UN Artenschutzkonferenz – 30% der Landesfläche muss unter Schutz.

30% der Landesfläche sollen unter Naturschutz – wie sieht es bei uns aus?

UN Biodiversity Conference 2022

UN Biodiversity Conference 2022, 20 December 2022, Photo by IISD / Mike Muzurakis

Bei der UN-Artenschutzkonferenz im Dezember 2022 in Montreal hat die deutsche Regierung sich mit vielen anderen Ländern verpflichtet, 30% der Landesfläche unter Naturschutz zu stellen. Ein großes Bekenntnis, dem nun Taten folgen müssten. Ist dieses Ziel überhaupt ernst gemeint und wenn ja, ist es erreichbar?
FFH Gebiete Deutschland 2020

Gewässer:

Nur 8% der Gewässer in gutem Zustand

Flächen:

Versiegelung weiterhin doppelt so hoch wie vereinbart.

Nur 15% sind geschützt. 

Die Karte der Naturschutzgebiete in Deutschland zeigt 2019 einen dünnen Besatz mit zwei Ausnahmen. Im Meer und Gebirge sind größere Flächen geschützt. Ansonsten ist die Karte besonders in Bayern so gut wie leer. Laut Bundesamt für Naturschutz stehen derzeit 6,4% der Landesfläche unter Naturschutz und 11,4% unter FFH Schutz, wegen der Überlappungen zusammengerechnet etwa 15,4%. Der Flickenteppich an eher winzigen Gebieten, die sich teilweise überlappen und die zumeist kleiner als 50 Hektar sind, führt laut Bericht zur Lage der Natur 2020 des Bundes-Naturschutzamts zu folgendem Problem:

„Diese kleineren Gebiete sind aufgrund ihrer Insellage und aufgrund der im Verhältnis zu ihrer Fläche langen Grenze stärker von ihrer Umgebung beeinflusst als größere Gebiete. Häufig sind sie damit nicht ausreichend gegen äußere Einflüsse wie Entwässerung und Eutrophierung (Nährstoffeintrag) abgepuffert, was Auswirkungen auf ihren Erhaltungszustand haben kann.“

Der „große Durchbruch“

Bundesumweltministerin Steffi Lemke feiert per Twitter den „großen Durchbruch“ von Montreal. 23 Ziele wurden in Montreal festgelegt. Aber: 20 Ziele davon gab es bereits bei der letzten Artenschutzkonferenz im japanischen Aichi im Jahr 2010! Und: Diese 20 Ziele wurden ausnahmslos verfehlt. Auch jetzt in Montreal wurde keinerlei Verfahren zur Kontrolle festgelegt. Warum sollten wir also nun ein besseres Ziel erreichen?

Wie soll aus 15% naturgeschützter Fläche Deutschlands in nur 7 Jahren 30% werden?

Artenschutz bei den anderen?

Ein Blick in die Pressemitteilung vom 19. Dezember 2022 zu der auch „COP 15“ genannten Konferenz auf der Webseite des Umweltbundesamtes lässt Schlimmes erahnen. Zwar wird dort das 30%-Flächenschutzziel erwähnt, doch mit keiner Zeile nennt das Ministerium nun etwa in unserem Land geplante Maßnahmen zur Zielerreichung.

Hehre Ziele…

Die deutsche Umweltpolitik setzt sich auch sonst gerne große Ziele.

  • So trat z.B. 2004 die „Wasserrahmenrichtlinie“ in Kraft. Ihr Ziel: Bis 2027 sollten 100 % der deutschen Flüsse, Seen und sonstiger Gewässer „in gutem ökologischen Zustand“ sein. Damals, vor 19 Jahren, waren ca. 8 % der Gewässer in diesem guten Zustand. Und wo stehen wir heute? Immer noch bei 8 Prozent!
  • Seit 2007 gibt es die „Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt“. Der Rechenschaftsbericht von 2021 stellt jedoch fest, dass 11 von 13 Indikatoren „noch weit oder sehr weit vom Zielbereich entfernt“ liegen. So sollten zum Beispiel seit 2020, also seit 3 Jahren schon, „nur noch täglich (!) 30 Hektar unserer Landesfläche versiegelt werden“. Es sind jedoch tatsächlich 56 Hektar, die wir täglich in Deutschland zubauen, so viel wie zu Beginn der Strategie im Jahr 2007.

… immer wieder verfehlt

Das Bundesamt für Naturschutz stellt in seinem jüngsten FFH-Bericht „Die Lage der Natur in Deutschland“ vom 19.5.2020 zur Artenvielfalt fest:

Besonders ungünstig ist der Zustand bei den Lebensräumen des Grünlands, bei marinen und Küsten-Lebensräumen, Binnengewässern, aber auch bei Mooren und Sümpfen sowie Gletschern. Überwiegend positiv fallen nur die Felsen und Schutthalden auf (s. Abb. 4).

Kritischer Zustand der Biodiversität trotz Schutz

Unter „Zusammenfassung und Ausblick“ heißt es weiter:

„Die Ergebnisse der nationalen Berichte zur Umsetzung der Fauna-Flora-Habitat- und der Vogelschutzrichtlinie der EU verdeutlichen den kritischen Zustand wesentlicher Teile der Biodiversität in Deutschland: 63 % der FFH-Arten und 69 % der FFH-Lebensraumtypen weisen einen ungünstig-unzureichenden oder -schlechten Erhaltungszustand auf, darunter insbesondere Lebensraumtypen und assoziierte Arten des Grünlands, der Binnengewässer, der Feuchtgebiete und der Meere und Küsten. Etwa ein Drittel der Brutvogelarten sind in den letzten 12 Jahren in ihrem Bestand zurückgegangen, wobei insbesondere Arten des landwirtschaftlich genutzten Offenlandes betroffen sind.

