Fragen zum Hackschnitzel-Heizwerk

Fragen zum Hackschnitzel-Heizwerk

Der Gemeinderat Wörthsee hat auf seiner letzten Sitzung die Bauplanung für ein Hackschitzel-Heizwerk an der Kuckuckstraße eingeleitet. Dabei fielen 5 nachfolgend nicht wörtlich zitierte Aussagen. Zu diesen stellen wir 5 Fragen.

Das neue Heizwerk in einer Simulation, die den bislang bekannten Annahmen in etwa entspricht. (2 Schornsteine, die 5 Meter über die höchsten Baumwipfel reichen) Rechts der 32 m hohe Kirchturm. Fotomontage: S.Bleek.

Waldrestholz

Waldrestholz, Februar 2022 am Waldweg S-Bahn. Zahlreiche große Buchen wurden gefällt. Hackschnitzel aus Restholz mit hohem Rindenanteil verursachen hohe Schadstoffemissionen. Foto: S. Bleek.

Waldrestholz

Waldrestholz mit Nadelholzanteil. Stickstoffgrenzwerte bei Verfeuerung schwerlich einzuhalten, Februar 2022 am Waldweg S-Bahn Wessling. Foto: S. Bleek.

Standortprofil: Das Gelände steigt nach Süden hinter der geplanten Anlage (584m) noch bis zu 5 Meter an. Quelle: Bayernatlas.

Simulation Heizwerk nach den bislang bekannnten Aussagen. Montage: S. Bleek.

Auf der Sitzung des Wörthseer Gemeinderats am Januar wurde die Änderung des Flächennutzungsplans beschlossen, um an der Kuckuckstraße direkt gegenüber der Einfahrt zum neuen Supermarkt ein Holzhackschnitzel-Heizkraftwerk zu erreichen. Im Gemeinderat wurden dazu die folgenden Aussagen mit notiert:

  1. „Aus den beiden Schornsteinen wird nur Wasserdampf entweichen.“
  2. „In der Anlage werden nur Schwachholz und Restholzabfälle aus den Wäldern ringsum verbrannt.“
  3. „Die Schornsteine müssen eine Höhe von 5 Metern über den Baumwipfeln haben.“
  4. „25 Meter Wald um den Bau herum müssten eigentlich aus Verkehrssicherungsgründen gefällt werden. Wir machen die Auflage eines verstärkten Dachs für die Anlage, damit diese Fällung unterbleiben kann.“
  5. „Die Wörthseer Bürger werden stolz sein auf dieses neue Werk“.

Hierzu haben wir die folgenden Fragen:

? 1.

Mit welcher Auflage zur Rauchgasreinigungstechnik gedenkt der Gemeinderat den Betreiber der Anlage zu verpflichten, das bei der Verbrennung der Hackschnitzel entstehende CO2 zu binden, sodass nur Wasserdampf übrig bleibt. Mit welcher Technik will der Gemeinderat die Emissionen von Feinstaub, Kohlenmonoxid und Stickoxiden auf Null reduzieren. Wer trägt die Kosten?

? 2.

Laut der Studie „Einflussfaktoren auf die NOX-Emissionen in Hackschnitzel-Heizwerken zwischen 1 und 5 Megawatt“, Berichte aus dem TFZ, 66, Straubing, März 2020 des Bayerischen Technologie und Förderzentrums für nachwachsende Rohstoffe, wurde bei der Verbrennung von Hackschnitzelchargen aus drei verschiedenen „Waldresthölzern“ „der NOX-Grenzwert von 370 mg/Nm3 in allen Laststufen überschritten.“ Und weiter: „Als allgemeine, stark vereinfachte Beobachtung kann abschließend festgestellt werden, dass sich helle Hackschnitzel (meist aus Energierundholz) oder nur wenig dunklere Hackschnitzel durch Stickstoffgehalte von weniger als 0,2 m-% (Massenanteil) auszeichnen. Werden jedoch sehr dunkle Hackschnitzel mit einem hohen Feingehalt geliefert (z. B. mit hohem Rindenanteil oder vielen Nadeln), kann von höheren Stickstoffgehalten im Brennstoff ausgegangen werden, was ggf. zu Überschreitungen der NOX-Grenzwerte führen kann.“

Wie will also der Gemeinderat die bei der geplanten Verbrennung von ausschließlich Waldrestholz und Landschaftspflegematerial, die sich beide durch hohen Stickstoffgehalt auszeichnen, die Einhaltung der Emissionsgrenzwerte garantieren. Insbesondere angesichts der Tatsache, dass sich in der Hauptwindrichtung vom Werk aus gesehen ein Supermarkt mit Terrasse, eine neue Wohnsiedlung und ein Kindergarten befinden.

? 3.

Eine ausgewachsene Buche hat eine Höhe von bis zu 45 Metern. Pro Jahr wächst eine jüngere Buche 40 cm in die Höhe. Wie sollen die Schornsteine 5 Meter über die Baumwipfel geführt werden, wenn dahinter ein Buchenwald wächst? Selbst jetzt, wo wir dort jüngere Buchen haben, entspräche diese Vorgabe schon bei einer Wuchshöhe von nur 20 oder 25 Metern bereits bis zu 30 Metern Kaminhöhe. Denn noch dazu steigt das Gelände am Standort deutlich an, so dass die Buchen im Rücken der Anlage 4 bis 6 Meter höher wurzeln als das geplante Gebäude. Sind also tatsächlich derart hohe Schornsteine geplant? Oder werden am Ende alle Buchen des rückwärtigen Hügels gefällt werden müssen, um die Schornsteine niedriger zu bauen?

? 4.

Wie glaubt der Gemeinderat die sehr hohen Kamine verkehrssicher zu bauen, wenn nicht ausgeschlossen werden kann, dass die umstehenden Buchen bei starken Sturm auf die Kamine stürzen? Ist also die geplante Vermeidung der großflächigen Rodung um das Gebäude herum realistisch?

? 5.

Wieso glaubt der Gemeinderat, dass die links auf einer provisorischen Fotosimulation angedeutete Gruppierung unseres Kirchturms von 32 Meter Höhe mit dem Pendant zweier Schornsteine mitten im neuen „Vollsortimenter-Ortszentrum“ eine raumordnerische Leistung ist, auf die wir stolz sein können? Haben wir es nicht eher mit einem schändlichen Eingriff in das Orts- und Landschaftsbild zu tun?

