettonennleistung_Solaranlagen Wörthsee_2023-12

Nettonennleistung PV Anlagen in Wörthsee (kW). Quelle: Bundesnetzagentur

Neue PV-Anlagen mit hoher Leistung

Im Jahr 2023 wurden neue PV-Dachanlagen mit einer Leistung von fast 800 kWp in Wörthsee installiert, das ist ein Rekord. Derzeit kommen etwa 40% des pro Jahr in Wörthsee verbrauchten Stroms aus im Gemeindegebiet installierten PV-Anlagen. Die jährliche Solarstromerzeugung liegt im Gemeindegebiet derzeit bei etwa 4 Mio. kWh, der Stromverbrauch liegt bei etwa 9,5 Mio. kWh.

Demnächst wird auch der große Bürgersolarpark am Ziegelstadl in Betrieb genommen werden. Dann werden im Gemeindegebiet Wörthsee pro Jahr etwa 10 Mio. kWh Solarstrom erzeugt werden, etwa so viel an Strom verbraucht wird.

Nettonennleistung PV Anlagen Wörthsee_2023-12

Nettonennleistung PV Anlagen in Wörthsee (kW). Quelle: Bundesnetzagentur

Der Fortschritt beim privaten Zubau an PV-Anlagen ist sehr wichtig für die Energiewende im Gemeindebereich. Der Verein Energiewende im Landkreis Starnberg hat zu den nötigen Schritten im Landkreis viele Informationen gesammelt.

Schon im Jahr 2010 hat der Landkreis ein Integriertes Klimaschutzkonzept 5 Seen Land vorgestellt, dass das Ziel ausgegeben hat, bis zum Jahr 2035 im Landkreis ohne fossile Energien auszukommen. Wir haben inzwischen begonnen, unter der Aktion WörthZero die Aufgaben zu skizzieren, die gelöst werden müssen, um das Ziel noch zu erreichen.

Für Bürger, die sich über PV-Dachanlagen, die Umstellung ihrer Heizung oder die energetische Sanierung ihrer Gebäude informieren wollen, ist die Agentur Klima3 des Landkreises eine gute Anlaufstelle.

Erneuerbare decken 2023 mehr als 50% des Stromverbrauchs in Deutschland.

In absoluten Zahlen lag 2023 die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien mit 267,0 Mrd. kWh so hoch wie noch nie zuvor. Gegenüber dem Vorjahr liegt der Anstieg bei sechs Prozent.

Laut BdEW wurden 2023 nach vorläufigen Berechnungen rund 508,1 Milliarden Kilowattstunden (Mrd. kWh) Strom erzeugt – knapp 11 Prozent weniger als im Jahr 2022 und zugleich auch mit 517 Mrd. kWh auch 4,2% weniger Strom verbraucht. Die Erneuerbaren legten um 6% auf 257 Mrd. kWh zu, was einem Anteil von 51,6% entspricht:

BDEW Stromerzeugung und Verbrauch in Deutschland

Quelle: BdEW 2024, Quellenangabe:
Destatis
BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V.
Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW)
Statistik der Kohlenwirtschaft e.V.
AG Energiebilanzen e.V.

Großer Fortschritt bei den PV-Anlagen in Wörthsee2024-02-09T21:27:18+01:00

Umwelttag Wörthsee 2023

Umwelttag Wörthsee 2023

Am Sonntag, den 10. September, fand der „Umwelttag Wörthsee“ am Rathaus statt. Unsere Initiative Artenvielfalt war mit einem Stand vertreten, der auf großes Interesse gestoßen ist. Auch der BUND Naturschutz und andere Umweltinitiativen, wie die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, stellten sich vor. Die Informationsstände eröffneten Raum für gute Diskussionen zu den Möglichkeiten, die biologische Vielfalt gemeinsam zu erhalten. Viele Besucher klagten andererseits über das sehr laute Begleitprogramm, das Gespräche an den Ständen erschwert hat.

Am 10. September beteiligten wir uns bei hochsommerlichem Wetter wieder mit einem Stand am Umwelttag der Gemeinde.

Wir hatten 4 Schautafeln zusammengestellt:

  • Nur artenfreundliche Landwirtschaft kann den Artenverlust stoppen
  • Gemüse und Obst ohne Gift – Interview mit Martin Baur von der Gärtnerei Osterholz
  • Regionales Einkaufen hilft beim Klimaschutz
  • Wälder für die Zukunft

Es liegt längst in der Hand aller, zum Beispiel durch Nutzung der vorhandenen Möglichkeiten beim Einkaufen mehr „Markt“ für artenfreundliches Wirtschaften zu schaffen und entsprechende Anbieter in der Nachbarschaft zu stärken.