Die Ursachen

Wesentliche Ursachen dieser Entwicklung sind laut dem Bericht:

  • „insbesondere hohe Nährstoff- und Pestizideinträge,
  • die Intensivierung oder Aufgabe der Flächennutzung, einschließlich der Aufgabe traditioneller Landnutzungsformen,
  • die Veränderung der Hydrologie und Morphologie von Gewässern,
  • Entwässerung und Grundwasserentnahme,
  • Flächenverluste und Zerschneidung durch Ausbau von Infrastruktur, Siedlungs- und Gewerbegebieten,
  • aber partiell auch Sport, Tourismus und Freizeitaktivitäten.“
Kahlschlag-1

Kahlschlag: nicht-nachhaltige Waldbewirtschaftung zerstört Lebensraum vieler Arten. Foto: Bleek

Schmetterlinge: Zustand der Lebensräume zu 61% ungünstig oder schlecht. Foto: Bleek

Biotop „Moore, Sümpfe und Quellen“ zu 80% in ungünstigem oder schlechtem Zustand. Grafik: Bundesamt für Naturschutz 2020

Bebauung zerstört letzte Brücken z.B. für Fledermäuse zum Naturschutzgebiet. Foto: Bleek

Bebauungsverdichtung: Verlust an Naturraum mit Gehölzen und Freifläche. Foto: Bleek

„Rettet die Bienen“ – war das auch bloß ein Lippenbekenntnis? Foto: Bleek

Meister der Zielverfehlung

Dieses vernichtende Urteil beschreibt nichts anderes als unseren Lebensstil mit den gewaltigen ökologischen Fußabdrücken. Solange die Konsum- und Wachstumsideologie das Leitbild der Gesellschaft bleibt, wird sich daran nichts ändern.

Die Artenschutzziele von heute für 2030 werden also mit großer Sicherheit genauso verfehlt wie die von gestern, wenn wir unser Verhalten und die Ziele unseres Wirtschaftens nicht ändern!

Denn wie sehr die Wirtschaft selber von Artenvielfalt abhängig ist, ist den Akteuren kaum bewusst. Im neuen „Global Risk Report“ des Weltwirtschaftsforums heißt es dazu: die Zerstörung der Biodiversität, die wir derzeit kaum gebremst betreiben, wird laut einer Studie der Weltbank vom Jahr 2030 an jährliche Kosten von mehr als 2,7 Billionen Dollar beziehungsweise einen Rückgang der Weltwirtschaftsleistung von circa 2,3 Prozent verursachen. Erst stirbt die Natur, mit ihr der Wohlstand – auch der der wenigen -, und am Schluss der Mensch selbst, so wird man das zusammenfassen können.

Naturschutz rund um Wörthsee

Im Bayernatlas kann eine Karte aufgerufen werden, die die derzeit bei uns ausgewiesenen Schutzgebiete zeigt:

Schutzgebiete FFH und Naturschutz (rot umrandet bzw. schraffierte Flächen). Karte: Bayernatlas.

Diese Karte zeigt rot eingezeichnet den Flickenteppich von Schutzgebieten. Solche Gebiete schützen besonders die unsere Landschaft prägenden Endmoränenhügel und die Moose an der Amper und an anderen Gewässern. Es gibt bei uns noch große Waldgebiete, Teile von diesen sind bereits geschützt. Aber auf den ersten Blick ist sichtbar, dass der Verbund geschützter Flächen fehlt und dass ein Verkehrsweg wie die A96 mit ihren Schutzzäunen für viele Tierarten eine nahezu unüberwindbare Barriere darstellen muss. Der neben dem Naturschutzgebiet angelegte Golfplatz trägt ebenfalls zum Artensterben bei.

Jede verbliebene Naturinsel ist zu klein, um für die Erhaltung von Artenvielfalt auszureichen.

Und noch dazu steht besonders bei den FFH-Waldgebieten der Schutz zunächst einmal nur auf dem Papier. Denn hier ist Forstwirtschaft ohne wesentliche Abstriche erlaubt. Es obliegt dem Waldbesitzer hier richtig zu handeln. Dazu gibt es hier bei uns, wie in einigen Beiträge im Kuckuck zu lesen ist, positive aber auch negative Beispiele, die uns aufgefallen sind.

Und was nützen dünne Streifen geschützter Gewässer, wenn die angrenzenden Landwirtschaftsflächen den vollen Einsatz ihrer chemischen Keulen betreiben? Ohne eine Rückkehr der Landwirtschaft zu traditionellen Bewirtschaftungsweisen, sprich flächendeckende Bio-Landwirtschaft, ist, wie das Umweltbundesamt in seinem Bericht feststellt, keine Rettung der Artenvielfalt zu haben.

Wir wollen dazu in nächster Zeit noch genauer auf unsere örtlichen Probleme eingehen und lokale Maßnahmen zum Stopp des Artenschwunds erarbeiten.

SB

UN Artenschutzkonferenz – 30% der Landesfläche muss unter Schutz.2023-01-30T14:23:51+01:00

45 neue Solaranlagen in Wörthsee im Jahr 2022

45 neue Solaranlagen in Wörthsee im Jahr 2022

Montage PV-Anlage Dahlienweg durch Firma AC-Solar Starnberg April 2022. Foto: U.Ziegler

Mit 45 in Wörthsee neu in Betrieb genommenen PV-Anlagen war das Jahr 2022 ein Rekordjahr. Immer mehr Bürger nutzen die Möglichkeiten eigener Solarenergieerzeugung. Mit der Augustiner Gaststätte war auch ein großer Gewerbebetrieb bei den neu installierten Anlagen dabei. Das Ausbautempo bleibt aber noch zu langsam.