Fotos und Beitrag: Stephan Bleek

Fragen zum Hackschnitzel-Heizwerk2022-02-18T10:25:34+01:00

Waldbiomasse ist Selbstbetrug bei den Erneuerbaren

Waldbiomasse -Selbstbetrug bei den Erneuerbaren

Die Gemeinde Wörthsee plant ein Nahwärmenetz, das mit Holzhackschnitzeln, also Biomasse, beheizt werden soll. Das Vorhaben wird als „nachhaltig“ verkauft. Im Januar 2022 haben Forscher im Auftrag der EU- Kommission einen Bericht zur Waldbiomasse erstellt. Mit erschreckenden Fakten, die sich mit Beobachtungen decken, die viele Bürger in unseren Wäldern bereits machen.

Als kleiner Junge habe ich abends immer fasziniert stundenlang in das Kaminfeuer schauen können. Die Wärme eines Kamins oder eines Holzgrundofens, den ich in den 1980er Jahren in mein Haus gebaut habe, ist eine wunderbar angenehme Form der Heizung, da ein Holzfeuer viel Strahlungswärme verbreitet. Und, Holz wächst nach, ist also weit weniger schädlich für die Umwelt, als fossile Brennstoffe. Dachten wir. Doch auch hier macht die Dosis die Medizin bzw. das Gift. Forscher des Joint Research Centre (JRC), ein Think-Tank der EU Kommission, schlagen Alarm.

Biomasseanlagen im Gebiet Ammersee Lech

Biomasseanlagen in unserer Region. Dunkelgrün eingezeichnet sind Verbrennungsanlagen. Quelle: Energieatlas Bayern.

Waldwirtschaft an der Meilinger Höhe. Trotz FFH Naturschutz werden immer mehr der alten Buchen gefällt. Das Holz wandert zu einem relevanten Teil in den Hackschnitzelofen. Siehe dazu: FFH Waldgebiet Meilinger Höhe. Bild unten: „Waldrestholz“. Siehe dazu: Humusbildung im Wald.

Waldrestholz
Webinar Europas Wald in Flammen

Hören Sie mal rein.

Sie können die Kampagne von We move Europe gegen die Einstufung von Holzverbrennung als klimaneutral hier unterstützen.

JRC Waldbioenergiestudie – Holz taugt nicht für großtechnische Energierzeugung

Die Forscher der EU Kommission konstatieren nach ihrer Analyse der europaweit vorliegenden Daten zur Nutzung von Waldbiomasse sehr negative Trends:
  • In Europa hat besonders die Nutzung von Holz zur Verfeuerung deutlich zugenommen. Der CO2 Ausstoß liegt mittlerweile bei über 350 Millionen Tonnen pro Jahr, wobei der CO2 Anteil pro erzeugter Energieeinheit beim Verfeuern von Waldbiomasse (Holz) besonders hoch ist.
  • 23 der 24 Waldbioenergieszenarien, die in dem Bericht bewertet wurden, stellen ein Risiko für das Klima, die Biodiversität oder beides dar. Nur die Nutzung bestimmter „fine woody debris“ (Waldresthölzer mit geringem Durchmesser), stellt unter Berücksichtigung der Transportwege, diese müssen kurz sein, ein „geringes Risiko“ für die Wälder und das Klima dar. Aber selbst unter diesem Szenario können die Emissionen aus der Verbrennung von Biomasse diejenigen aus fossilen Brennstoffen über Jahrzehnte hinweg übersteigen.
  • Die meisten nationalen Energie- und Klimapläne der Mitgliedsstaaten enthalten keine angemessene Bewertung der potenziellen Auswirkungen einer Ausweitung des Holzeinschlags auf die Umwelt und das Klima.
  • 30 Prozent der erneuerbaren Energien in Europa werden durch das Verbrennen von Holz erzeugt. Nur die Hälfte davon aus Abfallprodukten der Holzverarbeitung.
  • Die gemeldete Nutzung von Waldbiomasse in der EU ist höher als die gemeldeten Quellen dieses Holzes. Das bedeutet, dass bis zu 20% des in der EU verbrannten Holzes aus unbekannten Quellen stammt.

Schädlich in Europa, aber gut bei uns?

Die Gemeinden Wörthsee und Seefeld behaupten, ihre Waldbiomassekraftwerke wären klimaneutral. Dies ist, nach diesem aktuellen EU Report, nicht viel mehr als Selbstbetrug. Oder Irreführung der Bürger. Dahinter zu vermuten ist eine starke Lobbyarbeit der Waldbauern im Landkreis, die sich von der wachsenden Nachfrage nach ihrem Holz schlicht höhere Preise ausrechnen können. Auch bei den Förderrichtlinien für private Heizungsumrüstung sind zum Beispiel Holzpelletheizungen nach wie vor als nachhaltig eingestuft und werden sogar bezuschusst. Das Landratsamt Starnberg tutet in das gleiche Horn wie die beiden Gemeinden, wenn es in der Einladung zu einer Informationsveranstaltung über Holzheizungen „Effizient heizen mit Holz“ so informiert:

Typische Verbrennungstechniken für moderne Holz-Zentralheizungen (…) sind ein Schwerpunkt des Vortrags. Mögliche Förderungen für Holzheizungen mit nützlichen Tipps zur Antragstellung und Förderhöhe bilden ein weiteres Kapitel.“

Holz gilt als „guter“, umweltfreundlicher und förderungswürdiger Brennstoff. Was unterschlagen wird:

  • Der CO2-Ausstoß von Holzhackschnitzel beträgt etwa 450 g/kWh, bei Heizöl liegt der Wert bei 266 g/kWh, bei Erdgas bei 202 g/kWh.
  • Der Wachstumsprozess von Bäumen, währenddessen CO2 gebunden und als Kohlenstoff eingelagert wurde, liegt in der Vergangenheit, 1 bis – wie der gefällten Buche oben links im Bild – über 200 Jahre zurück. Das Freisetzen des CO2 dagegen findet unmittelbar jetzt beim Verbrennungsvorgang statt. Die Forscher nehmen an, dass der nachwachsende Wald das bei der Verbrennung von Holzbiomasse freigesetzte Co2 erst nach vielen Jahrzehnten zurückbinden kann.