Die anregenden Gespräche mit den vielen Besucherinnen und Besuchern am Stand haben uns bestärkt, die Aktivitäten für Verbesserungen der Umweltsituation in Wörthsee zu verstärken.

Allerdings hat die Lautstärke des gut gemeinten Begleitprogramms die Gesprächsmöglichkeiten stark eingeschränkt. Dennoch war der Umwelttag eine gute Aktion. Die Schautafeln, mit denen auch der BUND und die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft auf die Zusammenhänge von Intensivbewirtschaftung und Artenverlusten hinwiesen, konnten allen, die es lesen wollten, verdeutlichen, was in den nächsten Jahren auf dem Spiel steht.

In diesem Zusammenhang waren auch die Tafeln der Gemeinde sehr interessant, die die Veränderungen im Gemeindegebiet der letzten 200 Jahre dokumentierten. Wie viel hält die Natur aus, ohne ihren Charakter und ihre lebensspendende Rolle zu verlieren? Vermutlich nicht mehr allzuviel. Daher waren die Gespräche über Möglichkeiten, Fehlentwicklung der vergangenen Jahrzehnte zu korrigieren, besonders wertvoll.

Wir alle haben die Verantwortung, unsere Umwelt den kommenden Generationen intakt zu übergeben. Die biologische Vielfalt ist dabei noch bedeutender als der Klimaschutz. Daher sind alle Schritte, im Gemeindegebiet eine nachhaltige Landnutzung zu fördern, ein bessere Betreuung der naturgeschützten Flächen zu erreichen und diese Flächen durch Renaturierung besser zu vernetzen von existentieller Bedeutung.

Der Stand der Initiative Artenvielfalt

Umwelttag Wörthsee 20232024-01-28T14:34:25+01:00

Solarpark Wörthsee

Solarpark Wörthsee

In Wörthsee ist eine Gesellschaft gegründet worden, die auf dem Gelände des Ziegelstadl an der A96 einen Bürger-Solarpark errichten wird. Die Gemeinde hat am 9. Februar das Gelände an die Betreiber verpachtet. Die Anlage mit 6 Megawatt Peak-Leistung soll bereits zum Jahreswechsel 2023/24 in Betrieb gehen.

NEAP Wörthsee
NEAP Wörthsee Lage

Es kommt Bewegung in die Energiewende. Auf einer Informationsveranstaltung am Abend des 9. Februar 2023 wurde im Gemeindesaal der Pachtvertrag über 30 Jahre für das Gelände am Ziegelstadl feierlich unterzeichnet. Anschließend erläuterten Thomas Prudlo und Claus Frommel von der Firma NEAP – Neue Energieanlagen Wörthsee den zahlreich anwesenden Wörthseer Bürgerinnen und Bürgern das Projekt.

Stromerzeugung: 6,3 Mio. kWh pro Jahr

Mit 6 Megawatt wird die Anlage etwa doppelt soviel Solarstrom erzeugen können, als alle bislang im Gemeindegebiet installierten Anlagen zusammen. Auf der Fläche von etwa 6 ha werden 14.000 Module installiert. Die Stromerzeugung wird rein rechnerisch etwa 60% des derzeitigen jährlichen Verbrauchs im Gemeindegebiet abdecken.

Aufstellung entlang der Autobahn

Das hohe Tempo bei Bau der Anlage erklärt sich auch die ist neue Rechtslage, nach der in einem Streifen von bis zu 500 Metern längs der Autobahn keine aufwändigen Bebauungsplanungs- und Genehmigungsverfahren mehr erforderlich sind. Die Gemeinde hat eine Baugenehmigung bereits erteilen können.

Der Flächenverbrauch von 6 ha ist ein erheblicher Eingriff in den Naturraum, darüber sollten sich alle im Klaren sein. Grundsätzlich sind deswegen PV-Anlagen auf Hausdächern die „bessere“ Lösung. Und auch in Wörthsee sollten alle, die in Solar investieren wollen und über geeignete Dachflächen verfügen, diese auch vorrangig nutzen. Aber Dachanlagen allein reichen am Ende nicht aus, um die gewaltigen Strommengen der nahen Zukunft zu produzieren.

