DLR schlägt Alarm – starke Abnahme des Waldbestands

DLR schlägt Alarm – starke Abnahme des Waldbestands

Am 22.2.22 veröffentlicht das  (DLR) eine Studie zur Abnahme des Waldbestandes in Deutschland. Mit alarmierenden Zahlen, die noch drastischer ausfallen, als der Waldschadensbericht der Staatsregierung. Seit 2018 gingen im Landkreis Starnberg 732 ha Wald verloren.
Waldverluste in Deutschland 2018-2021

Karte der mit Satellitenbildauswertung festgestellten Waldverluste in Deutschland. Karte: DLR, Frank Thonfeld

Tabelle Waldverluste in den Landkreisen von Oberbayern.

Bei den oberbayerischen Landkreise liegt Starnberg mit 4,1% Waldverlust ganz oben. Quelle: DLR, Frank Thonfeld, Tabelle S.Bleek

Satellitenbild Waldverlust Arnsberg

Drastische Verluste. Waldbestand in Arnsberg, NRW 2017 und 2021. Verluste sind grün eingezeichnet. Satellitenbild DLR, Frank Thonfeld

Kahlschlag-1

Kahlschläge von über 10×10 Metern Ausdehnung – wie hier in Wörthsee – werden auf den Satellitenbildern erfasst. Foto: S. Bleek

In Deutschland sind hohe Baumverluste zu verzeichnen

Die nebenstehende Karte bestätigt, dass die schlimmsten Bestandsverluste in den Wäldern der Mittelgebirge passiert sind. Zu ihrer Erfassungsmethode schreiben die Forscher um Dr. Frank Thonfeld:

„Die Fernerkundungsexperten aus Oberpfaffenhofen werteten insgesamt mehr als 20.000 Datensätze aus. Auf diese Weise konnten sie die abgestorbenen und neu eingeschlagenen Waldflächen im Monatsrhythmus erfassen. Entstanden ist ein differenziertes Waldbild für ganz Deutschland mit einer Auflösung von zehn Metern. Die Verarbeitung der Datenarchive von Sentinel-2 und Landsat-8 erfolgte vollautomatisch.“

Unser Landkreis Starnberg liegt im leicht dunkelgelben Bereich. Ich habe mich in Oberpfaffenhofen erkundigt und der Projektleiter, Herr Thonfeld, hat mir die Zahlen der oberbayerischen Landkreise zugeschickt, die in der Tabelle zu sehen sind. Demnach hat der Landkreis Starnberg in nur 2 1/2 Jahren 4,15 % seiner Waldfläche verloren. Diese Flächen sind zwar noch „Wald“ aber ohne größeren Baumbestand. Bekronungsverlust nennen die Satellitenbildexperten dieses Datum. Ihr Fazit:

„Mittelfristig setzt sich voraussichtlich die Tendenz fort, dass noch weitere Bestände verloren gehen. Es wird Jahrzehnte dauern, bis die wirtschaftlichen Schäden eingeholt sind. Bis sich das Ökosystem Wald erholt, kann es noch länger dauern. Für Deutschland und Europa ist es daher dringend notwendig, schnell effiziente Maßnahmen zum Schutz der Wälder zu ergreifen. Satellitengestützte Erdbeobachtung kann Forschenden und Entscheidungstragenden hierzu eine Datengrundlage bereitstellen.“

Im Landkreis Starnberg sind 732 ha Wald verlorengegangen

Der Landkreis Starnberg nimmt in Oberbayern einen traurigen Spitzenreiterplatz beim Waldverlust ein. Nur der Landkreis Mühldorf ist vor allem durch Sturmschäden noch schlechter dran, lassen wir das Stadtgebiet Rosenheim ausser Acht. Was mich bestürzt ist die Tatsache, dass dieser Verlust von immerhin 732 ha Wald in unserem Landkreis nicht wahrgenommen wird. „Woid hama gnua“ ist der vorherrschende Tenor in den Diskussionen in der Gemeinde (und nicht nur in unserer). Die Diskussionsbeiträge auf dieser Webseite geben Zeugnis davon. Diese 732 ha beziffern nur die größeren flächigen Verluste. Wie gesagt, die Auflösung des Verfahrens des DLR ist 10×10 Meter. Die Entnahme von einzelnen Bäumen aus einem gesunden Bestand ist hier nicht sichtbar und braucht das auch nicht sein, denn dort wächst Wald weiterhin. Ginge das so weiter mit einem Verlust von 1% oder in der Spitze 2% von Flächen pro Jahr, kann man sich ausrechnen, wann wirklich eine Entwaldung passiert ist. Denn die Bäume brauchen ja 50 bis 70 Jahre um wieder nennenswerte Höhen zu erreichen und Kronen auszubilden. Die Waldbilanz ist im Landkreis also bereits deutlich negativ.

Eine effiziente Maßnahme zum Schutz der Wälder wäre zumindest in den gut durchmischten Wäldern und solchen mit hohem Laubholzanteil sicherlich eine Reduzierung der Holzentnahme und – wie beschrieben – auch die Belassung des Waldrestholzes für die gute Regeneration der Humusschicht. Der Holzweg von Wörthsee weist leider in die entgegengesetzte Richtung. Die zunehmende Zahl an Hackschnitzelkraftwerken und privaten Holzheizungen wird in einem derzeit bereits „überhitzten“ globalen Holzmarkt den Druck auf den Waldbestand weiter anheizen. Denn bei steigenden Preisen lohnt sich das Baumfällen immer mehr.

DLR schlägt Alarm – starke Abnahme des Waldbestands2022-03-02T14:55:58+01:00

Waldrestholz ist im Wald zur Humusbildung notwendig

Waldrestholz ist im Wald zur Humusbildung notwendig

Waldrestholz

Das Foto zeigt ein Haufen von sogenanntem Waldrestholz vor dem Abtransport in der Nähe von Steinebach. Diesen Haufen aus dem Wald zu nehmen, wäre etwa nach dem PEFC Standard nicht angeraten. Der Waldbesitzer riskiert die Reduzierung der Fruchtbarkeit des Bodens. Foto: S. Bleek – Nähe S-Bahn Wessling

Waldrestholz ist im Wald zur Humusbildung notwendig. Je mehr neue Hackschnitzelkraftwerke gebaut werden, desto mehr dieses für die Regeneration des Waldbodens unentbehrlichen Materials würde aus dem Wald herausgeräumt und verfeuert. Auch das Bayerische Forstministerium sieht das Thema mit Sorge.
Waldrestholz

Einige Waldbauern in unseren Wäldern forsten mit Kahlsschlag großer Flächen. Der PEFC Standard wird nicht eingehalten. Foto: S. Bleek Nähe Wesslingerstraße

Wiederaufforstung

Wiederaufforstung – es dauert Jahrzehnte bis dieser Setzling zu einem Baum herangewachsen sein wird. Der Waldboden wird durch Austrocknung geschädigt Foto: S. Bleek Wesslingerstraße 2022, ein JAhr nach Kahlschlag der Fläche.

„Bei dem Export von Wipfelstücken und Ernterückständen aus den Beständen wird häufig vergessen, dass es sich hier um sehr nährstoffreiches Material handelt. Waldrestholz ist damit kein Abfallprodukt, sondern gleicht beim Belassen im Wald einer organischen Düngung. Damit tragen die Ernterückstände zum Humusaufbau bei und verbessern die Wasser- und Nährstoffversorgung. Die Standortsqualität bleibt so erhalten und wird unter Umständen sogar erhöht.

Während der erntekostenfreie Erlös des zu Hackschnitzeln verarbeiteten Kronenmaterials vergleichsweise gering ist, führt die Kronennutzung zu mindestens einer Verdopplung des Nährelementexports. Besonders kritisch ist die Entnahme von Ästen, Zweigen und Nadeln zu beurteilen. Hier ist das Missverhältnis zwischen dem finanziellen Gewinn und dem Nährstoffexport am größten. Zusätzlich steigt die Qualität der Hackschnitzel und die damit erzielbaren Erlöse bei geringeren Anteilen von benadeltem bzw. belaubtem Feinreisig (Mergler et al. 2012).“ So argumentiert eine Studie des bayerischen Ministeriums für Landwirtschaft und Forsten.