Moderne Holzzentralheizungen mit Pellets oder Hackschnitzeln haben nichts mehr mit der eingangs konstatierten Kaminfeuerromantik gemein. Für modernes Heizen ohne fossile Brennstoffe gibt es bessere und modernere Lösungen wie Wärmepumpen. gegen althergebrachte Holzverbrennung im Kachelofen oder Kamin hat niemand etwas. Das Problem ist die großindustrielle Nutzung des Holzes für Verbrennung.

Im Landkreis: nichts Gewisses weiß man nicht

Was im Landkreis fehlt, ist im Übrigen eine genaue Analyse, welche Mengen an Schwachholz denn tatsächlich für Hackschnitzel zur Verfügung stehen. Die Karte zeigt, dass südlich von Augsburg bereits eine Reihe von Holzverfeuerungsanlagen in Betrieb sind. Allein das sehr große Augsburger Biomassekraftwerk bezieht seinen Brennstoff aus einem Umkreis von 80 Kilometern. Weitere kleinere Kraftwerke befinden sich bereits in Landsberg, Fürstenfeldbruck, Gilching, Gauting, Seefeld. Eine Gesamtplanung für den Landkreis oder den Regierungsbezirk für Verbrennung und Vorrat von Waldbiomasse existiert nicht. Daher ist dem Raubbau schon aus Unwissenheit Tür und Tor geöffnet.

Beobachtungen auf der Meilinger Höhe lassen alles Andere als einen schonenden Umgang mit dem dort besonders geschützten wertvollen Wald erkennen. Der Wald würde zu einer noch intensiver bewirtschafteten Nutzholzpflanzung degenerieren, wenn wir jetzt den Biomassepfad noch weiter ausbauen. Es gibt im Voralpenland sehr gute Alternativen für wirklich nachhaltige Wäremerzeugung wie zum Beispiel Wärmepumpen oder vor allem die noch kaum genutzte Geothermie. Diese bleibt derzeit hier im Landkreis Starnberg immer noch vollkommen ungenutzt. Ein großes privates Geothermieprojekt in Herrsching wurde jetzt durch den Klinikneubau ausgebremst.

Die Holzernte in Europa müsste eigentlich reduziert werden, um die CO2 Bindung der Wälder zu erhöhen. Das Gegenteil ist der Fall, die EU Kommission konstatiert, dass die CO2 Speicherfunktion der Wälder in Europa bereits abnimmt. Schuld ist vor allem die Holzverbrennung in immer mehr Kraftwerken.

JRC Waldbioenergiestudie – ein vernichtendens Zeugnis für Biomasseverheizung

Die meisten möglichen Szenarien für Waldbiomasseverbrennung landen bei einem hohen Risiko, die CO2 Emissionen auf mindestens 30 bis über 100 Jahre zu erhöhen. Allein das Szenario 5, die Entnahme von Schwachholz aus Nadelwäldern hat eine „neutrale bis positive“ Bilanz. Quelle: Joint Research Centre (JRC) JRC Forest-bioenergy-study-2021 Ausriss oben kommentiert in „Annotated version“ des Reports. Da in unserem Landkreis ebensowenig wie in den Nachbarbezirken eine Planung zur Verbrennung von Waldbiomasse existiert, ist ein Vabanquespiel auf Kosten der Umwelt im Gang.

Was also soll ich meiner kleinen Enkeltochter bieten? Die Romantik des Kaminfeuers fasziniert sie bereits jetzt mit ihren wenigen Monaten. Allerdings: Vorsicht Feinstaub. Dennoch glaube ich, der althergebrachte gelegentliche Luxus eines Kaminfeuers oder der Wärme aus einem Grundofen ist nicht das Problem. Die großtechnische Vernutzung von „Waldbiomasse“ ist dagegen ein solches. Denn auch hier macht die Dosis das Gift.

Fotos und Beitrag: Stephan Bleek

Waldbiomasse ist Selbstbetrug bei den Erneuerbaren2022-03-22T12:17:05+01:00

Tempo 30 für Wörthsee

Tempo 30 für Wörthsee

Die Initiative „Lebenswerte Städte durch angemessene Geschwindigkeiten“ hat bereits 70 Mitglieder. Grafik: Aus:Kommunen fordern Entscheidungsgewalt, Magazin Katapult.

Tempo in Wörthsee
Alle Parteien in Wörthsee haben ein strengeres Tempolimit im Wahlkampf gefordert. Wo bleibt die Umsetzung? Wir halten den Vorschlag einer Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit für richtig. Das Allerorten eingebürgerte Tempo 30 würde die Ziele der Verkehrsberuhigung am besten erreichen. Der Radweg auf der Etterschlager Straße lässt ebenfalls weiter auf sich warten, obwohl schon vor Jahren beschlossen. Auch die fehlenden Überwege mit Zebrastreifen für Fußgänger wurden von Bürgern immer wieder moniert, wenig ist bislang geschehen. Ein Durchfahrtverbot für LKW über 7,5 t. wäre leicht realisierbar, da die Umgehung über Weßling nur ganz wenig mehr Fahrzeit erfordert.

Manche werden sich fragen, was unser Bestreben, die Artenvielfalt zu fördern, damit zu tun hat. Mit Tempo 30 würden wir einen Beitrag zum Klimaschutz leisten und die Lebensqualität in Wörthsee, vor allem für Fußgänger und Radfahrer, verbessern. Jeder Schritt gegen den Klimawandel ist auch ein Schritt für den Artenschutz. (Nur bei den Windrädern entstehen da gewisse Interessenskonflikte, die man aber mit gutem Management und neuer Technik weitgehend beheben könnte.)

Vom Umweltbundesamt gibt es eine Untersuchung zur Wirksamkeit von Tempo 30 in Durchgangsstraßen, die jede/r im Internet nachlesen kann. Die wesentlichen Ergebnisse:

  • Die Leistungsfähigkeit der Straßen wird kaum beeinträchtigt, d.h. man ‚verschwendet‘ kaum Zeit.
  • Je länger Tempo 30 eingeführt ist, desto besser wird es eingehalten.
  • Der Zeit’verlust‘ pro 100m beträgt 0 bis 4 sec, der Verkehrsfluss verbessert sich zugleich.
  • Lärm und Schadstoffe werden reduziert.
  • Die Verkehrssicherheit, vor allem für Fußgänger und Radfahrer, steigt.
    Die meisten Anwohner nehmen die Regelung sehr positiv auf.
  • Für Erholungsorte ist so eine Regelung leichter möglich.