Ökologisch sinnvolles Konzept soll Beitrag zur Artenvielfalt leisten

Daher ist es sinnvoll, Flächen entlang Autobahnen, die bereits erheblich belastet sind, vorrangig für erneuerbare Energien zu nutzen. Dennoch sind Belange des Naturschutzes abzuwägen, wie zum Beispiel bestehende Nutzungen von Unterquerungen der Autobahn durch Wildtiere, die nicht blockiert werden sollten. Auch an den Zaun rund um das Gelände gibt es besondere Wünsche von Naturschützern und Jagdverband. Thomas Prudlo führte aus, dass es bereits Kontakt zu Naturschutzverbänden (BUND und LBV) gegeben hat.

Die PV-Module werden auf in den Boden gerammten Trägern montiert, die leicht wieder zurückgebaut werden können. Fundamente werden nicht benötigt. Die Module werden mit etwa 30 Grad Neigung aufgestellt, wobei die untere Höhe über dem Boden mindestens einen Meter beträgt. Ob es zwischen den Modulreihen ausreichende Abstände und ob insgesamt nicht mehr als 70% der Fläche überbaut werden, muss in der Detailplanung zu sehen sein.

Die Fläche des Solarparks wird nur zweimal im Jahr gemäht werden und das Mähgut wird entfernt. Auch eine Beweidung durch Schafe wäre denkbar. Dadurch, dass die Vegetation allmählich ausmagern wird, können sich Blühpflanzen ansiedeln, die ein neues Biotop für Insekten darstellen werden. Der Zaun sollte für kleine Wildtiere durchlässig angebracht werden.

Wörthseer Bürger und Bürgerinnen sind aufgerufen, Anteile zu zeichnen

Das Projekt ist als eine Bürgersolaranlage mit Kommanditanteilen ausgelegt. Das heißt, Wörthseer Bürger, und nur diese, können als Kommanditisten bei der „NEAP GmbH & Co Solarpark Wörthsee KG“ einsteigen und Anteile zeichnen. Die NEAP rechnet mit einer sehr guten Rendite. Die Investitionskosten von rund € 5,5 Mio. sollen etwa zur Hälfte über Einlagen der Kommanditisten und zur Hälfte über einen Bankkredit finanziert werden.

Die PV-Anlage rechnet sich gut

Thomas Prudlo stellte in seiner Musterkalkulation den Bürger-Investoren eine gute Rendite in Aussicht. Diese soll dadurch erreicht werden, dass der von der Anlage erzeugte Strom einerseits „konservativ“ über einen 20 Jahre laufenden EEG-Abnahmevertrag zu einem Preis von etwa 5,8 Ct. pro kWh vermarktet und zu einem weiteren Teil direkt an der Strombörse gehandelt werden wird. Dort sind – so die Annahme – deutlich höhere Erträge möglich.

Angesichts der durch die Energiewende in Zukunft benötigten gewaltigen Mengen an erneuerbarem Strom kann diese Annahme durchaus realistisch sein.

Claus Frommel erläuterte, dass die Betreiber auf 50 bis 250 Kommanditisten hoffen. Im Einzelnen sind Einlagen im vier- bis unteren fünfstelligen Bereich erwünscht, um eine echte Bürgeranlage mit vielen Beteiligten zu realisieren.

Wer Anteile zeichnen möchte, kann sich bei den folgenden Informationsveranstaltungen informieren:

Donnerstag, 23.02.2023 um 19 Uhr im Rathaus Wörthsee, Seestraße 20, Sitzungssaal

Am 28. Februar um 19 Uhr wird zusätzlich noch ein Zoom-Meeting mit Herrn Prudlo stattfinden. Die Einwahldaten stehen auf der Webseite der Gemeinde: Solarpark Wörthsee.

Solarpark Wörthsee2023-04-24T12:57:02+02:00

Der Energietag Wörthsee 2022

Der Energietag Wörthsee 2022

Am Sonntag, den 25. September, fand der „Energietag Wörthsee“ am Rathaus statt. Die Initiative Artenvielfalt war mit einem Stand vertreten, der auf viel Interesse gestoßen ist.

Am 25. September beteiligten wir uns mit einem Stand am Energietag der Gemeinde.