Nur ein gesunder Boden trägt einen gesunden Wald

Nun ist jedoch ein gesunder Waldboden die Voraussetzung für einen Erhalt unserer Wälder, besonders da die Bäume sowieso unter vielfältigen Umweltstreß stehen. Das Bundeswaldgesetz (BWaldG) formuliert als Gesetzeszweck, insbesondere die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten. Und das Waldgesetz für Bayern (BayWaldG) verbietet jede Handlung, welche die Produktionskraft des Waldbodens vernichtet oder wesentlich schwächt.

Im 19. Jahrhundert hatte bereits die Nutzung des Laubes aus dem Wald als Streu zu Schäden in den Wäldern geführt. Die bayerische Forstbehörde sieht daher die rasant zunehmende Hackschnitzelnutzung kritisch. Maßstab für nachhaltiges Wirtschaften im Wald könne nur eine ausgeglichene Bilanz aus Nährstoffentzügen und Nährstoffnachlieferung sein, schreiben die Autoren der Studie „Nährstoffschonende Biomassenutzung – LWF-aktuell 108

PEFC sieht die Kronennutzung kritisch

Der in der Forstwirtschaft immer breiter angewendete PEFC Standard für „Nachhaltigkeit“ verbietet die Vollbaumentnahme und sieht die Nutzung des Restmaterials aus Kronen kritisch: „Das Material sollte – soweit z.B. aus Forstschutzsicht möglich – erst nach dem Abfall von Nadeln, Blättern und Feinreisig aus dem Bestand gerückt werden.“ Das ist nicht besonders klar und eindeutig gedacht, aber die Problematik ist auch hier erkannt. Allerdings wird eine Entnahme „nach Abfall von Reisig“ ziemlich weltfremd sein, denn die Harvester marschieren heutzutage in einem Arbeitsgang durch das Gelände und wenn es irgend geht, wird das Schwachholz der Kronen gleich im folgenden Arbeitsgang zerhäckselt und abtransportiert.

Wirtschaftlich nicht sinnvoll

„Bei der Nutzung von Kronenbiomasse – oder genauer gesagt – beim Übergang von der Derbholz- zur Vollbaumnutzung (ohne Wurzel) steigt der »Gewinn« an Biomasse um 10 % bis 25 %, der Entzug an Nährstoffen jedoch überproportional um 150 % bis 200 %. Dieses Verhältnis ist je nach Baumart, Alter und Standort unterschiedlich (Pretzsch et al. 2014). Der mäßige Zusatzertrag wird daher teuer erkauft. Dies gilt besonders auf ärmeren Standorten.“ Schreibt eine Studie von Kurt Amereller 2014. Wiederum eine Stimme aus der bayerischen LWF, die nicht verdächtig ist, radkalen Umweltschützern zugeneigt zu sein.

Was dem Waldboden bei der Entnahme des Restholzes schadet, der hohe Nährstoffanteil, den es enthält, macht seine Nutzung für Verfeuerung problematisch. Hohe Schadstoffemissionen entstehen, Hackschnitzel mit hohem Rindanteil brennen schlecht und ist daher vom Heizwert minderwertig. Dazu haben wir bereits einen Artikel geschrieben. Aus Sicht der nachhaltigen Bewirtschaftung des Waldes laufen die Waldbauern zusammen mit den Gemeinden auf ihrem Holzweg gegen die Wand. Ihre kurzfristige Gier nach ein paar Euro mehr und ihr Wahn, den Wald möglichst aufgeräumt und ausgeräumt zu bewirtschaften, den wir etwa im FFH Waldgebiet Meilinger Höhe sehr plastisch dokumentieren können, führen also direkt in eine Zerstörung des Waldes durch übermäßige Entnahmen und Kahlschläge und dabei gleich mit in eine Zerstörung seiner Regenerationsfähigkeit. Das ist fürwahr eine ausgesprochen „nachhaltige“ Wirtschaft.

Waldrestholz ist im Wald zur Humusbildung notwendig2022-02-18T10:25:13+01:00

Waldbiomasse ist Selbstbetrug bei den Erneuerbaren

Waldbiomasse -Selbstbetrug bei den Erneuerbaren

Die Gemeinde Wörthsee plant ein Nahwärmenetz, das mit Holzhackschnitzeln, also Biomasse, beheizt werden soll. Das Vorhaben wird als „nachhaltig“ verkauft. Im Januar 2022 haben Forscher im Auftrag der EU- Kommission einen Bericht zur Waldbiomasse erstellt. Mit erschreckenden Fakten, die sich mit Beobachtungen decken, die viele Bürger in unseren Wäldern bereits machen.

Als kleiner Junge habe ich abends immer fasziniert stundenlang in das Kaminfeuer schauen können. Die Wärme eines Kamins oder eines Holzgrundofens, den ich in den 1980er Jahren in mein Haus gebaut habe, ist eine wunderbar angenehme Form der Heizung, da ein Holzfeuer viel Strahlungswärme verbreitet. Und, Holz wächst nach, ist also weit weniger schädlich für die Umwelt, als fossile Brennstoffe. Dachten wir. Doch auch hier macht die Dosis die Medizin bzw. das Gift. Forscher des Joint Research Centre (JRC), ein Think-Tank der EU Kommission, schlagen Alarm.

Biomasseanlagen im Gebiet Ammersee Lech

Biomasseanlagen in unserer Region. Dunkelgrün eingezeichnet sind Verbrennungsanlagen. Quelle: Energieatlas Bayern.

Waldwirtschaft an der Meilinger Höhe. Trotz FFH Naturschutz werden immer mehr der alten Buchen gefällt. Das Holz wandert zu einem relevanten Teil in den Hackschnitzelofen. Siehe dazu: FFH Waldgebiet Meilinger Höhe. Bild unten: „Waldrestholz“. Siehe dazu: Humusbildung im Wald.

Waldrestholz
Webinar Europas Wald in Flammen

Hören Sie mal rein.

Sie können die Kampagne von We move Europe gegen die Einstufung von Holzverbrennung als klimaneutral hier unterstützen.

JRC Waldbioenergiestudie – Holz taugt nicht für großtechnische Energierzeugung

Die Forscher der EU Kommission konstatieren nach ihrer Analyse der europaweit vorliegenden Daten zur Nutzung von Waldbiomasse sehr negative Trends:
  • In Europa hat besonders die Nutzung von Holz zur Verfeuerung deutlich zugenommen. Der CO2 Ausstoß liegt mittlerweile bei über 350 Millionen Tonnen pro Jahr, wobei der CO2 Anteil pro erzeugter Energieeinheit beim Verfeuern von Waldbiomasse (Holz) besonders hoch ist.
  • 23 der 24 Waldbioenergieszenarien, die in dem Bericht bewertet wurden, stellen ein Risiko für das Klima, die Biodiversität oder beides dar. Nur die Nutzung bestimmter „fine woody debris“ (Waldresthölzer mit geringem Durchmesser), stellt unter Berücksichtigung der Transportwege, diese müssen kurz sein, ein „geringes Risiko“ für die Wälder und das Klima dar. Aber selbst unter diesem Szenario können die Emissionen aus der Verbrennung von Biomasse diejenigen aus fossilen Brennstoffen über Jahrzehnte hinweg übersteigen.
  • Die meisten nationalen Energie- und Klimapläne der Mitgliedsstaaten enthalten keine angemessene Bewertung der potenziellen Auswirkungen einer Ausweitung des Holzeinschlags auf die Umwelt und das Klima.
  • 30 Prozent der erneuerbaren Energien in Europa werden durch das Verbrennen von Holz erzeugt. Nur die Hälfte davon aus Abfallprodukten der Holzverarbeitung.
  • Die gemeldete Nutzung von Waldbiomasse in der EU ist höher als die gemeldeten Quellen dieses Holzes. Das bedeutet, dass bis zu 20% des in der EU verbrannten Holzes aus unbekannten Quellen stammt.

Schädlich in Europa, aber gut bei uns?