Wir haben nun die Fahrzeiten vom Ortseingang in Auing bis zum Etterschlager Kreisel mehrfach mit dem Auto getestet:

Bei Tempo 30 waren es im Durchschnitt 8 min. Bei Tempo 50 waren es im Durchschnitt 6 min 10 sec., also knapp 2 Minuten schneller. Ich finde, die zwei Minuten könnten wir für all diese Vorteile opfern. Außerdem könnte man eine Menge Verkehrsschilder sparen!

Wir werden in den nächsten Wochen überlegen, wie wir das Projekt Tempo 30 voranbringen können und würden uns freuen, wenn viele von euch ihre Ideen und ihre Tatkraft einbringen würden.

D.M.

Querung Ahornstraße Steinbach

Querung Ahornstraße. Fußgänger von der S-Bahn haben Probleme. Tempo 30 und eine Querungshilfe sind erforderlich.

Querungen Pizzakreuzung

Querungen Pizzakreuzung. Fußgänger bislang Freiwild. Tempo 30 am Hang dringend erforderlich.

Querung Schule neu

Querung Schule: Tempo 30 macht es für die Kinder sicherer.

Neuralgische Punkte im Straßenverlauf

Bereits im ISEC Gutachten sind verschiedene Punkte im Verlauf der ST3248, Etterschlager Straße/Hauptstraße, aufgeführt, die eine Temporeduzierung und eine Verbesserung der Querungsmöglichkeiten für Fußgänger erfordern. Eine Begehung des Seniorenbeirats zusammen mit den Beauftragten des Landratsamts hatte ebenfalls dringend erforderliche Änderungen erbracht. Die Punkte sind:

  • Steinebach, Querung an der Kreuzung Ahornstraße: Hier kommt der Fußweg von der S-Bahn herunter und die Fußgänger queren die Straße um zum Weg Richtung Moosbichlweg zu gelangen. Genau an diesem neralgischen Punkt wird derzeit Tempo 30 aufgehoben – völlig unnötig, da keine 10 Meter weiter die Einbahnstelle an der S-Bahn Unterführung zum Halten zwingt.
  • Steinebach, Kreuzung am Kirchenwirt: Auch hier endet Tempo 30 vollkommen unsinnig direkt vor dem Kreuzungsbereich. Ein Überweg der für Ältere und Behinderte tauglich und sicher ist, fehlt nach wie vor. Nach dem Ende der Bauarbeiten am Kirchenweg soll dieser Bereich allerdings vollkommen neugestaltet werden und eine Verkehrsberuhigung ist hier vorgesehen.
  • Hang und Pizzakreuzung: Das Überqueren der Straße ist hier nicht gelöst. Das Tempo den Burgselberghang hinauf und herunter gehört reduziert, da die Fahrbahn sehr eng ist und der unterhalb verlaufende Fußweg an einer vollkommen unübersichtlichen Stelle auf die Hauptstraße mündet – ohne Querungsmöglichkeit.
  • Querung Buchteil – Überweg fehlt für Fußgänger von Kuckucksheim zum See gehen.
  • Bereich Schule: Die vorhandene Querung mit Insel sollte besser als Zebrastreifen beschildert werden und das Tempo gehört dringend auf 30 reduziert. Zum Beispiel in München gilt inzwischen überall im Bereich von Schulen oder Kindergärten Tempo 30. Was in der Großstadt Standard ist, müsste im Dorf nicht scheitern.
  • Bereich Waldbrunn, Etterschlagerstraße: hier ist die Straße breit und es wird gerne zu schnell gefahren. Aus Lärmschutzgründen ist Tempo 30 auch hier die richtige Lösung.
  • Inninger Straße, Etterschlag, Richtung AB-Auffahrt Wörthsee: Dort ist zumindest von 22-6 Uhr ein Tempolimit für den Lärmschutz nötig.
Fahrzeiten Umgehung Wörthsee

Fahrzeiten durch Wörthsee oder um Wörthsee herum, laut Google Maps. Foto: Google ©

Bessere Nutzung der Umgehungsstraße – Sperrung für Schwerverkehr

Der Fahrzeitenrechner auf Google Maps ermittelt für den Weg von der Kreuzung Eichenallee zum Etterschlager Kreisel eine identische Fahrzeit von etwa 8 Minuten, obwohl der direkte Weg durch Wörthsee etwa 3 Kilometer kürzer ist. Für den Schwerverkehr gibt es überhaupt keinen Grund, sich weiter durch die Engstellen in Auing und Steinebach zu quälen. Ein Durchfahrverbot für LKW wäre sinnvoll und schadet niemandem. Auch PKW Fahrer sollten den entspannteren Weg über die Umgehungsstraße vorziehen – sie verlieren nicht einmal Zeit. Auch der Energieverbrauch des Fahrzeugs wird trotz der weiteren Strecke nicht nennenswert steigen, da das Energiefressende Stop-and-go an den Engstellen im Ort fortfällt. Tempo 30 innerorts ist ein weiterer Anreiz, die Ortsdurchfahrt zu meiden.

Erholungsort Wörthsee, Foto: SB

„Die Leistungsfähigkeit für den Verkehr wird durch Tempo 30 nicht eingeschränkt, die Aufenthaltsqualität dagegen spürbar erhöht. Und auf die Länge des Straßennetzes bezogen ist Tempo 30 in den allermeisten Städten ohnehin schon längst die Regel und nicht mehr die Ausnahme. Dies heißt auch: Tempo 30 ist eine Maßnahme für die Städte und Gemeinden und die Menschen, die dort wohnen – es ist keine Maßnahme, die sich gegen den Autoverkehr richtet.“

Lebenswerte Städte durch angemessene Geschwindigkeiten, Deutscher Städte- und Gemeindetag
Erholungsort Wörthsee

Ein weiteres Argument für eine Verkehrsberuhigung ist die Bedeutung von Wörthsee als Erholungsort. Zwar führt die Gemeinde diesen Titel offiziell nicht und hat ihn wohl nie beantragt. Wörthsee erfüllt jedoch die Kriterien der Staatsregierung für diese Klassifizierung. In der Publikation des Umweltbundesamts zum Tempo 30 steht aus Seite 20/22 , dass „Erholungsorte“ in der Regel flächendeckend Tempo 30 einrichten können.