Grafik: Stephan Bleek, Quelle: Bundesnetzagentur

Bundesweiter monatlicher Zubau

Grafik: Bundesnetzagentur, Quelle: Bundesnetzagentur

Solarkataster

Die Globalstrahlungskarte zeigt Solarpotenzial auf dem eigenen Dach. Quelle: LRA Starnberg

Zubau PV-Anlagen Gemeinde Wörthsee

Die mit dem Ukrainekrieg entstandene Energiekrise hat zu explodierenden Energiepreisen geführt. Sie zeigt, dass jeder Schritt zu mehr Eigenerzeugung von erneuerbarer Energie ein richtiger und wichtiger Schritt in die Zukunft ist. Viele Bürger in Wörthsee haben bereits reagiert und haben eigene PV-Anlagen errichtet. Die schwierige Liefersituation und die hohe Auslastung der Installationsbetriebe bremst den Ausbau weiterhin ab. Im Jahr 2023 wurden dennoch mit 45 neuen Anlagen etwa 29% mehr Anlagen errichtet, als im Vorjahr. Die neu installierte Leistung lag mit 374 kWp beim zweithöchsten Jahreswert nach 2019. 2022 wurden nach den aktuellen Zahlen der Bundesnetzagentur auch 17 Speicheranlagen in Betrieb genommen, mit einer Kapazität von 115 kWh.

Bundesnetzagentur: Ausbautempo muss sich verdoppeln

Um die Klimaziele zu erreichen ist das Ausbautempo der PV-Anlagen trotz der Steigerung noch erheblich zu langsam. Die Bundesnetzagentur nennt ein monatliches Ausbauziel von 1.500 Megawatt. Erreicht werden derzeit nur etwa 650 Megawatt.

Landratsamt Starnberg stellt eine Solarpotentialkarte ins Netz

Das LRA hat als neuen Service eine Globalstrahlungskarte für den Landkreis ins Netz gestellt. Dieses Tool zeigt Ihnen das Solarpotenzial auf dem eigenen Dach. Das Landratsamt stellt dazu in seiner Pressemitteilung fest: „Angesichts der aktuellen Energiekrise mit explodierenden Kosten und unsicheren Versorgungsaussichten denken viele Landkreisbürgerinnen und -Bürger darüber nach, sich mit einer eigenen Solaranlage ein Stück unabhängiger zu machen. Doch oft gibt es auch Unsicherheit, ob das Dach wirklich geeignet ist, gerade wenn die Ausrichtung nicht ideal erscheint oder Bäume oder Nachbargebäude zeitweise die Dachfläche beschatten. Hier bietet die neue Online-Globalstrahlungskarte des Landratsamtes nun eine wertvolle Entscheidungshilfe. Die Skala reicht dabei von rot (höchste Einstrahlung) bis blau (geringe Einstrahlung) und berücksichtigt auch mögliche Verschattungen z.B. durch Bäume oder angrenzende Gebäude. Möglich machen dies aktuelle Daten eines dreidimensionalen digitalen Oberflächenmodells, die in die Berechnungen eingeflossen sind und zukünftig auch regelmäßig aktualisiert werden sollen.

„Die Strahlungskarte zeigt, dass im Grunde auf den meisten Dachflächen genügend Sonne vorhanden ist“, sagt Herbert Schwarz, Umweltberater des Landratsamtes. „Denn auch bei „nur“ mittlerer Einstrahlung oder teilweiser Verschattung lassen sich Solaranlagen inzwischen rentabel betreiben. Und fast noch wichtiger: Sie wirken als Energiepreisbremse und sorgen für mehr Autarkie.“

Leider ist der Rechner für PV-Anlagen noch nicht fertig, soll aber in den nächsten Wochen ebenfalls online gestellt werden. Es gibt jedoch bereits solche Rechner im Netz.

PV-Anlagen rechnen sich sehr gut

Die Leistungsfähigkeit Ihrer Anlage berechnet das Geografische Informationssystem für Photovoltaik der Europäischen Kommission. Eine Beispielrechnung für 10 kWp haben wir hier abgebildet. Der jährliche Ertrag einer solchen Anlage liegt bei leicht südöstlicher Ausrichtung bei etwa 10.700 kWh. Angesichts der hohen Strompreise rechnet sich die Investition in eigene PV-Anlagen je nach Eigenverbrauch (35-40%) nach etwa 9-10 Jahren. Die Rendite für eine Investition liegt bei ca. 10% p.a. Der Solarrechner der Stiftung Warentest hilft Ihnen bei eigenen Rechnungen.

Wörthsee kann mit PV-Strom klimaneutral werden

Möglich ist eine Verdreifachung der PV-Anlagen auf den Dächern im Gemeindegebiet.

Das entspricht 700 weiteren Anlagen. 

Die Stromkostenersparnis wirkt sich sofort aus.

Besonders bei Nutzung von Elektrofahrzeugen und Wärmepumpen.

Weitere Information stehen im Artikel vom Oktober 2021: 1.000 Solardächer für Wörthsee

45 neue Solaranlagen in Wörthsee im Jahr 20222023-01-18T13:20:16+01:00

Aktion für Amphibien im Dellinger Wald

Aktion für Amphibien im Dellinger Wald

Amphibienfläche im Dellinger Wald. Foto: Stephan Bleek

Die Erzdiözese München und Freising bewirtschaftet etwa 5000ha Wald in Bayern. Die Diözese hat Maßnahmen in Angriff genommen, die der Verantwortung für den Fortbestand der Arten gerecht werden sollen – wie diese Aktion für Amphibien im Dellinger Wald. Zusammen mit dem Amphibienbeauftragten des Landkreises Starnberg wurde eine Maßnahme zur Verbesserung der Lebensbedingungen für Amphibien in verlandeten Toteislöchern durchgeführt.