Die Gemeinden Wörthsee und Seefeld behaupten, ihre Waldbiomassekraftwerke wären klimaneutral. Dies ist, nach diesem aktuellen EU Report, nicht viel mehr als Selbstbetrug. Oder Irreführung der Bürger. Dahinter zu vermuten ist eine starke Lobbyarbeit der Waldbauern im Landkreis, die sich von der wachsenden Nachfrage nach ihrem Holz schlicht höhere Preise ausrechnen können. Auch bei den Förderrichtlinien für private Heizungsumrüstung sind zum Beispiel Holzpelletheizungen nach wie vor als nachhaltig eingestuft und werden sogar bezuschusst. Das Landratsamt Starnberg tutet in das gleiche Horn wie die beiden Gemeinden, wenn es in der Einladung zu einer Informationsveranstaltung über Holzheizungen „Effizient heizen mit Holz“ so informiert:

Typische Verbrennungstechniken für moderne Holz-Zentralheizungen (…) sind ein Schwerpunkt des Vortrags. Mögliche Förderungen für Holzheizungen mit nützlichen Tipps zur Antragstellung und Förderhöhe bilden ein weiteres Kapitel.“

Holz gilt als „guter“, umweltfreundlicher und förderungswürdiger Brennstoff. Was unterschlagen wird:

  • Der CO2-Ausstoß von Holzhackschnitzel beträgt etwa 450 g/kWh, bei Heizöl liegt der Wert bei 266 g/kWh, bei Erdgas bei 202 g/kWh.
  • Der Wachstumsprozess von Bäumen, währenddessen CO2 gebunden und als Kohlenstoff eingelagert wurde, liegt in der Vergangenheit, 1 bis – wie der gefällten Buche oben links im Bild – über 200 Jahre zurück. Das Freisetzen des CO2 dagegen findet unmittelbar jetzt beim Verbrennungsvorgang statt. Die Forscher nehmen an, dass der nachwachsende Wald das bei der Verbrennung von Holzbiomasse freigesetzte Co2 erst nach vielen Jahrzehnten zurückbinden kann.

Moderne Holzzentralheizungen mit Pellets oder Hackschnitzeln haben nichts mehr mit der eingangs konstatierten Kaminfeuerromantik gemein. Für modernes Heizen ohne fossile Brennstoffe gibt es bessere und modernere Lösungen wie Wärmepumpen. gegen althergebrachte Holzverbrennung im Kachelofen oder Kamin hat niemand etwas. Das Problem ist die großindustrielle Nutzung des Holzes für Verbrennung.

Im Landkreis: nichts Gewisses weiß man nicht

Was im Landkreis fehlt, ist im Übrigen eine genaue Analyse, welche Mengen an Schwachholz denn tatsächlich für Hackschnitzel zur Verfügung stehen. Die Karte zeigt, dass südlich von Augsburg bereits eine Reihe von Holzverfeuerungsanlagen in Betrieb sind. Allein das sehr große Augsburger Biomassekraftwerk bezieht seinen Brennstoff aus einem Umkreis von 80 Kilometern. Weitere kleinere Kraftwerke befinden sich bereits in Landsberg, Fürstenfeldbruck, Gilching, Gauting, Seefeld. Eine Gesamtplanung für den Landkreis oder den Regierungsbezirk für Verbrennung und Vorrat von Waldbiomasse existiert nicht. Daher ist dem Raubbau schon aus Unwissenheit Tür und Tor geöffnet.

Beobachtungen auf der Meilinger Höhe lassen alles Andere als einen schonenden Umgang mit dem dort besonders geschützten wertvollen Wald erkennen. Der Wald würde zu einer noch intensiver bewirtschafteten Nutzholzpflanzung degenerieren, wenn wir jetzt den Biomassepfad noch weiter ausbauen. Es gibt im Voralpenland sehr gute Alternativen für wirklich nachhaltige Wäremerzeugung wie zum Beispiel Wärmepumpen oder vor allem die noch kaum genutzte Geothermie. Diese bleibt derzeit hier im Landkreis Starnberg immer noch vollkommen ungenutzt. Ein großes privates Geothermieprojekt in Herrsching wurde jetzt durch den Klinikneubau ausgebremst.

Die Holzernte in Europa müsste eigentlich reduziert werden, um die CO2 Bindung der Wälder zu erhöhen. Das Gegenteil ist der Fall, die EU Kommission konstatiert, dass die CO2 Speicherfunktion der Wälder in Europa bereits abnimmt. Schuld ist vor allem die Holzverbrennung in immer mehr Kraftwerken.

JRC Waldbioenergiestudie – ein vernichtendens Zeugnis für Biomasseverheizung

Die meisten möglichen Szenarien für Waldbiomasseverbrennung landen bei einem hohen Risiko, die CO2 Emissionen auf mindestens 30 bis über 100 Jahre zu erhöhen. Allein das Szenario 5, die Entnahme von Schwachholz aus Nadelwäldern hat eine „neutrale bis positive“ Bilanz. Quelle: Joint Research Centre (JRC) JRC Forest-bioenergy-study-2021 Ausriss oben kommentiert in „Annotated version“ des Reports. Da in unserem Landkreis ebensowenig wie in den Nachbarbezirken eine Planung zur Verbrennung von Waldbiomasse existiert, ist ein Vabanquespiel auf Kosten der Umwelt im Gang.

Was also soll ich meiner kleinen Enkeltochter bieten? Die Romantik des Kaminfeuers fasziniert sie bereits jetzt mit ihren wenigen Monaten. Allerdings: Vorsicht Feinstaub. Dennoch glaube ich, der althergebrachte gelegentliche Luxus eines Kaminfeuers oder der Wärme aus einem Grundofen ist nicht das Problem. Die großtechnische Vernutzung von „Waldbiomasse“ ist dagegen ein solches. Denn auch hier macht die Dosis das Gift.

Fotos und Beitrag: Stephan Bleek

Waldbiomasse ist Selbstbetrug bei den Erneuerbaren2022-03-22T12:17:05+01:00

Wörthsee auf dem Holzweg

Wörthsee auf dem Holzweg

Der Gemeinderat hat einstimmig eine Flächennutzungsplanänderung am Kuckuckswald vorgenommen. Ein Holzhackschnitzelwerk soll dort entstehen. Für die Beheizung des neuen Supermarkts und neuer Wogeno Wohnungen am Teilsrain. Hat ein Verbrennungsprojekt Zukunft? Und wie ökologisch ist ein Holzheizkraftwerk überhaupt? Ist Wörthsee da auf dem Holzweg gelandet?

Wir haben dazu die unten stehende Presseerklärung verfasst. Leider in letzter Minute, denn das Vorhaben wurde unter strengem Stillschweigen vorbereitet. Der neuen „Ortsmitte“ am Supermarkt Edeka Nummer 2 steht ein Kraftwerk nicht unbedingt gut zu Gesicht. Deutlich wird für uns, wie der Gemeinderat sich durch den Supermarkt in Zugzwang gebracht hat und nun dem ersten kapitalen Fehler Supermarktansiedlung den nächsten folgen lassen muss. Die neuen Gebäude verbrauchen eine Waldfläche von etwa 540 m2. Allerdings ist noch nicht klar, ob an drei Seiten drumherum nicht jeweils 35 Meter tief der Wald gefällt werden muss. Das wären nochmals etwa dreimal soviel Bäume. Denn diese Bäume könnten die Schornsteine des Kraftwerks zerstören, wenn sie umfallen sollten. Gefahrbäume halt. Die Gemeinde hofft, dass das vermieden werden könne. Wir sind da skeptisch. Der Münchner Merkur hat unsere Bedenken in seinen Bericht aufgenommen.

Standort Hackschnitzelheizwerk

Der geplante Standort des Hackschnitzelwerks. Foto: SB

Holzhackschnitzelwerk Landsberg

Ein Hackschnitzelwerk in Landsberg. Foto: Energieatlas Bayern

Presserklärung:

Wörthsee auf dem Holzweg?

Im sog. „Kuckuckswald“ in Steinebach sollen nach den Fällungen für den neuen Supermarkt wieder wertvolle alte Buchen abgeholzt werden.

Damit würde Platz geschaffen für ein Heizkraftwerk (Nahwärmenetz) zur Versorgung dieses Supermarkts, der WoGeno-Genossenschaftswohnungen und des neu zu bebauenden Kirchenareals. Dieser Standort im Bereich der jetzigen Salz-Streu-Container in der Straße zum Kuckucksheim, schräg gegenüber der zukünftigen Supermarkteinfahrt, liegt im Erholungswald !