Wir hatten 4 Schautafeln zusammengestellt:

  • Verkehr verkehrt – Verkehrswende in Wörthsee
  • Erneuerbare Energie erzeugen mit Schwerpunkt Erdwärmepumpe
  • Viele Ideen zum Energie-Sparen
  • Umweltfreundlich gärtnern und dabei Energie sparen

Unser Stand wurde gut besucht, wir führten viele anregende Gespräche und knüpften neue Kontakte.

Das Blumen-Rätsel unter dem Motto „Sehenswürdigkeiten in nächster Umgebung“ blieb manchen ein Rätsel, andere wieder lösten alle Fragen im Handumdrehen.

Was etliche Besucher*innen besonders beschäftigte: Die Vorteile einer Erdwärmepumpe, aber auch die Probleme beim Einbau, dargestellt auf Tafel 2.

Der Stand der Initiative Artenvielfalt

Der Energietag Wörthsee 20222022-11-06T11:26:55+01:00

Energietag Wörthsee | 25. September 2022

Energietag Wörthsee – 25.9.22

Energietag Wörthsee 2022

Am Sonntag, den 25. September findet der Energietag Wörthsee am Rathaus statt. Die Initiative Artenvielfalt wird mit einem Stand vertreten sein.

Infotafel Verkehr Wörthsee
PV-Dachmontage Wörthsee
Frosch

m 25.September beteiligt sich die Initiative für Artenvielfalt wieder am diesjährigen Umwelttag mit einem Infostand. Folgende Themen stehen im Mittelpunkt:

  • Verkehrswende fürs Klima und für mehr Lebensqualität
  • Klimaschutz in Gärten, auf öffentlichen Flächen und in der Landwirtschaft
  • Kleinvieh macht auch Mist – Möglichkeiten zum Energiesparen
  • Klimafreundliche Energiegewinnung

Mit unseren Tafeln wollen wir die Diskussion anregen zu:

  • Energie-Sparen,
  • Energie klimafreundlich erzeugen,
  • Verkehr – verkehrt,
  • klimafreundliche Landwirtschaft/ klimafreundliches Gärtnern.

Außerdem gibt es einen Blumenquiz, Samen und Pflanzen zum Mitnehmen und zahlreiches Info-Material.

Wir würden uns freuen, wenn viele von euch vorbeikommen und wenn auch noch einige mithelfen würden. Bitte bei mir melden!

Ab 11 Uhr am Rathaus.

Energietag Wörthsee | 25. September 20222022-09-22T23:32:44+02:00

1000 Solardächer für Wörthsee

1000 Solardächer für Wörthsee

Dachlandschaft Steinebach-Wörthsee: Viel Platz für weitere PV-Anlagen. Quelle: Bayernatlas

In Wörthsee stehen etwa 1700 Wohngebäude. 292 davon haben bereits Photovoltaikanlagen (PV) auf dem Dach installiert, der größere Teil jedoch noch nicht. Einige Häuser haben zwar Solarthermie für Warmwasser auf dem Dach, jedoch keine Photovoltaik. Für das Gelingen der Energiewende sind weitere Photovoltaikanlagen sehr wichtig. Rechnen sie sich auch für den Betreiber?

Ein Vergleich: Die CO2 Emission für die Erzeugung einer kWh Strom aus Solarenergie liegt (inklusive Herstellung und Entsorgung der Anlage und einem „Backup“ durch andere Energiequellen in der Nacht) bei 70 bis 140 Gramm. Bei Braunkohle sind es 1,13 Kilogramm. Um den Kohleausstieg vorzuziehen, ist der Zubau von Solarenergie dringend erforderlich.

Frank Müller, Energieberater
PV-Anlagen Wörthsee

In Betrieb befindliche PV Anlagen in Wörthsee (Anzahl). Quelle: Bundesnetzagentur

Neubau PV Anlagen in Wörthsee, (Anzahl). Quelle: Bundesnetzagentur

Neu installierte Leistung (kW/Peak) – PV Anlagen in Wörthsee. Quelle: Bundesnetzagentur.