„Welche Art von Welt wollen wir denen überlassen, die nach uns kommen, den Kindern, die gerade aufwachsen?“ – Enzyklika Laudato si‘.

Papst Franziskus

Foto: Stephan Bleek

Foto: Stephan Bleek

Foto: Stephan Bleek

Die Erzdiöse teilt dazu auf ihrer Webseite mit: „Längere Trockenperioden bei gleichzeitig starkem Pflanzenwuchs in Toteissenken gefährden den Fortbestand einiger Amphibienarten in einem Waldstück der Erzdiözese München und Freising bei Weßling im Landkreis Starnberg. Die Erzdiözese nimmt in Kooperation mit dem Landratsamt schonende Eingriffe vor, um den Lebensraum von teilweise geschützten Arten wie der Gelbbauchunke, dem Kammmolch sowie dem Laub- und dem Springfrosch zu erhalten.“

Die notwendigen Baumentnahme- und Baggerarbeiten haben am Mittwoch, 14. Dezember 2022 begonnen und sind bereits abgeschlossen. Wir haben einige Fotos dazu gemacht und zeigen den zur Maßnahme erstellten Flyer.

In den vergangenen Jahren, besonders seit dem Bau der Umgehungsstraße von Weßling, sind die Amphibienpopulationen nach dem Eindruck der Bewohner vom Kuckucksheim stark geschrumpft. Der Maßnahme im Wald ist daher ein voller Erfolg zu wünschen, wir sind schon gespannt auf die Entwicklung im kommenden Jahr. Eine weitere Maßnahme für die vom Aussterben bedrohten Amphibien wurde von der Gemeinde Wörthsee im Bereich des Ziegelstadls unternommen. Da es im Wald bei Delling noch zahlreiche weitere Toteissenken gibt, sollten auch die anderen Waldbesitzer möglichst bald weitere Renaturierungen veranlassen und weitere Wasserflächen schaffen. Das Problem der durch den Straßenbau unterbrochenen Vernetzung der Gebiete bleibt allerdings ungelöst.

SB.

Aktion für Amphibien im Dellinger Wald2023-01-30T14:30:13+01:00

Bitte keinen Wumms – ein Kommentar zur UN Artenschutzkonferenz

Bitte keinen Wumms mehr.

Ein Kommentar zur deutschen Politik bei der UN-Artenschutzkonferenz im Dezember 2022.

Kahlschlag-1

Ist es Ihnen vielleicht auch aufgefallen? Diesen Sommer, obwohl er warm und trocken war, hörte ich in der Wiese unterhalb der Bahnunterführung keine Grillen mehr. Auch nicht am Denkmal oberhalb Meiling. Das mag vielleicht nicht trotz, sondern wegen der ungewöhnlich hohen Temperaturen gewesen sein, was auf Folgen des Klimawandels hindeuten würde, doch das leuchtet mir auch nicht ein, und es ist ja wohl auch im Effekt egal.

Als ich Kind war, gehörte im Sommer in jeder Wiese „auf dem Land“ das Zirpen der Grillen wie das Summen der Wildbienen zur gewohnten Geräuschkulisse.

Wenn ich mir meine Spazier- und Radlwege um Wörthsee herum anschaue, so gehen diese zumeist durch intensiv beackerte Felder. Naturbelassene Freiräume gibt es kaum. Die wenigen Wiesen werden bereits früh im Mai von turmhohen Traktoren mit riesigen Kreiselmähwerken teppichrasenkurz geschnitten, und wie man von der Wissenschaft weiß, vernichtet diese Art Mahd auch gleich das meiste Wiesenleben mit, von Insekten, Grillen oder Käfern bis sogar zum Rehkitz.

Auch im Ort selbst wird so gut wie jeder nutzbare freie Quadratmeter beackert – das Feld an der Pizzakreuzung in der Ortsmitte wird, wenn denn dort Mais wachsen soll, auch gleich mit reichlich Glyphosat bedacht. Wohl bekomm‘s. Für Fastfood langt es vielleicht, aber für künftige Generationen?

Ein kleiner Lichtblick sind die beiden mit Steuergeld neu angelegten Streuobstwiesen in Auing oder oberhalb Walchstadt und Etterschlag. Aber glauben wir ernsthaft, dass solche Inseln in der Ackersteppe die Artenvielfalt sichern können?

Diese Woche beginnt die Artenschutzkonferenz in Montreal. Wie heute, am 3.12.2022, in der FAZ zu lesen ist, haben wir dort mit Inka Gnittke eine ausgezeichnete Verhandlerin, die auch „das Instrument des akzentuierten Schweigens (beherrscht)“. Und es heißt dort auch, dass „Fachleute den jährlichen globalen ökonomischen (!) Verlust durch das Artensterben auf etwa 4 Billionen Dollar im Jahr (schätzen)“. Und: „Mindestens 30% der Landesfläche und des Meeres“ sollen bis 2030 unter Schutz gestellt werden. „Wir sind in einer dramatischen Lage und müssen jetzt liefern“, sagt Gnittke.

Und dann heißt es zu Kanzler Olaf Scholz, der habe gerade vorab „spätestens von 2025 an 1,5 Milliarden Euro pro Jahr für den internationalen Naturschutz zugesagt“. Wohlgemerkt vor den Verhandlungen. Das Muster, Wumms hier und Wumms dort, kommt mir bekannt vor. Er glaubt, mit dem Scheckbuch, oder besser den Wechseln, die er künftigen Generationen hinterlässt, ließen sich die Probleme lösen. Verkennt er dabei nicht, dass dieses Scheckbuch aus Steuermitteln gefüllt wird? Und diese fließen reichlicher, indem wir mit unserer Wirtschaftsweise im eigenen Land die letzten Lebensräume anderer Arten rücksichtslos beseitigen? Soll diese Vorab-Zusage von Geldtransfers etwa heißen „Artenschutz machen die anderen“? Von 30% Naturschutzflächen in Deutschland „bis 2030“ spricht Scholz nämlich nicht. Nun, in Deutschland stehen derzeit gerade einmal 6,3% der Landesfläche unter Naturschutz. Wir müssen jetzt liefern – sagt Frau Gnittke. Nur wie?