Deshalb muss auch der Flächennutzungsplan geändert werden.

Dies steht auf der Tagesordnung der nächsten Gemeinderatssitzung am Mittwoch, dem 26.1.2022:

  • „7. Aufstellung des Bebauungsplanes Nr.81 „Biomasseheizwerk“ betreffend eine Teilfläche des Grundstückes Fl.Nr. 507, Gemarkung Steinebach, im Bereich östlich der Etterschlager Straße und südlich der Straße Zum Kuckucksheim
  • 8. Aufstellung einer 9. Änderung des Flächennutzungsplanes der Gemeinde Wörthsee für den Bereich des Bebauungsplanes Nr.81 „Heizkraftwerk“ betreffend eine Teilfläche des Grundstückes Fl.Nr. 507, Gemarkung Steinebach“

Es ist nicht einzusehen, warum für dieses Heizkraftwerk ein Standort im Erholungswald gesucht wurde und nicht auf einer anderen Fläche!

Im vergangenen Herbst wurden bereits zahlreiche wertvolle alte Bäume auf der Nordseite der Straße Zum Kuckucksheim wegen des Supermarktparkplatzes abgeholzt. (Leider sind wir mit dem Bürgerbegehren dagegen unterlegen.) Die vielen Waldbewohner, wie Fledermäuse, Amphibien, Vögel…, die von dort vertrieben wurden, haben sich teilweise in dem Bereich niedergelassen. Sie müssen sich wieder eine neue Bleibe suchen oder sie verschwinden ganz.

Damit würde scheibchenweise ein weiterer Teil dieses Waldes verschwinden. Dass alter Wald fürs Klima äußerst wichtig ist, weiß inzwischen jeder und jede.

Dazu kommt, dass Hackschnitzelheizungen inzwischen nicht mehr als nachhaltig gelten. Vom „Fokus“ werden sie sogar als „Ökoschwindel“ bezeichnet. NABU, BUND u.a. erklärten in einer gemeinsamen Erklärung am 24.11.2020 an:

„Darüber hinaus entsteht beim Verbrennen von Holz pro Energieeinheit mehr CO2 als beim Verbrennen fossiler Brennstoffe.“

Wirklich nachhaltig wäre eine Wärmepumpenheizung, die durchschnittlich eine 3 – 4 fache Heizenergie aus der nötigen elektrischen Energie erzeugt, ergänzt durch eine Photovoltaikanlage, die für die dafür nötige elektrische Energie sorgt. Dazu:

https://denkhausbremen.de/wp-content/uploads/2020/11/Gemeinsame-Stellungnahme-Holzbiomasse

Bisher wurde die Planung schon in nicht öffentlichen Sitzungen vorbereitet, sie sollte wohl ohne großes Aufsehen beschlossen und durchgeführt werden. Bisher bekannt ist nicht,

  • wie groß die Abholzungsfläche sein wird,
  • wie der Bebauungsplan für das Hackschnitzelwerk aussieht,
  • ob dem GR bekannt ist, dass Hackschnitzelwerke nicht mehr als nachhaltig gelten;

Wir hoffen, dass sich bei unserem Gemeinderat diese Einsicht durchsetzt und nach einer wirklich guten, klimafreundlichen Lösung gesucht wird!

Wörthsee auf dem Holzweg2022-02-03T14:13:31+01:00

FFH Waldgebiet Meiling – Naturschutz nur eine Farce?

FFH Waldgebiet Meiling – Naturschutz nur eine Farce?

Die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) hat zum Ziel, wildlebende Arten, deren Lebensräume und die europaweite Vernetzung dieser Lebensräume zu sichern und zu schützen. Die Vernetzung dient der Bewahrung, (Wieder-)herstellung und Entwicklung ökologischer Wechselbeziehungen sowie der Förderung natürlicher Ausbreitungs- und Wiederbesiedlungsprozesse. Ein Waldstück mit FFH Schutz grenzt unmittelbar an das Wörthseer Gemeindegebiet. Wie sieht es dort aus?

Das FFH geschützte Waldgebiet (02) erstreckt sich von den Wiesen oberhalb Auing bis nach Delling. Quelle: Bayernatlas

An den blauen Pfeilen wurden die Buchen gefällt. (Quelle: Bayernatlas)

FFH Managementplan. Quelle: Bayerisches Landesamt für Umwelt Natura 2000

Kleine Lektion in Gemeinschaftskunde:

Grundgesetz, Art 14:

(1) Das Eigentum und das Erbrecht werden gewährleistet. Inhalt und Schranken werden durch die Gesetze bestimmt.
(2) Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“

Artikel 14, 2 bindet also den Gebrauch des Eigentums an das Gemeinwohl. In unserem Fall ist das Gemeinwohlinteresse die Durchsetzung der Naturschutzziele. Der FFH-Managementplan ordnet dagegen die Naturschutzziele der Allgemeinheit ausdrücklich nachrangig zur Entscheidungsfreiheit des Eigentümers und Bewirtschafters des Schutzgebiets. Das stellt das Verfassungsgebot auf den Kopf. Das Gemeinwohl wird nachrangig. Die Behörden verfehlen so den Auftrag, das Wohl der Allgemeinheit durchzusetzen.

Nachtrag Winter 2022

Im Februar 2021 hat ein Waldbauer oberhalb Meilling eine Reihe von 18 großen Buchen am Waldrand gefällt. Der Wald dort ist nach der Bayernatlaskarte ein FFH Gebiet. Eigentlich sollte in FFH Waldgebieten (Schutzgrund ist „Buchenwald“) eine generationelle Stufung des Baumbestands erhalten bleiben. Das sieht hier nicht mehr danach aus, abgesehen von 3 „Alibibäumen“.

Papier…

Unter dem Eindruck dieses doch recht tiefgreifenden Eingriffs habe ich bei meinen Spaziergängen einige weitere Beobachtungen in diesem Naturschutzgebiet unternommen. Um es vorweg zu nehmen: einen großen Unterschied zur Beforstung in einem „normalen“ Buchenwald kann ich als Laie nicht erkennen. Daher zunächst einmal Zitate aus dem Gutachten im „Managementplan“ für das Fauna-Flora-Habitat-Gebiet „Eichenalleen und Wälder um Meiling und Weßling“ ( DE 7933-371 -02) vom 5.12.2018 (Text siehe auch ganz unten):

„Das FFH-Gebiet „Eichenalleen und Wälder um Meiling und Weßling“ stellt eines der abwechslungsreichsten Landschaftspanoramen in Bayern dar. Es bildet den Strukturreichtum der Jungmoränenlandschaft vorbildhaft ab und weist zahlreiche geschützte, gefährdete und sehr seltene Arten auf.“

„Besonders positiv ist die große Anzahl unterschiedlicher Bestandesschichten (mehrschichtig aufgebauter Bestand) und der hohe Totholzanteil.“

„Erhaltungsziel: Erhalt der Waldmeister-Buchenwälder (Asperulo-Fagetum) sowie der Mitteleuropäischen Orchideen-Kalk-Buchenwälder (Cephalanthero-Fagion) in naturnaher Struktur und Baumarten-Zusammensetzung. Erhaltung eines ausreichenden Angebots an Alt- und Totholz sowie an Höhlenbäumen.“

… und Realität

Die folgende Fotogalerie zeigt Impressionen aus dem so wortreich hochgeschätzten und als bedeutendes Biotop klassifizierten Fauna-Flora-Habitat-Naturschutzgebiet.