2 von 3 Dächern in Wörthsee sind noch ohne PV-Anlage. Leider selbst bei Neubauten. Foto: S.Bleek

Der Einstieg in die Elektromobilität hat Photovoltaikanlagen wieder in den Fokus eigener Zukunftsplanungen gerückt. Es ist verlockend, die Energie für das eigene Fahrzeug aus eigener Stromerzeugung zu ziehen, quasi „kostenlos“. Auch der Ersatz von Heizungen mit fossilen Brennstoffen wie Öl oder Gas durch Wärmepumpen erhöht den privaten Stromverbrauch massiv. Zugleich steigen die Strompreise. Viele Bewohner haben bereits darauf reagiert. In Wörthsee sieht man den Trend zu mehr PV-Anlagen deutlich: 2021 wurden bis Mitte Oktober 28 Anlagen in Betrieb genommen, 6 oder 8 weitere können bis Jahresende noch hinzukommen.

Der Zubau an Solaranlagen in Wörthsee steigt – aber zu langsam.

Die neu installierte Nettoleistung lag in diesem Jahr bei etwa 300 kWp. Pro neuer Anlage waren das im Durchschnitt etwa 7 kWp, also wurden eher kleinere Anlagen zugebaut. Für die Wirtschaftlichkeit einer PV-Anlage ist der Eigenverbrauch des erzeugten Stroms entscheidend. Die Einspeisevergütung von 7 Cent pro kWh deckt die Erzeugungskosten zur Zeit nicht. Um eigenen Solarstrom auch abends verbrauchen zu können braucht es einen Stromspeicher, der den tagsüber erzeugten Solarstrom bunkert. So kann abends und nachts zum Beispiel die Wärmepumpe betrieben werden oder Strom an ein Elektrofahrzeug abgegeben werden. Speicheranschaffungen werden in Bayern derzeit noch bezuschusst. Die KfW fördert den Bau der Anlagen durch zinsgünstige Darlehen.

Wir haben mit einem Hausbesitzer gesprochen, der sich vor kurzem eine Anlage hat installieren lassen.

Kuckuck: Karl, Du hast Dir eine Photovoltaikanlage aufs Dach montieren lassen – warum ausgerechnet jetzt?

HK: Ich trage mich mit dem Gedanken, mein in die Jahre gekommenes Fahrzeug durch ein Elektromodell zu ersetzen. Zwar hat mein bevorzugter Hersteller mein Wunschmodell noch nicht im Programm, das soll aber demnächst kommen. Und der Strom wird ja auch immer teurer, da lohnt es sich über eigene Produktion nachzudenken. Durch die intelligente Haussteuerung kann ich jetzt mehr als ein Drittel meines Stromverbrauchs aus eigenem Strom decken.

Kuckuck: Das spart ganz ordentlich?

HK: Ja, die Rechnung geht so: Pro gekaufter Kilowattstunde (kWh) zahle ich 0,30 €. Unser durchschnittlicher Stromverbrauch liegt bei etwa 3.500 kWh, wir sind ein 2 Personenhaushalt. Also zahlen wir etwa 1.000 Euro für unseren Strom. Meine Anlage erzeugt etwa 2,7 kW/Peak. Die Stromerzeugung im Jahr wird bei etwa 2.700 kWh liegen. Das wären in etwa 800 € an gespartem Stromeinkauf, könnten wir den Strom zu 100% selbst verbrauchen. Die Anlage hat 7.900 € inkl. Montage gekostet. Die Montage hat nur 6 Stunden gedauert, weil uns das eine sehr gute Firma aus Starnberg gemacht hat. Diese Anlage ohne Speicher spart etwa 30-40% vom Stromeinkauf, also bis zu 400 € im Jahr. Weitere Einnahmen bringt die Netzeinspeisung. Ich rechne damit, dass sich die Anlage in etwa 10 Jahren amortisiert haben wird. Steigen die Strompreise weiter, dann rechnet sich alles noch deutlich schneller. Und nutze ich den Strom für ein Elektrofahrzeug, spare ich natürlich noch viel mehr, wenn man auch die Benzinkosten anschaut.

Kuckuck: Durch das Auto steigt natürlich der Strombedarf?

HK: Ja richtig, also von 3.500 kWh pro Jahr vielleicht auf 5- oder 6.000 kWh, wenn ich 10.000 Kilometer im Jahr fahre. Bei 6 Liter Verbrauch kosten 10.000 Kilometer bald 1.200 € nur an Sprit, wenn wir den kommenden Benzinpreis von 2 € annehmen. Das Elektroauto verbraucht Strom für etwa 450 €. Produziere ich selbst, sind die „Spritkosten“ Null – oder genauer gerechnet vielleicht etwa 100 € an entgangenen Einspeisevergütungen.

Kuckuck: Ihr habt nur 6m2 aufs Dach gebaut, etwas mehr würde noch größere Ersparnisse bringen?