Die Statistik für Wörthsee nennt 50.000 bis 60.000 Gästeübernachtungen pro Jahr. Mit durchschnittlicher Aufenthaltsdauer von 4,2 Tagen. Die Kriterien eines Erholungsortes (Bayer. AnerkV § 11,3 und §11,4) sind damit zahlenmäßig erfüllt. Die landschaftliche Schönheit nach § 11,1 ist selbstverständlich gegeben mit der Gastronomie und den vielen Ferienwohnungen, Hotels und Pensionen wird auch der §11,2 erfüllt.

Der Charakter eines Erholungsorts ist also ein weiterer Grund, nach dem für Wörthsee eine Tempobeschränkung auf 30 km/h richtig ist.

Mit der Forderung nach Tempo 30 sind wir nicht allein. Im Deutschen Städtetag hat sich eine Initiative von 70 Städten und Gemeinden gebildet. Die Initiative „Lebenswerte Städte durch angemessene Geschwindigkeiten“ fordert zum Handeln auf. Augsburg, Mehring, Murnau oder Miesbach sind dabei, um nur einige zu nennen.

Tempo 30 für Wörthsee2022-02-07T18:53:26+01:00

Appell des Deutschen Naturschutzrings zum Insektenschutzpaket

Appell des Deutschen Naturschutzrings zum Insektenschutzpaket

„Der dramatische Rückgang der Insekten in unserer Landschaft hat gravierende Folgen für Umwelt und Landwirtschaft, daher dürfen wir den Insektenschutz nicht weiter auf die lange Bank schieben. Das monatelang verhandelte Insektenschutzpaket liegt bereits seit Februar zur Verabschiedung auf dem Tisch. Wir fordern die Verantwortlichen von CDU und CSU auf, endlich den Weg frei zu machen und ihrem Versprechen im Koalitionsvertrag nachzukommen, die Lebensbedingungen für Insekten zu verbessern. Der bereits ausverhandelte Kompromiss darf dabei nicht noch weiter abgeschwächt werden.“

Florian Schöne, Deutscher Naturschutzring

Das Insektenschutzpaket bestehend aus der Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes und einer Novelle der Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung droht zum Ende der Legislaturperiode am Widerstand von CDU/CSU im Bundestag und auf Landesebene zu scheitern. Vor diesem Hintergrund appelliert der Umweltdachverband Deutscher Naturschutzring (DNR) gemeinsam mit 28 weiteren Umwelt- und Naturschutzorganisationen in einem Offenen Brief an die Vorsitzenden von CDU und CSU, sich für die Verabschiedung eines ambitionierten Insektenschutzpaketes einzusetzen.

Offener Brief von 21 Naturschutzorganisationen

Appell des Deutschen Naturschutzrings zum Insektenschutzpaket2021-07-21T18:29:54+02:00

Rasenmähen schadet der Artenvielfalt

Spätes Mähen im Juli nützt der Artenvielfalt

Es ist eigentlich einfach: Lässt man die Wiese ausmagern und mäht spät, ist ein wunderbarer Wildblumenteppich die Belohnung. Wie hier am Gemeindezentrum Etterschlagerstraße. Foto: DM

Waldvögelein-Orchidee-Wörthsee

An der Graf-Toerring-Straße blüht jetzt wieder das Waldvögelein, eine seltene Orchideenart. Es kann blühen, weil nicht vorzeitig gemäht wurde. Foto: Sepp Obermeier

Blühende Wiese an der Wesslinger Straße. Ein prachtvoller Obstgarten Fotos: SB

Wir haben seit einiger Zeit auf die Vorteile hingewiesen, die in den Gärten und an den öffentlichen Wegrändern für Insekten und für das Auge der Menschen entstehen, wenn der Zeitpunkt der ersten Mahd auf Ende Juni geschoben wird. Die Gemeindeverwaltung hat dieses Anliegen an vielen Straßenrändern bereits umgesetzt. In vielen Privatgärten in Wörthsee funktioniert es ebenso.

Ein „normal“ im Mai und Juni wöchentlich gemähter Rasen lässt keine Wildblumen, die eine wichtige Insektennahrung sind, hochkommen. Zudem werden durch das Mähen mit einem Motormäher viele Kleintiere, wie junge Frösche, Grashüpfer, Käfer usw. angesaugt und zerhäckselt.

Wer etwas für die Artenvielfalt tun will, sollte also vom klassischen „englischen“ Rasen Abschied nehmen, höchstens noch für spielende Kinder einen Teil der Rasens kurz halten.

Der Wildbienenexperte Paul Westrich empfiehlt, den Rasen nur noch 2 bis 4x im Jahr zu mähen. Durch das hohe Gras kommt man am besten mit einer (Motor-) Sense oder mit einem Balkenmäher.

Nach der Margeritenblüte mähen

Das erste Mal sollte man erst mähen, wenn die Margeriten verblüht sind. Wichtig ist, den Rasen nicht mehr zu düngen und den Rasenschnitt möglichst schnell abzutragen, da er als Mulch wieder eine Düngewirkung entfalten würde. So kann sich bald eine gewisse Artenvielfalt entwickeln: Gänseblümchen, Löwenzahn, Klee, Gamander-Ehrenpreis, Spitzwegerich, Scharfer Hahnenfuß, Gundelrebe und vieles andere.

Eine richtige Wildblumenwiese anzulegen ist wesentlich mühsamer, dafür muss die alte Grasnarbe abgetragen und regionales Saatgut ausgebracht werden.

Zum Glück gibt es in Wörthsee und anderswo immer mehr Gartenbesitzer*innen, in deren Gärten die Wiesen ganz oder teilweise blühen dürfen. Ein allmählicher Wandel der veralteten Vorstellungen von einem „ordentlichen“ Garten ist zu beobachten.

Mehr zu einem insektenfreundlichen Garten und kostenlose Beratung:

Tel. 0221 – 968 91 94

Email: kontakt@summende-gaerten.de

Rasenmähen schadet der Artenvielfalt2021-06-24T18:13:37+02:00

FFH Waldgebiet Meiling – Naturschutz nur eine Farce?

FFH Waldgebiet Meiling – Naturschutz nur eine Farce?