Meine Fragen zu diesen Bildern:

  • Warum wird ein alter (Rest)-Baumbestand von 18 Buchen am Waldrand gefällt, wo doch das Management Ziel ist: „der Erhaltin naturnaher Struktur und Baumarten-Zusammensetzung.“
  • Was bedeuten mehrere große Holzlegen im Wald, wo doch das Erhaltungsziel heisst: „Erhaltung eines ausreichenden Angebots an Alt- und Totholz sowie an Höhlenbäumen.“
  • Wie vertragen sich Endurofahrer und Mountainbiker mit dem Naturschutzgebiet? Diese Herrschaften übertreten die Gesetze, klar, aber sie werden auch durch keine Tafel auf das bestehende Naturschutzgebiet hingewiesen.
  • Was geht im Kopf eines Hundebesitzers vor, der seinen roten Beutel mit Kacke seines Köters mitten im Wald am Baumstumpf platziert. Erwartet er einen täglichen Reinigungsservice im Naturschutzgebiet?
  • Im gesamten Waldbestand habe ich bislang neben einigen wenigen abgebildeten absterbenden Altbuchen eine kleine Handvoll von wirklich „alten“, nicht mehr „nutzbaren“ Bäumen gefunden. Insofern kann ich im Waldmanagement keinen ausgeprägten Unterschied zwischen diesem FFH Wald und einem „normalen“ Nutz-Wald erkennen, außer dass hier noch Buchen stehen und keine Fichten. Alt- und Totholz zum Beispiel wird umgehend aus diesem FFH Wald herausgeräumt.
Die Behörden schauen weg

Im FFH-Managementplan heisst es: „Die Sicherung bzw. die Wiederherstellung eines guten Erhaltungszustandes ist klar definiertes Ziel (Art. 3; der Richtlinie 92/43/EWG, vom 21.05.1992). An diesem Ziel haben sich alle waldbaulichen Maßnahmen auszurichten, die Wahl der konkreten Maßnahme jedoch steht in der Kompetenz und Entscheidungsfreiheit des Bewirtschafters.“

Mein Eindruck: die Entscheidungsfreiheit der Bewirtschafter führt offenbar zu einem „normalen“ Waldmanagement. Das bestehende Verschlechterungsgebot wird nicht beachtet. Die Forstaufsicht schaut weg und redet sich bestenfalls heraus. Es ist an der Zeit, dass das Interesse der Allgemeinheit mit strengeren Regelungen und mit regelkonformer Forstaufsicht gemäß den Zielen 100 und 118 durchgesetzt wird. Auch die Vernutzung des Schutzgebiets durch Radler, Biker oder gedankenlose Spaziergänger muss durch Aufklärung und Kontrolle gestoppt werden. Nach meinem Eindruck versteht derzeit niemand, dass dieses Waldgebiet unter besonderem Schutz steht. Es ist nicht überraschend, dass die Bundesrepublik Deutschland vor dem Europäischen Gerichtshof wegen Unterlassung der Durchsetzung des FFH Schutzes unter Anklage steht.

Fotos und Beitrag: Stephan Bleek (2021)

Das große Sägen im FFH-Wald geht gedankenlos weiter. An der Meilinger Höhe wurde weitere große Buchen gefällt. Es besteht der Verdacht, dass das Holz unter anderem in das neue Seefelder Hackschnitzelheizwerk wandert. Manche Stämme wurden gleich auf Brennholzformat zersägt. Da auch die Gemeinde Wörthsee einen solchen Ofen errichten will und in Seefeld ein weiterer geplant ist, kann man sich ausmalen, wie rasch die Baumbestände verschürt werden, falls man die Waldbesitzer weitermachen lässt.

Obere Reihe: Im Januar 2022 wurden weitere große Buchen am Waldrand gefällt.

Untere Reihe:  Art- und Totholz, das eigentlich erhalten werden soll, ist bereits für die Fällung markiert. Merke: Erhaltungsziel laut Staatsregierung: „Erhaltung eines ausreichenden Angebots an Alt- und Totholz sowie an Höhlenbäumen.“

Fotos: Stephan Bleek

Text: Stephan Bleek

FFH Managementplan 7933-371

FFH-Managementplan Meilinger Höhe vom 5.12.2018.

Teil I - Maßnahmen
„Das FFH-Gebiet „Eichenalleen und Wälder um Meiling und Weßling“ stellt eines der abwechslungsreichsten Landschaftspanoramen in Bayern dar. Es bildet den Strukturreichtum der Jungmoränenlandschaft vorbildhaft ab und weist zahlreiche geschützte, gefährdete und sehr seltene Arten auf. Namensgebend sind die uralten Eichenalleen mit ihren prächtigen Baumriesen, die kaum an einer anderen Stelle in Bayern vorzufindenden und somit für das Gebiet charakteristisch sind.
Das Gebiet ist ebenfalls geprägt durch ausgedehnte Buchenwälder, naturnahe Erlen-Eschenwälder und einzigartige Offenlandlebensraumtypen, wie wertvolle Kalkmagerrasen und Hochstaudenfluren, die einen hohen Artenreichtum beherbergen.
Weitere, im Offenland des Gebiets nachgewiesene Arten von gemeinschaftlichem Interesse sind der Steinkrebs und der Kammmolch. Das Gebiet ist über weite Teile durch die Jahrhunderte hinweg andauernde bäuerliche Land- und Forstwirtschaft geprägt worden. Mit der Meldung wurden ökologische Qualität und Bedeutung über die Landkreisgrenze hinaus offensichtlich.
(…) Diese Buchen- und Buchen-Mischwälder sind typisch für die Jungmoränenlandschaft des Alpenvorlandes. (…)

Besonders positiv ist die große Anzahl unterschiedlicher Bestandesschichten (mehrschichtig aufgebauter Bestand) und der hohe Totholzanteil. Diese Bewertungsparameter sind Kennzeichen für Strukturreichtum und Naturnähe. Defizite bestehen unteranderem bei den Strukturmerkmalen „Baumarteninventar in der Verjüngung“, sprich bei der Anzahl verschiedener Baumarten in der Verjüngung und der Menge an „Biotopbäumen“ (…)

Erhaltungsziel:

Erhalt der Waldmeister-Buchenwälder (Asperulo-Fagetum) sowie der Mitteleuropäischen Orchideen-Kalk-Buchenwälder (Cephalanthero-Fagion) in naturnaher Struktur und Baumarten-Zusammensetzung. Erhaltung eines ausreichenden Angebots an Alt- und Totholz sowie an Höhlenbäumen.“

Notwendige Erhaltungsmaßnahmen:

„(Maßnahme 100) Fortführung und ggf. Weiterentwicklung der bisherigen, möglichst naturnahen Behandlung unter Berücksichtigung der geltenden Erhaltungsziele“.

  • Maßnahme 100:„Die sogenannte Grundplanung umfasst alle Maßnahmen, die den Erhalt bzw. die Wiederherstellung eines guten Allgemeinzustandes des LRT garantieren. Die Sicherung bzw. die Wiederherstellung eines guten Erhaltungszustandes ist klar definiertes Ziel (Art. 3; der Richtlinie 92/43/EWG, vom 21.05.1992). An diesem Ziel haben sich alle waldbaulichen Maßnahmen auszurichten, die Wahl der konkreten Maßnahme jedoch steht in der Kompetenz und Entscheidungsfreiheit des Bewirtschafters. Für eine naturnahe Behandlung kennzeichnend sind z. B. kleinflächige, an die jeweilige Baumart angepasste Naturverjüngungsverfahren, mit langen Verjüngungszeiträumen, aber auch der Schutz der biologischen Vielfalt, sowie der Erhalt der Bodenfruchtbarkeit und der natürlichen Widerstandskräfte der Bestände.“

Wünschenswerte Erhaltungsmaßnahmen:

  • (Maßnahme 118) Lebensraumtypische Baumarten einbringen und fördern (v.a. Eiche, Tanne, Bergahorn, Esche, Linde u. sonst. Edellaubholz)Hauptursache für die eingeschränkte Baumartenvielfalt ist die enorme Wuchsdominanz der Rotbuche.“
  • (Maßnahme 121) Biotopbaumanteil (17) erhöhen „Eine angemessene Anzahl an Biotopbäumen ist Kennzeichen für die naturschutzfachliche Wertigkeit eines Bestandes bzw. eines LRTs. Biotopbäume stellen Lebensraum und Nahrungsgrundlage für zahlreiche Arten dar. Beispielsweise als Höhlenbaum, der Aufzuchtort bestimmter Singvögelarten ist oder als Träger von Faulstellen in denen Käfer und Larven leben, die wichtiger Nahrungsbestandteil der heimischen Spechte sind.“
FFH Managementplan 7933-371

FFH Waldgebiet Meiling – Naturschutz nur eine Farce?2022-02-07T18:43:00+01:00

Presseerklärung BUND Wörthsee zum geplanten Vollsortimenter

Presseerklärung des BUND Wörthsee zum 2. Vollsortimenter

Zum Projekt des zweiten Vollsortimenter-Supermarkts hat der BUND Wörthsee Stellung bezogen. Die Presseerklärung ging am 26.2.2021 an die Medien.