HK: Das hängt auch mit der Verschattung auf unserem Dach zusammen. Was möglich ist kann sich jeder selbst leicht ermitteln lassen. Es gibt einen Solarrechner im Internet und die Montageexperten beraten hier ganz super. Natürlich lohnen sich größere Anlagen noch besser. Einen Speicher haben wir als Rentner nicht genommen, da wir unser Auto auch tagsüber laden können.

Wörthsee kann mit PV-Strom klimaneutral werden

Möglich ist eine Verdreifachung der PV-Anlagen auf den Dächern im Gemeindegebiet.

Das entspricht 1000 neuen Anlagen. Der Investitionsbetrag läge bei etwa 7 Millionen Euro.

Eigenkapital muss nicht eingesetzt werden, die KfW fördert mit zinsgünstigen Darlehen.

Die privaten Investoren erzielen damit Renditen von bis zu 7% – gerechnet auf 25 Jahre.

Die Stromkostenersparnis wirkt sich sofort aus.

Besonders bei Nutzung von Elektrofahrzeugen oder Wärmepumpen.

Photovoltaik Anlagen in Wörthsee

PV Anlagen in Wörthsee 2021. Eigene Zusammenstellung nach Bundesnetzagentur und „Rechnerphotovoltaik.de

Solarstrom für E-Autos in Wörthsee

Das Laden von E-Autos mit eigenem Solarstrom rechnet sich besonders gut. Foto: S.Bleek

Monokristalline Zellen erreichen hohe Wirkungsgrade. Foto: S.Bleek

Auf vielen Dächern in Wörthsee ist noch Platz. Foto: S.Bleek

Auch große Anlagen laufen erfolgreich. Foto: S.Bleek

Ein „1000 Dächer-Programm“ für Wörthsee

Solarenergie ist nötig für die Klimaneutralität. Die Gemeinde hat schon vor längerer Zeit den Klimanotstand ausgerufen, hatte aber praktisch noch nicht all zu viel dagegen getan. Doch inzwischen kommen die Dinge in Bewegung. Auf der letzten Gemeinderatssitzung wurde besprochen, eine PV-Anlage entlang der Autobahn zu bauen und die Umstellung der Straßenbeleuchtung auf stromsparende LED-Technologie in Angriff zu nehmen.

Wirklich rasch vorankommen werden wir nur, wenn auch wir Bürger selbst investieren. Wir schlagen der Gemeinde deshalb vor, ein „1000 Solardächerprogramm“ aufzulegen. Das soll kein Steuergeld kosten. Allein mit gezielter Ansprache und Beratung zusammen mit Energieberatern der Stadtwerke FFB und Solarfirmen aus dem Landkreis könnten viel mehr Bürger motiviert werden, ihre Dachflächen für Photovoltaik zu nutzen. So können wir etwa 70 Millionen Euro privates Kapital für den Klimaschutz mobilisieren. Denn die Anlagen rechnen sich für die Betreiber mit etwa 7,5%. Und sie stützen den Cash Flow für Rentner.

Klimaneutrale Stromerzeugung

Wenn wir von den relativ kleinen Anlagen ausgehen, die 2021 zugebaut wurden, könnten wir über 5 Jahre hochgerechnet die Solarstromerzeugung auf etwa 1.600 kWh pro Einwohner verdreifachen. Die Jahreserzeugung an Solarstrom entspräche dann in etwa dem gegenwärtigen Stromverbrauch der Gemeinde (9.600.000 kWh/Jahr). Durch die Elektromobilität ist jedoch eine starke Erhöhung des Verbrauchs zu erwarten. Insofern bleibt das Programm nach oben offen, besonders was die Größe der möglichen Anlagen angeht. Auch eine Steigerung der jährlichen Solarstromproduktion auf 12 oder 15 Millionen kWh wäre in Wörthsee erreichbar.

Häufige Fragen

Neue Regierung will mehr Möglichkeiten für Bürger schaffen

Die früheren Regierungen haben eine Reihe an bürokratischen Hürden gebaut, die Privatleuten oder Bürgergenossenschaften den Bau von Solaranlagen oder Windrädern erschwert haben. Dies soll sich nun bald ändern Die Süddeutsche Zeitung vom 14.März 2022 berichtet dazu:

1000 Solardächer für Wörthsee2022-04-28T14:37:16+02:00
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