Die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) hat zum Ziel, wildlebende Arten, deren Lebensräume und die europaweite Vernetzung dieser Lebensräume zu sichern und zu schützen. Die Vernetzung dient der Bewahrung, (Wieder-)herstellung und Entwicklung ökologischer Wechselbeziehungen sowie der Förderung natürlicher Ausbreitungs- und Wiederbesiedlungsprozesse. Ein Waldstück mit FFH Schutz grenzt unmittelbar an das Wörthseer Gemeindegebiet. Wie sieht es dort aus?

Das FFH geschützte Waldgebiet (02) erstreckt sich von den Wiesen oberhalb Auing bis nach Delling. Quelle: Bayernatlas

An den blauen Pfeilen wurden die Buchen gefällt. (Quelle: Bayernatlas)

FFH Managementplan. Quelle: Bayerisches Landesamt für Umwelt Natura 2000

Kleine Lektion in Gemeinschaftskunde:

Grundgesetz, Art 14:

(1) Das Eigentum und das Erbrecht werden gewährleistet. Inhalt und Schranken werden durch die Gesetze bestimmt.
(2) Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“

Artikel 14, 2 bindet also den Gebrauch des Eigentums an das Gemeinwohl. In unserem Fall ist das Gemeinwohlinteresse die Durchsetzung der Naturschutzziele. Der FFH-Managementplan ordnet dagegen die Naturschutzziele der Allgemeinheit ausdrücklich nachrangig zur Entscheidungsfreiheit des Eigentümers und Bewirtschafters des Schutzgebiets. Das stellt das Verfassungsgebot auf den Kopf. Das Gemeinwohl wird nachrangig. Die Behörden verfehlen so den Auftrag, das Wohl der Allgemeinheit durchzusetzen.

Nachtrag Winter 2022

Im Februar 2021 hat ein Waldbauer oberhalb Meilling eine Reihe von 18 großen Buchen am Waldrand gefällt. Der Wald dort ist nach der Bayernatlaskarte ein FFH Gebiet. Eigentlich sollte in FFH Waldgebieten (Schutzgrund ist „Buchenwald“) eine generationelle Stufung des Baumbestands erhalten bleiben. Das sieht hier nicht mehr danach aus, abgesehen von 3 „Alibibäumen“.

Papier…

Unter dem Eindruck dieses doch recht tiefgreifenden Eingriffs habe ich bei meinen Spaziergängen einige weitere Beobachtungen in diesem Naturschutzgebiet unternommen. Um es vorweg zu nehmen: einen großen Unterschied zur Beforstung in einem „normalen“ Buchenwald kann ich als Laie nicht erkennen. Daher zunächst einmal Zitate aus dem Gutachten im „Managementplan“ für das Fauna-Flora-Habitat-Gebiet „Eichenalleen und Wälder um Meiling und Weßling“ ( DE 7933-371 -02) vom 5.12.2018 (Text siehe auch ganz unten):

„Das FFH-Gebiet „Eichenalleen und Wälder um Meiling und Weßling“ stellt eines der abwechslungsreichsten Landschaftspanoramen in Bayern dar. Es bildet den Strukturreichtum der Jungmoränenlandschaft vorbildhaft ab und weist zahlreiche geschützte, gefährdete und sehr seltene Arten auf.“

„Besonders positiv ist die große Anzahl unterschiedlicher Bestandesschichten (mehrschichtig aufgebauter Bestand) und der hohe Totholzanteil.“

„Erhaltungsziel: Erhalt der Waldmeister-Buchenwälder (Asperulo-Fagetum) sowie der Mitteleuropäischen Orchideen-Kalk-Buchenwälder (Cephalanthero-Fagion) in naturnaher Struktur und Baumarten-Zusammensetzung. Erhaltung eines ausreichenden Angebots an Alt- und Totholz sowie an Höhlenbäumen.“

… und Realität

Die folgende Fotogalerie zeigt Impressionen aus dem so wortreich hochgeschätzten und als bedeutendes Biotop klassifizierten Fauna-Flora-Habitat-Naturschutzgebiet.

Meine Fragen zu diesen Bildern:

  • Warum wird ein alter (Rest)-Baumbestand von 18 Buchen am Waldrand gefällt, wo doch das Management Ziel ist: „der Erhaltin naturnaher Struktur und Baumarten-Zusammensetzung.“
  • Was bedeuten mehrere große Holzlegen im Wald, wo doch das Erhaltungsziel heisst: „Erhaltung eines ausreichenden Angebots an Alt- und Totholz sowie an Höhlenbäumen.“
  • Wie vertragen sich Endurofahrer und Mountainbiker mit dem Naturschutzgebiet? Diese Herrschaften übertreten die Gesetze, klar, aber sie werden auch durch keine Tafel auf das bestehende Naturschutzgebiet hingewiesen.
  • Was geht im Kopf eines Hundebesitzers vor, der seinen roten Beutel mit Kacke seines Köters mitten im Wald am Baumstumpf platziert. Erwartet er einen täglichen Reinigungsservice im Naturschutzgebiet?
  • Im gesamten Waldbestand habe ich bislang neben einigen wenigen abgebildeten absterbenden Altbuchen eine kleine Handvoll von wirklich „alten“, nicht mehr „nutzbaren“ Bäumen gefunden. Insofern kann ich im Waldmanagement keinen ausgeprägten Unterschied zwischen diesem FFH Wald und einem „normalen“ Nutz-Wald erkennen, außer dass hier noch Buchen stehen und keine Fichten. Alt- und Totholz zum Beispiel wird umgehend aus diesem FFH Wald herausgeräumt.
Die Behörden schauen weg

Im FFH-Managementplan heisst es: „Die Sicherung bzw. die Wiederherstellung eines guten Erhaltungszustandes ist klar definiertes Ziel (Art. 3; der Richtlinie 92/43/EWG, vom 21.05.1992). An diesem Ziel haben sich alle waldbaulichen Maßnahmen auszurichten, die Wahl der konkreten Maßnahme jedoch steht in der Kompetenz und Entscheidungsfreiheit des Bewirtschafters.“

Mein Eindruck: die Entscheidungsfreiheit der Bewirtschafter führt offenbar zu einem „normalen“ Waldmanagement. Das bestehende Verschlechterungsgebot wird nicht beachtet. Die Forstaufsicht schaut weg und redet sich bestenfalls heraus. Es ist an der Zeit, dass das Interesse der Allgemeinheit mit strengeren Regelungen und mit regelkonformer Forstaufsicht gemäß den Zielen 100 und 118 durchgesetzt wird. Auch die Vernutzung des Schutzgebiets durch Radler, Biker oder gedankenlose Spaziergänger muss durch Aufklärung und Kontrolle gestoppt werden. Nach meinem Eindruck versteht derzeit niemand, dass dieses Waldgebiet unter besonderem Schutz steht. Es ist nicht überraschend, dass die Bundesrepublik Deutschland vor dem Europäischen Gerichtshof wegen Unterlassung der Durchsetzung des FFH Schutzes unter Anklage steht.