Ginge es nicht vielleicht darum, hier den „Pizzaacker“ aus der Bewirtschaftung zu nehmen, dort einen verbundenen Gürtel von Streuobstwiesen und anderen artenreichen Biotopen rund um den Ort zu schaffen und die Intensivbewirtschaftung von Flur und Wald zurückzufahren? Auf Wachstum im und um den Ort zu verzichten?

Meines Erachtens kann Deutschland nicht mehr auf dem Pfad des weiteren Ausbaus von Industrie, Infrastruktur und Land- bzw. Forstwirtschaft weitergehen. Und die letzten Naturräume mit dafür dann eben auch wieder zusätzlich nötigen Energiegewinnungsanlagen vollpflastern, neue Verkehrswege bauen und noch dazu die für das Wachstum nötigen Arbeitskräfte durch Zuwanderung importieren.

Nur durch einen Stopp des Wachstums ist die Erhaltung von Lebensgrundlagen und Artenvielfalt in diesem Land zu schaffen. Doch ein Stopp des Wachstums verträgt sich nicht mit der Wumms-Politik. Der Staat selbst will mehr Wachstum, um mehr Steuern zu kassieren, um den nächsten Wumms zu versprechen. So treibt ein sich wechselseitig bedingendes System das Land mit Volldampf in den von den Wissenschaftlern beschriebenen dramatischen Verlust seiner Lebensgrundlage.

SB

Bitte keinen Wumms – ein Kommentar zur UN Artenschutzkonferenz2022-12-03T17:11:43+01:00

UN-Artenschutzkonferenz im Dezember 2022

UN-Artenschutzkonferenz im Dezember 2022

Vom 5.-17. Dezember 2022 findet in Montreal die UN-Artenschutz Konferenz statt. Wir versuchen, die Erfahrungen vor Ort mit dem globalen Problem zu vergleichen.

„die Veränderung der Land- und Meeresnutzung (ist) die wichtigste direkte Ursache für den weltweiten Verlust der biologischen Vielfalt in jüngster Zeit. An zweiter Stelle steht die direkte Ausbeutung natürlicher Ressourcen und an dritter Stelle die Verschmutzung; der Klimawandel und invasive gebietsfremde Arten waren deutlich weniger wichtig als die beiden wichtigsten Ursachen.“ 
IPBES-Forschergruppe, Die direkten Ursachen des jüngsten weltweiten anthropogenen Verlusts der biologischen Vielfalt

Am 9. November 2022 hat das Magazin Science einen Artikel einer internationalen Forschergruppe, der Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services (IPBES) unter dem Titel: „Die direkten Ursachen des jüngsten weltweiten anthropogenen Verlusts der biologischen Vielfalt“ veröffentlicht.

Nach systematischer statistischer Auswertung von mehr als 45.000 wissenschaftlicher Untersuchungen zum Verlust der Biodiversität kommen die Forscher kommen zu dem Schluss, dass die Ursache für den Verlust der biologischen Vielfalt in erster Linie die Umwandlung von Wäldern und Grünland in landwirtschaftliche Flächen sei. Die nächstfolgenden Probleme sind „ausbeuterisches Verhalten“ der Menschen gegenüber wildlebende Arten, sind Fischerei, Holzeinschlag, Handel und Jagd. Es folgen Umweltverschmutzung und Klimawandel.

Die Forscherinnen und Forscher fassen zusammen, dass „die Veränderung der Land- und Meeresnutzung die wichtigste direkte Ursache für den weltweiten Verlust der biologischen Vielfalt in jüngster Zeit ist. An zweiter Stelle steht die direkte Ausbeutung natürlicher Ressourcen und an dritter Stelle die Verschmutzung; der Klimawandel und invasive gebietsfremde Arten waren deutlich weniger wichtig als die beiden wichtigsten Ursachen.“

Es ist also das direkte Einwirken von immer mehr Menschen, wir haben nun die 8 Milliarden überschritten, auf die naturbelassene Umwelt und es ist bei uns vor allem die agrarindustrielle Intensivierung der Land- und Forstnutzung, die die Probleme schafft.

Die Erfahrungen hier in Wörthsee, wo eine rundherum intensiv betriebene Landwirtschaft den letzten Grillen den Garaus macht, wo ein sinnloser Supermarktbau die letzten Fledermäuse vertrieben hat, wo auch alle zeichen auf Wachstum gestellt bleiben – diese Erfahrungen stimmen nicht gerade optimistisch.

Der Verlust der Biodiversität zerstört unsere Lebensgrundlage, stellen die Wissenschaftler fest. 30% der globalen Fläche müssen dem Naturschutz unterliegen. Wird auf der Konferenz gefordert. In Deutschland sind das derzeit 6,2%. Glaubt jemand ernsthaft, dass bis 2030 daraus 30% werden? Dass Glyphosat, Nitrophoska blau & Co. (übrigens aus Erdgas produziert) von der hiesigen Bildfläche verschwinden? Bei den derzeit angestrebten Wachstumszielen?

Ein Kommentar zur Konferenz können Sie hier unter „Zum Kuckuck“ lesen.