Bilder zum Thema

Ortsgruppe Wörthsee des
Bund Naturschutz in Bayern e. V.

Presseerklärung zum Bürgerentscheid über Lebensmittelvollsortimenter

Sehr geehrte Damen und Herren,
anbei erhalten Sie unsere Presseerklärung mit der Bitte, diese zu veröffentlichen.

Bund Naturschutz Wörthsee sagt „Nein“ zum geplanten Supermarkt

Am 21. März wird in Wörthsee per Bürgerentscheid über den von der Gemeinde geplanten Nahversorger „Am Teilsrain“ entschieden. Der Bund Naturschutz (BN) lehnt das in der jetzigen Planung vorliegende Bauvorhaben ab.
Erstens wird dadurch erheblich in den Naturhaushalt eingegriffen, der nicht ausgeglichen werden kann. Zweitens verursacht der Supermarkt erhebliche Verkehrs-und Lärmbelastungen. Und drittens setzt die Gemeinde damit falsche Signale nicht nur in Sachen Klimaschutz und Landverbrauch, sondern blockiert auf lange Sicht auch mögliche alternative und ganzheitliche Ansätze des Lebensmittelhandels.

Der BN weiß, dass die Gemeinde Leistungen der Daseinsvorsorge gewährleisten muss. Es ist aber nicht nachvollziehbar, warum in nur 1,2 km Entfernung zum bestehenden Edeka ein zweiter, großer Nahversorger gebaut werden muss.

Flora und Fauna werden geopfert

Etwa 2000 m2 Buchenwald in seiner optimalen Wachstumsphase mit einem überdurchschnittlichen Wert für den Klimaschutz werden dem Bauvorhaben geopfert. Das noch bestehende Waldareal ist wenig anfällig für die negativen Auswirkungen des Klimawandels. Seine hohe CO2-Bindung kann durch Ersatzaufforstung erst in 30 – 50 Jahren erreicht werden. Wird der Supermarkt gebaut, wird die schützende Waldrandstruktur weitgehend zerstört und es verbleibt nur eine schmale Restfläche. Um sie überhaupt erhalten zu können, werden umfängliche Pflege- und Fördermaßnahmen erforderlich, deren Erfolg fraglich ist.

Nachgewiesenermaßen finden sich im jetzigen Buchenwald 10 verschiedene Fledermausarten, dazu Springfrosch, Kammmolch, Laubfrosch und viele Vogelarten, wie der Kuckuck und die gefährdete Rauchschwalbe.
Die Bodenvegetation ist äußerst vielseitig. Mit dem Waldvögelein ist sogar eine Orchideenart vorhanden, die zu den „besonders geschützten Arten“ gehört.

Verkehrs- und Lärmbelastung stressen Mensch und Natur

Gemäß Verkehrsgutachten werden an jedem Werktag bis zu 1286 KFZ-Fahrten inkl. etwa 15 Lkw-Fahrten stattfinden. Damit ist eine erhebliche Abgas-und Lärmbelästigung für die Anwohner zu befürchten.
In den Anlagen zum Bebauungsplan wird behauptet, dass durch den neuen Supermarkt sogar eine auf das Gemeindegebiet bezogene Verringerung des Verkehrs erfolge und so das Klima geschützt werde. Begründet wird dies damit, dass „ein Teil der Einkäufe zu Fuß oder mit dem Rad getätigt wird bzw. selbst bei Benutzung des PKW nur kurze Wege entstehen“.

Diese Aspekte treffen nach unserer Auffassung bestenfalls nur auf das unmittelbare lokale Umfeld zu. Die Argumente sind für den BN nicht nachvollziehbar.

Schleichende Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen

Jeden Tag wird in Bayern eine Fläche von etwa 10,8 Hektar verbraucht. Die Bayerische Staatsregierung hat bisher keine verbindlichen Zielwerte im Sinne der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie formuliert, die auch die Gemeinden in die Pflicht nehmen.
Und so reden alle davon, aber niemand setzt diesem Flächenfraß etwas entgegen.

Das Bauvorhaben weist einen sehr hohen Versiegelungsgrad auf, die natürlichen Bodenfunktionen werden großflächig zerstört.
Fläche ist eine endliche Ressource, mit der sparsam umgegangen werden muss, um die Lebensgrundlagen zu erhalten. Gerade deshalb hätte in Wörthsee eine intensive und transparente Diskussion der Gemeinde mit den Bürger*innen über Notwendigkeit, Ausmaß und Folgen des angestrebten Vollsortimenters stattfinden müssen. Leider ist sie unterblieben.

Marktmacht der Einzelhandelsketten soll nicht unnötig gestärkt werden:

Edeka, Aldi, Lidl, Rewe – nur ein paar große Einzelhandelsketten dominieren heute den Lebensmittelmarkt. Kleine Läden verschwinden. Trotzdem interessieren sich immer mehr Menschen für Klima, Nachhaltigkeit, Tierwohl und Ernährung. Sie wenden sich gegen den Verpackungsmüll, hinterfragen die Herkunft von Lebensmitteln und fordern bessere Bedingungen für die Produzenten. Vor allem geht auch die Jugend für ihre Zukunft auf die Straße.

Diese positive Entwicklung gilt es zu fördern. Sie kann auch einen Beitrag leisten, die Abhängigkeit der Bauern von den mächtigen Einzelhandelsketten mit ihrem Preisdruck zu verringern, so dass sie mit umweltschonenden Methoden und einer direkteren Vermarktung Geld verdienen können. Das wäre ein enormer Gewinn für Mensch und Natur.

Ein zweiter Nahversorger ist vor diesem Hintergrund eine falsche Weichenstellung.

Wörthsee sollte als Gemeinde, die den Klimanotstand ausgerufen hat, eine Signalwirkung für ein nachhaltiges Leben aussenden und eine Vorbildfunktion für kommende Generationen erfüllen. Denn so lange wirkt die Entscheidung bei Realisierung des Bauvorhabens nach. Wir können nicht in einer kritischen Haltung verharren, die uns zu nichts verpflichtet. Wir müssen handeln.

Für die Ortsgruppe Wörthsee Talal Al-Kass

Presseerklärung BUND Wörthsee zum geplanten Vollsortimenter2021-03-28T15:04:02+02:00

Warum ein Vollsortimenter kein Gewinn ist – im Gegenteil

Warum ein Vollsortimenter kein Gewinn ist

Gastbeitrag:

Richard Bartels, Leiter Slow Food Fünfseenland, hat für uns einige Gedanken zum „Vollsortimenter“ aufgeschrieben. Slow Food ist eine weltweite Bewegung, die sich für ein sozial und ökologisch verantwortungsvolles Lebensmittelsystem einsetzt, welches die biokulturelle Vielfalt und das Tierwohl schützt. International ist der Verein in 170 Ländern mit diversen Projekten, Kampagnen und Veranstaltungen aktiv.
Nina Wolff - Slowfood

Nina Wolff – Vorsitzende von Slowfood. Foto: Slowfood

Gaertnerei Osterholz Walchstadt

Schon lange vor der Corona Pandemie begann heimlich und leise eine Entwicklung, die auch in Bayern von der staatstragenden Partei unterstützt und gefördert wurde.

Einfach nur ein Geschäft zur Versorgung mit Lebensmitteln, wie uncool ist das denn! Gemüse und sonstige Produkte des täglichen Bedarfs – wie langweilig.

„Wenn ich schon die Strapazen des Einkaufens auf mich nehme, dann aber nur, wenn ich gleichzeitig WC-Reiniger, Badvorleger, ne` Bohrmaschine, ne` Schubkarre, `nen Computer oder eine Bandsäge kaufen kann. Gelegentlich dann natürlich auch Farbe, Schreibwaren, ne Reise oder ein Auto. Alles was man halt gerne so spontan mitnimmt. So wird Einkaufen zum Vergnügen. Achtung aber: Lebensmittel nicht vergessen!