Fotos und Beitrag: Stephan Bleek (2021)

Das große Sägen im FFH-Wald geht gedankenlos weiter. An der Meilinger Höhe wurde weitere große Buchen gefällt. Es besteht der Verdacht, dass das Holz unter anderem in das neue Seefelder Hackschnitzelheizwerk wandert. Manche Stämme wurden gleich auf Brennholzformat zersägt. Da auch die Gemeinde Wörthsee einen solchen Ofen errichten will und in Seefeld ein weiterer geplant ist, kann man sich ausmalen, wie rasch die Baumbestände verschürt werden, falls man die Waldbesitzer weitermachen lässt.

Obere Reihe: Im Januar 2022 wurden weitere große Buchen am Waldrand gefällt.

Untere Reihe:  Art- und Totholz, das eigentlich erhalten werden soll, ist bereits für die Fällung markiert. Merke: Erhaltungsziel laut Staatsregierung: „Erhaltung eines ausreichenden Angebots an Alt- und Totholz sowie an Höhlenbäumen.“

Fotos: Stephan Bleek

Text: Stephan Bleek

FFH Managementplan 7933-371

FFH-Managementplan Meilinger Höhe vom 5.12.2018.

Teil I - Maßnahmen
„Das FFH-Gebiet „Eichenalleen und Wälder um Meiling und Weßling“ stellt eines der abwechslungsreichsten Landschaftspanoramen in Bayern dar. Es bildet den Strukturreichtum der Jungmoränenlandschaft vorbildhaft ab und weist zahlreiche geschützte, gefährdete und sehr seltene Arten auf. Namensgebend sind die uralten Eichenalleen mit ihren prächtigen Baumriesen, die kaum an einer anderen Stelle in Bayern vorzufindenden und somit für das Gebiet charakteristisch sind.
Das Gebiet ist ebenfalls geprägt durch ausgedehnte Buchenwälder, naturnahe Erlen-Eschenwälder und einzigartige Offenlandlebensraumtypen, wie wertvolle Kalkmagerrasen und Hochstaudenfluren, die einen hohen Artenreichtum beherbergen.
Weitere, im Offenland des Gebiets nachgewiesene Arten von gemeinschaftlichem Interesse sind der Steinkrebs und der Kammmolch. Das Gebiet ist über weite Teile durch die Jahrhunderte hinweg andauernde bäuerliche Land- und Forstwirtschaft geprägt worden. Mit der Meldung wurden ökologische Qualität und Bedeutung über die Landkreisgrenze hinaus offensichtlich.
(…) Diese Buchen- und Buchen-Mischwälder sind typisch für die Jungmoränenlandschaft des Alpenvorlandes. (…)

Besonders positiv ist die große Anzahl unterschiedlicher Bestandesschichten (mehrschichtig aufgebauter Bestand) und der hohe Totholzanteil. Diese Bewertungsparameter sind Kennzeichen für Strukturreichtum und Naturnähe. Defizite bestehen unteranderem bei den Strukturmerkmalen „Baumarteninventar in der Verjüngung“, sprich bei der Anzahl verschiedener Baumarten in der Verjüngung und der Menge an „Biotopbäumen“ (…)

Erhaltungsziel:

Erhalt der Waldmeister-Buchenwälder (Asperulo-Fagetum) sowie der Mitteleuropäischen Orchideen-Kalk-Buchenwälder (Cephalanthero-Fagion) in naturnaher Struktur und Baumarten-Zusammensetzung. Erhaltung eines ausreichenden Angebots an Alt- und Totholz sowie an Höhlenbäumen.“

Notwendige Erhaltungsmaßnahmen:

„(Maßnahme 100) Fortführung und ggf. Weiterentwicklung der bisherigen, möglichst naturnahen Behandlung unter Berücksichtigung der geltenden Erhaltungsziele“.

  • Maßnahme 100:„Die sogenannte Grundplanung umfasst alle Maßnahmen, die den Erhalt bzw. die Wiederherstellung eines guten Allgemeinzustandes des LRT garantieren. Die Sicherung bzw. die Wiederherstellung eines guten Erhaltungszustandes ist klar definiertes Ziel (Art. 3; der Richtlinie 92/43/EWG, vom 21.05.1992). An diesem Ziel haben sich alle waldbaulichen Maßnahmen auszurichten, die Wahl der konkreten Maßnahme jedoch steht in der Kompetenz und Entscheidungsfreiheit des Bewirtschafters. Für eine naturnahe Behandlung kennzeichnend sind z. B. kleinflächige, an die jeweilige Baumart angepasste Naturverjüngungsverfahren, mit langen Verjüngungszeiträumen, aber auch der Schutz der biologischen Vielfalt, sowie der Erhalt der Bodenfruchtbarkeit und der natürlichen Widerstandskräfte der Bestände.“

Wünschenswerte Erhaltungsmaßnahmen:

  • (Maßnahme 118) Lebensraumtypische Baumarten einbringen und fördern (v.a. Eiche, Tanne, Bergahorn, Esche, Linde u. sonst. Edellaubholz)Hauptursache für die eingeschränkte Baumartenvielfalt ist die enorme Wuchsdominanz der Rotbuche.“
  • (Maßnahme 121) Biotopbaumanteil (17) erhöhen „Eine angemessene Anzahl an Biotopbäumen ist Kennzeichen für die naturschutzfachliche Wertigkeit eines Bestandes bzw. eines LRTs. Biotopbäume stellen Lebensraum und Nahrungsgrundlage für zahlreiche Arten dar. Beispielsweise als Höhlenbaum, der Aufzuchtort bestimmter Singvögelarten ist oder als Träger von Faulstellen in denen Käfer und Larven leben, die wichtiger Nahrungsbestandteil der heimischen Spechte sind.“
FFH Managementplan 7933-371

FFH Waldgebiet Meiling – Naturschutz nur eine Farce?2022-02-07T18:43:00+01:00

Die Gartensaison ist eröffnet

Die Gartensaison ist eröffnet. Diesmal naturnah gärtnern!