UN-Artenschutzkonferenz im Dezember 20222022-12-03T17:07:36+01:00

Das Hackschnitzelheizwerk wird immer fragwürdiger

Das Hackschnitzelheizwerk wird immer fragwürdiger

Wir hatten bereits im Frühjahr die Problematik des von der Gemeinde Wörthsee geplanten Nahwärmenetzes beschrieben, das mit einem Hackschnitzelheizwerk befeuert werden soll. Aus ökologischer Sicht sprechen, wie von uns erläutert, zahlreiche Gründe gegen dieses Vorhaben, das aus einer vergangenen Zeit zu stammen scheint. Nun haben sich neue Aspekte ergeben, die das Projekt vollkommen unsinnig erscheinen lassen.

Die Schornsteine des Heizwerks müssten „mindestens 26 plus X“ Meter hoch werden. Zum Vergleich: Der Kirchturm ist 32 Meter hoch.

Auf der Gemeinderatssitzung am 14. November 22 wurden die aktuellen Planungen des Hackschnitzelheizwerks vorgestellt. Der Planer hat die von uns bereits im vergangenen Winter auf der nebenstehenden Fotomontage angenommene Höhe der Schornsteine bestätigt. So wie von uns gezeigt, müssen die Schornsteine aus Gründen der Luftzirkulation höher gebaut werden, als die dahinter stehenden Bäume. Andernfalls bestünde die Gefahr, dass Schadstoffe aus dem Rauchgas nach unten gelangen. „Mindestens 26 plus X Meter“ muss die Schornsteinhöhe nach Aussage des Planers von Terrabiota betragen. Das Heizwerk ist nicht viel mehr als eine Verschandelung des Ortsbildes. Der geplante Standort des Heizofens ist unsinnig.

Hässlich, unsinnig, unwirtschaftlich

Doch es kommt noch besser. Um das Nahwärmenetz wirtschaftlich zu betreiben, waren zumindest der neue Supermarkt, die Neubauten der WOGENO, das geplante Seniorenzentrum auf dem Gelände der Kirche sowie eine größere Zahl anschlusswilliger Einfamilienhausbesitzer und -Besitzerinnen erforderlich. So erläuterte es der Hackschnitzelheizer in seinem Vortrag im Februar.

Inzwischen stellt sich heraus, dass das Seniorenzentrum nicht gebaut werden kann, weil der Investor wegen der explodierenden Kosten einen Rückzieher gemacht hat. „Aufgrund der schwierigen Lage hat der Investor seine Planungen eingestellt und hofft auf bessere Zeiten“, sagte Bürgermeisterin Muggenthal auf der Bürgerversammlung. Damit ist ein zentraler Baustein für die Wirtschaftlichkeit des geplanten Holzofens weggebrochen.

Aus für Seniorenzentrum und WOGENO?

Auch das WOGENO-Bauvorhaben steht offenbar näher am Aus als vor der Realisierung. „Wir müssen sehen, ob wir das Projekt überhaupt durchziehen können“ gab der WOGENO Vorstand Thomas Kremer bekannt. (Vgl. Münchner Merkur) Es scheint also richtig eng zu sein. Auch hier sind der Grund die exorbitant gestiegenen Baukosten, die von geplant 16 Millionen Euro auf nunmehr 27 Millionen Euro geradezu explodiert sind. Die voraussichtliche Miete liege inzwischen bei 16 Euro pro Quadratmeter, was für die Mitglieder der Genossenschaft zu viel sei.

Bricht auch dieser Baustein für das Nahwärmenetz weg, steht die Gemeinde vor einem Desaster. Man baut ein Heizwerk, das außer dem Supermarkt keiner brauchen wird, handelt sich damit eine Verschandelung des Ortsbildes ein und wird auf den Kosten sitzen bleiben.

Fossil wird teuer bleiben

Hinzu kommt, dass der massive Preisanstieg bei fossilen Energien im Pellet Markt bereits zu exorbitanten Erhöhungen wie beim Erdgas geführt hat. Auch Hackschnitzel sind mehr als 30% teurer als vor einem Jahr. Die Prognosen sind ungünstig, denn bereits jetzt werden Holz und Hackschnitzel knapp. Es rächt sich auch hier, dass jede Institution mit einer „Holz gibt’s doch genug“ Haltung in die „Planung“ geht, ohne dass es klare Analysen für die verfügbaren Mengen gibt. Die Zeit der fossilen Brennstoffe läuft in wenigen Jahren aufgrund der Klimaschutzverpflichtungen aus. Die von den Befürwortern des Hackschnitzelofens behauptete „Brückenrolle“ kann die Anlage nicht wirtschaftlich spielen. Denn zu den höheren Brennstoffkosten wird der Betreiber auch die Mehrkosten für einen Betrieb einer nicht annähernd ausgelasteten Anlage den Nutzern in Rechnung stellen müssen. Oder wird die Gemeinde dafür gerade stehen müssen?

Das Kuckucksei Edeka Nr. 2 im August. Der Beton, der statt der versprochenen Holzbauweise verbaut wird, wächst in die Höhe. Dazu denken muss man sich zwischen Kirchturm und Kran 26 Meter hohe Kamine des Hackschnitzelofens.

Ein unvermeidliches Desaster?

Die Stimmung der Gemeinderäte auf der Sitzung am 14. November war offensichtlich gedrückt, wie Beobachter fanden. Dazu gibt es in der Tat allen Anlass.

Das vor der Fertigstellung stehende Supermarktprojekt entpuppt sich wirklich als das Kuckucksei, als das wir es vor zwei Jahren bezeichnet hatten. Es ist wegen der anscheinend zum vorläufigen Stillstand kommenden Ortsentwicklung noch überflüssiger, als von uns bereits nachgewiesen und zieht die Gemeinde mit den Folgewirkungen herunter. Wer wird denn die Kosten für das unwirtschaftliche Hackschnitzelheizwerk am Ende tragen? Es darf wohl richtig vermutet werden, dass sich der Supermarktinvestor und die Edeka als Betreiber „normale“ Konditionen für die Heizkosten vertraglich garantieren haben lassen.