Ist ja so einfach für einen Vollsortimenter : Die Verkaufsfläche ist da für Lebensmittel, da stellt man dann halt einfach die Gänge mit Krempel voll, so dass fast kein Durchkommen mehr ist. Corona hin oder her, ein wenig Intimität darf`s schon sein beim Einkaufen. Und das schöne, die Miete für den Laden ist ja schon bezahlt, alles weitere bringt noch mehr Profit.

Klingt logisch und gut, ist es aber nicht.

Wer auf der Strecke bleibt

Hat sich schon mal jemand gefragt, auf welche Kosten das Vollsortiment angeboten wird? Was ist mit dem Schreibwarenladen vor Ort, dem Haushaltswarengeschäft, dem Kurzwarengeschäft, dem Schuhgeschäft, dem Bekleidungsfachgeschäft, dem Eisenwarengeschäft und vielen anderen die Qualität und Fachberatung anbieten (im Preis ebenso inbegriffen wie eine nette Begrüßung).

Egal, wozu brauchen wir belebte Ortskerne und Innenstädte? Der Vollsortimenter hat ja alles und was er nicht hat, besorgt der Online Handel.

Kein Gesicht mehr hinter den Produkten, egal ob Lebensmittel oder sonstiges. Beratung wozu. Was nicht taugt wird zurückgebracht oder -geschickt. Kostet ja nichts. So wird dann neben der kulinarischen Monokultur immer mehr eine Produktmonotonie gefördert.

Leerstände aller Orten, Fachverkäufer ohne Arbeit, tote Städte und Gemeinden. Wollen wir das alles in Kauf nehmen, indem wir unser Geld einem Vollsortimenter in den Rachen werfen? Ich meine Nein! Auch die Politik sollte erkennen, dass das System der Vollsortimenter in eine Sackgasse führt, indem es die wesentlichen Faktoren eines Einkaufserlebnisses wie Kommunikation, Beratung und zuverlässige Qualität zu Grunde richtet. Ein Lebensmittelgeschäft muss bleiben was es ist: Ein Ort für gute, saubere und fair erzeugte Lebensmittel. Dafür muss ein Geschäft mindesten 80% seiner Verkaufsfläche nutzen. Nicht umgekehrt für irgendwelchen Wegwerfschund. Gerade letzteres wird uns auch die Umwelt danken.

Richard Bartels, Slowfood Herrsching

Slow Food

Slow Food wirbt für den Kauf bei mittelständischen Anbietern in der Region. Bild: Mit freundlicher Genehmigung von Slow Food.

Warum ein Vollsortimenter kein Gewinn ist – im Gegenteil2021-03-02T10:53:14+01:00

Ein Beitrag zum Artensterben

Der Bau eines zweiten Vollsortimenters würde einen Beitrag zum Artensterben leisten

Auf den ersten Blick denkt man ja, an so einem Waldrand kann nicht viel los sein mit seltenen Tieren. Aber im Planungsgebiet Vollsortimenter und den direkt angrenzenden Bereichen leben heute mindestens 12 Fledermausarten, 8 Amphibienarten und 26 Vogelarten. Der Bau des Vollsortimenters in Wörthsee würde einen weiteren Beitrag zum Artensterben leisten.

Wasserfeldermaus
Rauchschwalben
Springfrosch

Durch das Bauvorhaben wird ein notwendiger Lebensraum für viele, teilweise geschützte Tierarten, unwiederbringlich zerstört.

Jagdrevier für seltene Fledermausarten

Die heimischen Fledermausarten beziehen regelmäßig Quartiere im Planungsgebiet des Supermarktes und nutzen dieses Gebiet als Jagdgebiet und Flugwegkorridor. Mit dem Bau des Vollsortimenters zerstören wir der Wasserfledermaus, dem Braunen Langohr und den anderen Fledermausarten ihren Lebensraum. Durch die Rodung der alten Buchen werden sie von ihrem angestammten Platz vertrieben. Ausgleichsflächen an anderer Stelle können das nicht ändern. Die geplante Neupflanzung von Bäumen am Ziegelstadel braucht Jahrzehnte, um den Fledermäusen als Quartier zu dienen.

Vogelarten auf der Roten Liste

Insgesamt 26 Vogelarten sind im Bereich des geplanten Vollsortimenters nachgewiesen worden. Der Gelbspötter wird in beiden Roten Listen als „gefährdet“ eingestuft. Goldammer, Kuckuck und Rauchschwalbe stehen auf mindestens einer Vorwarnliste. Die vier Steinebacher Goldammerpaare werden ihr Brutgebiet verlieren und die anderen 25 Vogelarten werden zumindest aus ihrem angestammten Nahrungsgebiet vertrieben.

Geschützte Amphibien

Bei der Artenschutzprüfung wurden die europarechtlich streng geschützten Amphibien, Springfrosch, Kammmolch und Laubfrosch und 5 weitere Amphibienarten im Planungsgebiet Vollsortimenter festgestellt. Aufgrund der dichten Streu aus Fall-Laub gibt es im Bereich „Kuckuckswald“ viele Unterschlupfmöglichkeiten für Amphibien. Zudem liegt dieser Bereich nördlich der Straße und ist somit „barrierefrei“ für Frösche an die nordwestlichen Wälder und Gewässer angebunden.

Wenn der Vollsortimenter kommt, wird dem Springfrosch und seinen Artgenossen der Lebensraum genommen und der Weg zu den Laichgewässern wird von dem riesigen Supermarkt versperrt. Die Überquerung des Parkplatzes ist für Frösche lebensgefährlich und auch durch die Baufahrzeuge ist mit Tötungen unbedingt zu rechnen

Ein Beitrag zum Artensterben

Rund eine Million Tierarten sind weltweit akut vom Aussterben bedroht, warnen WWF und Nabu (Nabu Bayern ist der Landesbund für Vogelschutz Bayern). Damit nennen sie das Artensterben neben dem Klimawandel als die größte Bedrohung für die Erde.

Wann wollen wir anfangen, etwas gegen das Artensterben zu unternehmen, wenn nicht jetzt? Wo sollen wir anfangen, wenn nicht bei uns vor Ort?

Zahlen, Daten und Fakten aus: „Geplante Ausweisung von Baugebieten östl. des Friedhofs Buchteil – Gemeinde Wörthsee Faunistische Bestandsaufnahme des Dipl. Biol. Ralph Hildenbrand vom 15.11.2016 (auf der homepage der Gemeinde Wörthsee/Amtliche Bekanntmachungen/2020/12.11./“Faunistische Bestandsaufnahme“) und der Website des WWF.

Petra Roscher, Wörthsee

Ein Beitrag zum Artensterben2021-06-05T10:54:30+02:00

Brief an die Starnberger Neuesten Nachrichten (SZ)

Brief an die Starnberger Neuesten Nachrichten

Plakat demonstration
Der Backshop Wörthsee
Kuckuckswald-2020-07-29

Bündnis „Rettet den Kuckuckswald“ Wörthsee 22. Februar 2021

Sehr geehrte Frau Setzwein, sehr geehrter Herr Costanzo,

viele in unserem Bündnis „Rettet den Kuckuckswald“ haben die SZ seit langer Zeit abonniert, weil wir sie für eine unabhängige Zeitung halten, die alle demokratischen Parteien und Initiativen in ihrer Berichterstattung berücksichtigt, seriös informiert und die Werte der Meinungsfreiheit hochhält.

Für die Berichterstattung der StaNN über unser Bürgerbegehren stimmt das jedoch in letzter Zeit nicht mehr. Anfangs war sie relativ objektiv, aber in den letzten Wochen wirken die Artikel mehr und mehr wie Hofberichterstattung für die Gemeinderatsmehrheit und den Investor. Diese konnten ihre Sicht der Dinge meist ausführlich darlegen, wir aber nicht. Leserbriefe der „Vollsortimenter-Gegner“ wurden oft ignoriert.

Und das, obwohl im Dezember innerhalb von 2 Wochen fast 20% der Wörthseer Wahlberechtigten unter Lockdownbedingungen unterschrieben hatten!