In Deutschland gibt es 17 Millionen Privat- und Kleingärten. Wenn sie naturnah bewirtschaftet und gepflegt würden, wäre dies ein großer Gewinn für die Artenvielfalt. Der Bund Naturschutz gibt online gute Tipps zur Bewirtschaftung des Gartens. Wir haben einige Beobachtungen dazu.

Naturnaher Garten nach Baumarktart. Foto: DM

Riechen Sie mal hieran! Naturnahe Wiese im Garten Osterwaldstraße in München. Foto: SB 3.5.21

Liebevoll gepflegter Wegrand in Steinebach. Hanichelzaun mit Steinbrech…

… und sein Pendant: „Orbanzaun mit Todesstreifen“. Fotos SB.

So riecht das Frühjahr – Das moderne Konzert der „4 Jahreszeiten“

Das Frühjahr der Natur riechen wir, das Frühjahr des Baumarkts dagegen hören wir. Jetzt, Anfang Mai, wechselt das dominante Instrument im Konzert der 4 Jahreszeiten vom Duett von Häcksler und Kärcher (Frühjahr) zum Solo „Rasenmäher“ (Sommer). Wir freuen uns schon auf das Trio der Laubbläser, Kärcher und Häcksler im Herbst. Die Winterinstrumente dürfen Sie raten. Richtig, Solo für die Motorsäge im Gespräch mit Schneepflug und Fräse. Richtig stinken tun diese Geräte dazu auch noch.

Eine nimmersatte Dienstleisterbranche

Kaum also, dass ein Grashalm etwas grün geworden und einige Millimeter gewachsen ist, wird er abgemäht. Mit ihm alle Blütenansätze von Gänseblümchen, Wiesenschaumkraut, Traubenhyazinten, Löwenzahn oder die Kuckucks-Lichtnelke. Mein Eindruck ist, dass in unserer Gesellschaft eine nimmermüde Dienstleistergarde für viel zu viele schädliche und unnütze Arbeiten ausschwärmt. Wir schaffen auch im Garten Bruttosozialprodukt. Aber stiften wir wirklichen Nutzen damit? Im Gegenteil. Wir verbrauchen unnötig Motorenergie, stoßen auch hier immer mehr CO2 aus, zerstören die Blühpflanzen, die die Lebensgrundlage der Insekten sind. Die Artenvielfalt geht zu Grunde. Der Garten, den der Maschinenpark vom Baumarkt mit viel Krach erzeugt, ist langweiliger Murks. Also, liebe Gartenbesitzer: Den eigenen Tatendrang zügeln, die Baumärkte meiden und vor allem die Beauftragten mit klaren Regeln in die Schranken weisen! Beim Mähen immer Blühinseln stehen lassen und vor Juni-Juli am besten gar nicht mähen!

35 Jahre Naturnähe

Wie es anders geht, zeigt zum Beispiel eine Gartenwiese, die seit 35 Jahren erst spät im Frühsommer gemäht wird. Damals hatten wir dort gewohnt und auch einige Narzissen, Tulpen und Krokusse gesetzt. Der Hausmeister wurde auf Zurückhaltung verpflichtet und die Wiese sieht jetzt im Frühjahr so aus, wie auf dem Foto vom 3. Mai 2021 zu sehen. Die Krokusse sind schon verblüht – einige Tulpen blühen noch! Jahr für Jahr noch nach drei Jahrzehnten! Wiesenschaumkraut gab es 1985 noch nicht, es hat sich seitdem überall ausgebreitet. Der früher allein dominierende Löwenzahn ist auf locker verstreut stehende Exemplare ausgemagert, die blaue Kuckucks-Lichtnelke gedeiht.

Spaziergang in Steinebach

Es gibt in Steinebach einen Weg, an dem man auf nur 10 Metern unser Problem studieren kann. Auf der einen Seite ein Jahr für Jahr mit unglaublicher Liebe und Passion gepflegter Wegrand, der blüht und gedeiht und mit kleinen Hölzchen, Stöckchen und Schnüren gegen trampelnde Mitbürger oder ihre überbreiten SUVs geschützt wird. Dazu der klassische hölzerne Hanichelzaun, ein Insignium des bayerischen Bauerngartens.

Das Gegenbild: ein banaler Schotterstreifen zusammen mit dem im Baumarktjargon wunderbar benannten „Doppelstabmattenzaun“. Ich finde, dieser Auswuchs der Baumarktkultur hieße viel treffender „Orbanzaun“. Er erinnert mich immer an den Grenzzaun, den der ungarische Potentat 2016/17 zum Schutz von Europas Aussengrenze errichten ließ. Nun also halten geschotterte „Todesstreifen“ und Hochsicherheits-Metallzäune Einzug in den deutschen Vorgarten.

„Gärtnern ist ein Prozess des Wachsens und Gedeihens von Tieren und Pflanzen und des Lernens beim Gärtner,“ schreibt der Bund Naturschutz. Und ruft Sie auf, in Ihrem Garten naturnah zu arbeiten, auf Pestizide zu verzichten und mit einfachen Mitteln gesunden Lebensraum für Pflanzen, Insekten, Vögel und Menschen zu schaffen. Mehr dazu auf der Seite des Bundes Naturschutz, „Insektenfreundlicher Garten“.

Insekten sind zurück – sogar in der Großstadt

Auf weiteren Fotos (ganz unten) sehen wir einen Aurorafalter (Anthocharis cardamines) auf einer Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata). Photographiert am 3. Mai an einem Beetrand im gleichen Garten in München. Der Aurorafalter mit zusammengeklappten Flügeln ist perfekt getarnt. das Muster der Flügel imitiert den Blütenstand seiner Lieblingspflanze. Es gibt andere Exemplare dieses Falters, deren Flügelunterseiten Pflanzen wie das Wiesenschaumkraut imitieren. Derjenige, der seinen Garten geduldig wachsen lässt, kann solche wunderbaren Erfahrungen machen.

Stephan Bleek.

Aurorafalter auf Knoblauchsrauke. Aufgenommen in München am 3. Mai 2021. Fotos: SB

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Die Gartensaison ist eröffnet2021-06-07T10:58:44+02:00
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