SB

Es liegt in der Luft – Artikel zum Thema Heizen mit Holz von Pepe Egger.

Aus: Der Freitag, Nr. 46, 17.11.22

Das Hackschnitzelheizwerk wird immer fragwürdiger2022-11-21T14:55:06+01:00

Der Energietag Wörthsee 2022

Der Energietag Wörthsee 2022

Am Sonntag, den 25. September, fand der „Energietag Wörthsee“ am Rathaus statt. Die Initiative Artenvielfalt war mit einem Stand vertreten, der auf viel Interesse gestoßen ist.

Am 25. September beteiligten wir uns mit einem Stand am Energietag der Gemeinde.

Wir hatten 4 Schautafeln zusammengestellt:

  • Verkehr verkehrt – Verkehrswende in Wörthsee
  • Erneuerbare Energie erzeugen mit Schwerpunkt Erdwärmepumpe
  • Viele Ideen zum Energie-Sparen
  • Umweltfreundlich gärtnern und dabei Energie sparen

Unser Stand wurde gut besucht, wir führten viele anregende Gespräche und knüpften neue Kontakte.

Das Blumen-Rätsel unter dem Motto „Sehenswürdigkeiten in nächster Umgebung“ blieb manchen ein Rätsel, andere wieder lösten alle Fragen im Handumdrehen.

Was etliche Besucher*innen besonders beschäftigte: Die Vorteile einer Erdwärmepumpe, aber auch die Probleme beim Einbau, dargestellt auf Tafel 2.

Der Stand der Initiative Artenvielfalt

Der Energietag Wörthsee 20222022-11-06T11:26:55+01:00

Weniger Tempo – Mehr Lebensqualität

Weniger Tempo – mehr Lebensqualität

Etwa 70 Bürgerinnen und Bürger nahmen an der Veranstaltung zur Straßenverkehrssituation am 11. Oktober teil. Die lebhafte Diskussion brachte den starken Wunsch nach Veränderung der gegenwärtigen Regelungen zum Ausdruck. Als ersten Schritt fordert die Initiative Artenvielfalt nun den Gemeinderat auf, T 30 in allen Gemeindestraßen einzuführen. Und das „dicke Brett“ Staatsstraße soll mit neuen Argumenten angebohrt werden.

Moderiert von der Journalistin Dietlind Klemm diskutierte ein Podium aus Bürgermeisterin Christl Muggenthal, Markus Büchler, Sprecher für Mobilität der Landtagsfraktion der Grünen, Martin Held vom ADFC und Doja Muggenthaler von der Initiative Artenvielfalt.

Doja Muggenthaler erläuterte einleitend die Ergebnisse der Verkehrsumfrage in Wörthsee, deren Ergebnisse im Artikel Umfrageergebnisse zu Tempo 30″ vorgestellt worden sind. Das Podium brachte zum Ausdruck, dass derzeit in sehr vielen Gemeinden die Zeichen auf Temporeduzierungen stehen. Die heutige Verkehrssituation erfordere aus Gründen des Lärm- und des Personenschutzes neue Maßnahmen und die Novelle der Straßenverkehrsordnung schreibe hierzu neue Zielvorgaben. „Vision Zero“ ist das Stichwort in der neuen Durchführungsverordnung für die Straßenverkehrsbehörden beim Thema Personenschäden. Das heißt, dass der Präventionsgedanke (keine Verkehrsunfälle mit Todesfolge oder schweren Personenschäden) nun als „Grundlage aller verkehrlichen Maßnahmen“ maßgebend geworden ist. Nachdem im Gemeindegebiet Wörthsee es bereits tödliche Unfälle aufgrund nicht angepassten Tempos gegeben habe, sei die Lage auch für die Staatsstraße eigentlich klar. Ohne neue Limits kann „Vision Zero“ in Wörthsee nicht erreicht werden. Wen es interessiert: diese Vision wird in der Verwaltungsvorschrift zur STVO oben angestellt: siehe VwV StVO §§1. Mit diesen Informationen konnte Markus Büchler der Versammlung Mut machen, sich energisch für die Durchsetzung dieser neuen Vorgaben zu engagieren.

Ein weiterer Punkt der STVO-Novelle betrifft die T 30 Vorschrift im Bereich von Schulen, Kindergärten, Altenheimen oder medizinischen Einrichtungen – bis zu 250 Meter muss in diesen Bereichen das Tempo auf T 30 gedrosselt werden. Auch hier ist Wörthsee noch (rechtswidrig) großzügig, wie die Gemeindestraße im Bereich des Urban-Dettmar-Hauses oder die Kreuzung Schulstraße / Etterschlager-Straße zeigen. Eine Mutter brachte es auf den Punkt: „Ich muss dort immer an dem Gedenkkreuz für die tödlich verunglückte Schülerin vorbei. Ehe meine Kinder hier totgefahren werden, bringe ich sie lieber mit dem Auto zu Kita und Schule.“ Man möchte sarkastisch hinzufügen, dass sich hier der Kreis der „Freude am (raschen) Fahren“ schließt: fließen muss der sich selbst erzwingende Verkehr. Steigen Sie ein.

Kopfschütteln nach der Auslandsreise

Es ist in der Tat für denjenigen, der gerade aus dem Auslandsurlaub in Österreich, Italien oder Frankreich zurückgekehrt war, eine merkwürdige Debatte. Hier wird mit Leidenschaft um etwas gerungen, dass andernorts im Ausland längst flächendeckende Praxis ist.