Wir möchten unsere Kritik im Wesentlichen an dem zuletzt erschienenen Artikel vom 20/21. 2. 2020 auf Seite R 10 festmachen:

  1. Zu Beginn wird ausführlich und völlig unkritisch aus der sog. „Projektzeitung“ der Gemeinde zitiert, z. B. „Kinder werden gefahrlos über die Etterschlager zu Fuß in den katholischen Kindergarten gebracht oder in die Krippe…“. Ist es nicht eine Schande, dass es die Gemeinde trotz vieler Anträge und Beschwerden der Bevölkerung bisher nicht fertig gebracht hat, für sichere Übergänge zu sorgen! Wir brauchen also einen „Vollsortimenter“, damit die Verkehrssituation verbessert wird! Das hört sich doch wie ein Witz an.
  1. Danach wird in Ihrem Artikel das Nahwärmenetz Ob das eine gute Sache ist, kann erst nach dem Vorliegen der Machbarkeitsstudie beurteilt werden. Aber braucht man dazu einen überdimensionierten Supermarkt??? Anderswo gibt es auch Nahwärmenetze ohne Supermärkte. In der „Projektzeitung“ findet sich zwar der Hinweis auf die Förderung einer Machbarkeitsstudie, aber keine Angabe, w i e dieses Nahwärmenetz gestaltet werden soll.
  1. Anschließend werden viele wichtige Menschen zitiert, die behaupten, dass der Wogenobau nur mit dem großen Supermarkt Sinn mache. Wurden auch die zukünftigen Bewohner*innen von Ihnen interviewt? Die meisten von ihnen sind nämlich wenig begeistert von dieser Planung. Ein kleinerer Laden ohne Waldzerstörung würde für alle ringsum, wie wir mehrfach begründet haben, genügen.
  1. Nun gehen Sie auf unseren Flyer ein, in dem übrigens nur belegbare Zahlen und Fakten veröffentlicht wurden, die zum großen Teil von der Gemeinde-Website, stammen. Sie schreiben: „Das Bündnis will erfahren haben, dass der 1. Anliefer-LKW zum Edeka bereits um 4 Uhr früh komme…“ Man muss nur bei Edeka in Waldbrunn nachfragen, um das zu erfahren. In dem Ausdruck „will“ unterstellen Sie uns Falschinformationen.
  1. Es wird uns immer wieder entgegen gehalten, dass für die Zufahrt zu den Wogeno-Wohnungen alleine auch schon viel Wald gerodet werden müsste. Das wird von Ihnen unkritisch übernommen. Bei einer naturschonenden Planung könnte man mit einer Fällung weniger Bäume (v.a. Fichten bei den Müllcontainern) auskommen. Ebenso unkritisch zitieren Sie Frau Muggenthal, dass es sich hier „lediglich um Bäume am Waldsaum entlang der jetzigen landwirtschaftlichen Fläche“ handle. Wie wertvoll diese Flächen sind, hätten Sie dem Quinger – Gutachten des Bund Naturschutz, das wir Ihrer Zeitung kürzlich zugeschickt haben und das die Gemeinde längst bekommen hat, entnehmen können. Hier heißt es, dass auch die Rodung von 2000 qm schon einen großen Schaden anrichten würde.
  1. Weiterhin wird die Bürgermeisterin zitiert, dass wir falsche Zahlen aus dem ISEK verwenden würden. Welche falschen Zahlen haben wir wo verwendet? Bitte weisen Sie uns das nach oder nehmen Sie Ihre Behauptungen zurück! Welche Zitate sind aus „dem Zusammenhang gerissen“? Wo haben wir „Rechenfehler“ begangen? Auch wenn in unserem Bündnis keine „Gymnasiallehrer“ sind, können wir alle rechnen und richtig zitieren. Auch wir haben an vielen Wochenenden und Nichtwochenenden unsere Infos aus seriösen Quellen zusammengetragen, ehrenamtlich und ohne Staatsknete. Wenn Sie uns einen Fehler nachweisen, nehmen wir den gerne zurück.
  1. Sie befragen lediglich Herrn Tyroller, der von der grünen Linie abweicht, aber nicht den Ortsvorstand, der die Meinung der grünen Mehrheit vor Ort vertritt und im Bündnis mitarbeitet. Auch auf unsere Fragen an die Gemeinde, die wir Ihnen am 11.02.2021 geschickt haben, gehen Sie nirgendwo ein. Von der Bürgermeisterin wurden wir danach mit der „bald erscheinenden Projektzeitung“ vertröstet. Diese verspricht uns eine süßliche Idylle, geht aber auf unsere Fragen nicht ein.

Wir sind eine Gruppe von Wörthseer*innen, die sich für die Erhaltung der Wörthseer Naturschätze (soweit noch vorhanden) engagieren und sich deshalb für einen kleineren Nahversorger einsetzen.

Wir haben keinen persönlichen Vorteil davon, wenn der „Vollsortimenter“ nicht kommt. Aber wir haben die Zeichen der Zeit erkannt und wollen die Reste intakter Natur auch für die nächsten Generationen erhalten, dazu den von der Gemeinde ausgerufenen Klimanotstand wirklich ernst nehmen. wir unser Klima retten.

Mit freundlichen Grüßen

Doja Muggenthaler

Hanna Weber

Michael Benzinger

P.S. 3 Beispiele für Artikel in der SZ, die uns inspiriert haben: „Behäbigkeit“ v. Jagoda Marinic (27.11.2020), „Die Natur kommt zu kurz“ v. Chr. Seebald (30.12.2020), „Das Unvorstellbare denken“ v. Carolin Emcke (13.2.2021)

Brief an die Starnberger Neuesten Nachrichten (SZ)2021-04-03T18:33:09+02:00

Bürger in Weiden gegen Gewerbegebiet

Bürger in Weiden gegen Gewerbegebiet

Aus Sicht des Grünen-Politikers Ludwig Hartmann hat die Abstimmung bayernweite Bedeutung. Sie zeige, dass „die Bevölkerung einen klaren Wertekompass“ entwickelt habe: „Unser Klimawald ist ihr ein hohes Gut, sie ist nicht bereit, ihn für oft viel zu ausufernde Gewerbegebiete zu opfern.“ Zugleich sprach Hartmann von einem Signal an „die Staatsregierung und an immer noch in alten Denkmustern verhaftete SPD-Kommunalpolitiker: Finger weg von intakter Natur“. (Zitat: Süddeutsche Zeitung)

Ludwig Hartmann , (Die Grünen)
Bei einem Bürgerentscheid haben sich die Bürger in Weiden gegen ein neues Gewerbegebiet entschieden. Weiden und Wörthsee?

Weiden und Wörthsee, die Gemeinsamkeit ist, dass beide Ortsnamen mit „W“ anfangen. Die Bürger von Weiden haben vergangenen Sonntag per Entscheid den Plan zum Neubau eines Gewerbegebiets gekippt, für den viel Wald gerodet hätten werden sollen. 2 ha etwa. Viel, vielmehr, als in Wörthsee, wo es um 0,2 bis 0,4 ha geht. Weiden ist allerdings auch fast zehn mal größer als Wörthsee. An den Haaren herbeigezogen? Ich meine nein. An beiden Orten wird das gleiche Problem deutlich. Grenzenloses Wachstum kann es nicht geben. Wir sind mit der Nutzung von Flächen, Wäldern, Wiesen, Naturräumen am Limit. Ein durchverstädterte Landschaft mit einzelnen Agrargroßbetrieben und vollgestopft mit Logistikzentren und Gewerbe“parks“, dazu asphaltiert mit 6-streifigen Autobahnen kann keine Zukunft haben. Ich möchte das kontaminierte Wort „Heimat“ gar nicht bemühen. Aber tatsächlich, die moderne „Heimat“ wie sie in unserer Nachbarschaft zum Beispiel in Freiham entsteht, taugt zum sozialen Brennpunkt der Zukunft, zu mehr nicht. Wir können nicht Kinder zwischen Großmärkten, Gewerbegebieten, Autobahnen und Ausfallstraßen aufwachsen lassen und dann glauben, sie werden zu einem kultivierten Umgang mit dem in der Lage, was wir ihnen hinterlassen.

Das gilt im Kleinen genauso in Wörthsee. Nehmen wir uns ein Beispiel an den Bürgern von Weiden.

Großer Erfolg bei Bürgerentscheid zu Weiden West IV

Hier geht es zum Bericht der Süddeutschen Zeitung dazu.

Bericht der SZ

Bürger in Weiden gegen Gewerbegebiet2021-03-22T20:33:26+01:00
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