In Frankreich werden zum Beispiel in geschlossenen Ortschaften, ob groß oder klein, immer Tempo 30 Vorgaben kombiniert mit einer Reihe von Zebrastreifen, gemalt auf „Ralentisseurs“ – Bodenschwellen. Der Verkehr auf den unseren Staatsstraßen vergleichbaren „Routes Départementales“ (D) wird damit auf Schritt-Tempo reduziert und so den Fußgängern Vorrang gegeben. Inklusive den Kindern, die hier entspannt auch ohne elterliche Begleitung zur Schule gehen können. In der Versammlung sprach jemand davon „dass doch alle zivilisierten Länder bereits Tempo 30 eingeführt haben“. Wie bei Asterix und Obelix ist das offenbar inzwischen: alle Länder – bis auf eines – unser Audi-Land.

Antrag an den Gemeinderat

Inzwischen hat die Initiative Artenvielfalt einen weiteren Schritt vollzogen und beim Gemeinderat Tempo-30-Zonen für alle Gemeindestraßen – ohne Ausnahme – beantragt. Ein Gemeinderat meinte dazu, dass doch „fast überall“ bereits T 30 gelte. „Fast überall“ ist eben nicht überall. Zur Aufklärung wurden inzwischen die Lücken genau identifiziert (u.a. Seestraße bis Dorfstraße, Dorfstraße bis Ortsausgang, Zum Kuckucksheim / Kuckuckstraße und Bereiche in Etterschlag). Die Spannung ist groß, wie der Gemeinderat über das Anliegen entscheiden wird. Auch der Beitritt der Gemeinde Wörthsee zur Initiative „Lebenswerte Städte durch angemessene Geschwindigkeiten“ des deutschen Städte- und Gemeindetages wird in diesem Zusammenhang gefordert.

Doja Muggenthaler zog bereits das Fazit, dass die Kommunikation zwischen zwischen Bürgern, Gemeinde und Behörde, verbesserungsfähig sei. „Eine gute Zusammenarbeit kann dazu führen, die Behörden zu überzeugen.“ In ihrem Schlussbeitrag hob sie hervor, dass die stressfreie Mobilität für Radler und Fußgänger ein selbstverständliches Menschenrecht sein sollte.

Bauamt Weilheim und die Staatsstraße

Das dicke Brett ist die Staatsstraße. Hier wird immerhin die Kreuzung Schulstraße inzwischen zu einem Politikum werden, denn die Vorschrift der im Dezember 2021 geänderten STVO ist durchaus klar: Der Schulweg muss auf einer Länge von 250 Metern mit T 30 abgesichert werden, auch wenn das Schulgebäude nicht unmittelbar an der Etterschlager-Straße liegt, hier aber der Haupt-Zugangsweg verläuft. Das wäre vielleicht ein Anfang, der dringend gemacht werden müsste, schon um der Rechtslage Genüge zu tun. Ein Beitrag zum zivilisierten Umgang mit unseren Kindern – das wäre doch etwas?

SB

Weniger Tempo – Mehr Lebensqualität2022-11-05T14:59:51+01:00

Weniger Tempo – Mehr Lebensqualität | 11. Oktober 2022

Die Initiative für Artenvielfalt lädt ein:

WENIGER TEMPO

MEHR LEBENSQUALITÄT

Diskussionsveranstaltung mit

  • Christl Muggenthal, Bürgermeisterin
  • Markus Büchler, Verkehrsexperte, bayerischer Landtag
  • Anton Maier, ADFC-Kreisvorstand Starnberg
  • Doja Muggenthaler, Initiative für Artenvielfalt
  • Moderation: Dietlind Klemm, Journalistin

Schwerpunkte:

  • Ergebnisse der Umfrage: Großer Wunsch nach Verkehrsberuhigung und sicheren Überwegen
  • Tempo 30 – Pro und Contra
  • Wege zu mehr Schutz für Radler*innen und Fußgänger*innen

Wo? Rathaussaal Wörthsee

Wann? 11. Oktober, 19.30

V.i.S.P: Doja Muggenthaler, Waldstraße 42, Wörthsee

Weniger Tempo – Mehr Lebensqualität | 11. Oktober 20222022-09-22T23:30:55+02:00

Energietag Wörthsee | 25. September 2022

Energietag Wörthsee – 25.9.22

Energietag Wörthsee 2022

Am Sonntag, den 25. September findet der Energietag Wörthsee am Rathaus statt. Die Initiative Artenvielfalt wird mit einem Stand vertreten sein.

Infotafel Verkehr Wörthsee
PV-Dachmontage Wörthsee
Frosch

m 25.September beteiligt sich die Initiative für Artenvielfalt wieder am diesjährigen Umwelttag mit einem Infostand. Folgende Themen stehen im Mittelpunkt:

  • Verkehrswende fürs Klima und für mehr Lebensqualität
  • Klimaschutz in Gärten, auf öffentlichen Flächen und in der Landwirtschaft
  • Kleinvieh macht auch Mist – Möglichkeiten zum Energiesparen
  • Klimafreundliche Energiegewinnung

Mit unseren Tafeln wollen wir die Diskussion anregen zu:

  • Energie-Sparen,
  • Energie klimafreundlich erzeugen,
  • Verkehr – verkehrt,
  • klimafreundliche Landwirtschaft/ klimafreundliches Gärtnern.

Außerdem gibt es einen Blumenquiz, Samen und Pflanzen zum Mitnehmen und zahlreiches Info-Material.

Wir würden uns freuen, wenn viele von euch vorbeikommen und wenn auch noch einige mithelfen würden. Bitte bei mir melden!

Ab 11 Uhr am Rathaus.

Energietag Wörthsee | 25. September 20222022-09-22T23:32:44+02:00
Nach oben